Von Lutz Becker
Wenn ich mit Managern arbeite, höre ich immer wieder die gleichen Klagen: "Wir können eigentlich nicht mehr planen. Die Marktpreise spielen verrückt, und die Wechselkurse tun es erst recht." "Selbst wenn wir in der Lage sind, die Preise zu zahlen, wissen wir nicht, ob und wie viele Rohstoffe wir bekommen." Selbst das alte Gesetz, dass der Preis umso besser ist, je größer die Menge, gilt oft nicht mehr. Wir haben es mit so genannten VUCA-Märkten zu tun. VUCA stammt aus der amerikanischen Militär-Terminologie und bedeutet:
Volatility - Chaotische Schwingungen und sprunghafte Entwicklungen bestimmen das Marktgeschehen.
Uncertainty - Unsicherheiten, Nichtvorhersagbarkeit und strategische Überraschungen sind geschäftliche und gesellschaftliche Normalität.
Complexity - Technische und soziale Komplexität führen zu unerwarteten, teils sogar gegenläufigen oder scheinbar absurden Entwicklungen.
Ambiguity - Zukunftsszenarien sind unklar, unscharf und widersprüchlich.
Kurz: Man weiß nie, was wirklich auf einen zukommt. Pläne sind in dem Moment obsolet, in denen sie mit der Realität konfrontiert werden. Oder, um den Strategen und preußischen Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke zu zitieren: Kein Plan übersteht die erste Feindberührung.
Das Zeitalter der Planung
Die Erfindung des Kalenders, die globale Harmonisierung der Zeitsysteme nach dem Greenwich Standard und erst recht die Uhr als Massenprodukt im 19. Jahrhundert ermöglichten einen immer präziseren Umgang mit der Zeit. Das industrielle Zeitmanagement war die Folge, das in der industriellen Fertigungsplanung und -steuerung sowie in dem von der Uhr diktierten "Scientific Management" eines Frederik Winslow Taylor und eines Henry Gantt seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Die Armbanduhr gab den Takt der Industrie vor und avancierte zum Statussymbol der Moderne. Selbst die Zukunft wurde vom linear voranschreitenden Zeittakt vereinnahmt, immer präzisere und ausgeklügeltere Planungsmethoden eroberten die Industrie und die Gesellschaft.
Eine Generation weiter: Frage ich meinen Sohn abends, was denn noch anstehe, bekomme ich nur ein Achselzucken zu Antwort. Und: "Ich guck gleich mal in Facebook." Ein Achselzucken, das meist damit endet, dass irgendwann eine Heerschar von Jugendlichen in unseren Garten einfällt.
Heute tragen nur noch wenige Schüler und Studenten eine Armbanduhr. Natürlich leuchtet auch auf auf dem Handy-Display die Zeit; aber das ist nicht der Kern: Wir machen immer weniger Pläne, denn wir müssen es nicht mehr. Stattdessen nehmen wir das Smartphone zur Hand, telefonieren, texten, twittern. Wir planen unsere Zugfahrten nicht mehr, sondern wir gehen zum Bahnhof und bekommen per App die Information, welche Verbindung sich als nächste anbietet. Am Ziel angekommen können wir mit einem Blick aufs Handy entscheiden, ob wir einen Mietwagen, ein Leihfahrrad, die U-Bahn oder das Taxi nehmen. Ein bekannter Berliner IT-Unternehmer twitterte neulich: "Ich bin gerade in London, wer ist auch hier?" Kommen Geschäfte heute etwa so zustande?
tja, mit den rationalen Wissenschaften wird es zunehmend enger. da müssen wir schon bei FREUD und dem letzten Stand dessen was dieser um 1900 anregte weiterdenken. die Formel geht so: (ratio + emotion) / 2 = intuitiv correct decision, Das 21. Jhdt. ist dabei die alten Fundamentalisten religiöser und fachlicher Natur zu überwinden, ad absurdum zu führen. Im Cern wird gerade ein Quäntchen nachgewiesen welches die theoretisch längst berechnete [...] mehr...



