Von Christian Stadler
2. Teil: Welche Rolle die Partner spielen
2. Die Partner
Der Erfolg von neuen Produkten hängt nicht nur vom eigenen Geschick, sondern auch von einer Reihe von Partnern ab. In einem neuen Buch zeigt Ron Adner, Professor an der Tuck School of Business, wie viele Unternehmen an der Komplexität ihrer oft nicht klar erkennbaren Abhängigkeiten scheitern. Ein Beispiel: Als Michelin im Jahr 1998 revolutionäre Reifen auf den Markt brachte, mit denen ein Fahrzeug trotz Reifenpanne noch rund 200 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde zurücklegen konnte, machte das Unternehmen fast alles richtig. Marktstudien zeigten: Die Kunden würden das Produkt begeistert aufnehmen. Auch die Autohersteller wollten ihre Oberklassemodelle unmittelbar mit den neuen Reifen bestücken. Mit Goodyear konnte Michelin den zweitgrößten Reifenhersteller der Welt als Partner gewinnen. Dennoch scheiterte Michelin. Zu wenige Werkstätten kauften die neuen Geräte, die zur Reparatur der revolutionären Reifen notwendig waren. Der Aufwand lohnte sich aufgrund des anfänglich zu erwartenden kleinen Marktanteils nicht. Für die verärgerten Kunden bedeutete dies: Bei einem Platten konnten sie die Reifen nicht flicken lassen, sondern mussten oft neue kaufen. Wie viele andere Unternehmen hatte Michelin vergessen, dass ihre Innovation Teil eines Ökosystems ist, die nur gemeinsam mit den oft nicht erkenn- und kontrollierbaren Partnern gelingt.
Wie können Unternehmen die Probleme vermeiden? Die Vorbehalte von Kunden und Partnern bei der Einführung bahnbrechender Innovationen stellen eine kaum zu überwindende Barriere dar. Das liegt an der Ungewissheit, welche Innovation wirklich zum Erfolg führt. Sollen Sie Ihre wichtigsten Abnehmer tatsächlich ignorieren, um vielleicht eine bahnbrechende Innovation zu etablieren? Wird es Ihnen gelingen alle wichtigen Partner davon zu überzeugen, auf dem richtigen Weg zu sein? In einer Studie über Unternehmen, die seit 100 Jahren erfolgreich sind, zeigen Philip Wältermann und ich einen alternativen Weg auf: Es ist nicht nötig, an vorderster Front mitzukämpfen. In vielen Fällen gewinnen die Imitatoren, nicht die Innovationsführer. Nicht Netscape, sondern Nachzügler Microsoft setzte sich am Browsermarkt durch. Den ersten MP3-Player brachte Diamond Multimedia auf den Markt, doch Apples iPod wurde später zum Verkaufsschlager. Und die Diät-Cola von R.C. Cola kennt wohl kaum jemand, während Coca Colas zuckerfreies Produkt sehr erfolgreich ist. Als Imitator haben Sie den Vorteil von den Fehlern der Innovationsführer zu lernen. Und mindestens genauso wichtig: Es wird Ihnen leichter fallen Kunden und Partner mit ins Boot zu holen, die den Erfolg bereits erahnen können. Kurzum: Bahnbrechende Innovationen sind überbewertet.
Was sind Ihre Erfahrungen mit radikalen Innovationen? Werden Sie überschätzt? Diskutieren Sie mit!
Manchmal machen kleine aber feine Unterschiede eben doch alles aus, deswegen gibts eben Kopien die erfolgreicher als das "Original" werden. mehr...
Um das zu erreichen kann ein Unternehmen auf eigene Innovationen zugreifen, muss es aber nicht. Genausogut kann es Ideen von anderen Unternehmen übernehmen (und verbessern). mehr...
Das ist der springende Punkt für den Praktiker! Es geht um Bedürfnisse - nicht um Produkte. "Dem Kunden aufs Maul geschaut." Erkenntnisse sofort umsetzen. Tun. Jetzt. Ist das Innovation? mehr...
“zu früh”? Warum zu früh?The Huffington Post hat auch irgendwann mal einfach angefangen (allerdings mit einem völlig andern Modell als hier beschrieben).Der Kern für mich bei einem solchen Projekt ist: Die Sache vom Inhalt her denken, von den Bedürfnissen der User her (nicht der Macher!). Die richtige Form kommt dann schon von selber, ist anpassungsfähig, da muss man sich am Anfang nicht zu viele Gedanken machen. Der Ansatz [...] mehr...
Prof. Carl von Ossietzky Universität Oldenburg hat ähnliche Ergebnisse herausgefunden. Im Blog der Wirtschaftswoche habe ich gerade einen Bericht gelesen, der die selben Thesen vertritt: http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/04/18/nicolai/ Viele Grüße Alexander Schmidt http://www.interim-magazin.de mehr...


