Von Sonja A. Sackmann
Seit einigen Jahren diskutiert die Öffentlichkeit heftig die demografische Entwicklung. Die auf dem Kopf stehende Birne hat sich als Abbild der künftigen Altersverteilung in den westlichen Ländern eingeprägt: Im Jahr 2050 wird es zu wenig Neugeborene und zu viele Ältere geben.
Schon heute bleiben Lehrstellen aufgrund der rückläufigen Geburtenraten unbesetzt und viele Firmen beginnen bereits den Fachkräftemangel zu spüren - speziell bei den sogenannten MINT-Qualifizierten, die Mathematik, Ingenieurswesen, Naturwissenschaften oder Technik studiert haben. Der "War for Talent" ist in den Unternehmen wieder präsent.
Doch was tun Unternehmen für Ältere, um sie fit für die Herausforderungen des Arbeitsalltags zu halten? Zu wenig bis gar nichts. Beispiel Weiterbildung: Dass über 50-Jährige an Seminaren (für alle offen oder firmeninterne) und Lehrgängen teilnehmen, scheint eher die Ausnahme zu sein, wie die Ergebnisse einer aktuellen Befragung des Bundesverbands für betriebliche Weiterbildung "Wuppertaler Kreis" bei seinen 52 Verbandsunternehmen zeigen - die Investitionen kommen vorwiegend den 30- bis 40-Jährigen zu.
| Teilnehmern und Teilnehmerinnen in % | unter 30 Jahren | 30-40 Jahre | 40-50 Jahre | über 50 Jahre |
| In offenen Seminaren | 18,3 % | 33,8 % | 31,6 % | 16,3 % |
| In Lehrgängen | 32,8 % | 34,0 % | 23,0 % | 10,1 % |
| In firmeninternen Seminaren | 17,1 % | 36,5 % | 32,1 % | 14,3 % |
Ab Anfang beziehungsweise Mitte Fünfzig wird es schwierig bis unmöglich, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Durch das meist unsichtbare "age grading"- Unternehmen definieren ein Höchstalter für eine bestimmte Position - sind Menschen jenseits der 50 Jahre bei uns in Deutschland offenbar zu alt für bezahlte Arbeit. Wer seinen Lebensschwerpunkt (noch) nicht auf Rasenmähen, Fernsehen, Reisen oder Golfen verlegen will, dem bleibt nur der Weg in die Selbständigkeit - es sei denn, es gibt staatliche Initiativen. So wurden gerade im Schweizer Fribourg Anreize für Firmen geschaffen, über 56-Jährige einzustellen - übrigens ein sehr erfolgreiches Projekt.
Wie weit Führung und Organisation in manchen Unternehmen aus dem Lot geraten sind, zeigt sich genau in diesem hier vorgestellten Thema: an personalstrategischen Weichenstellungen sowie an der engen Einbindung und Nutzung erfahrener, älterer Mitarbeiter. Dies ist ein wichtiger Aspekt, der stärkere Beachtung in der Diskussion von Managementthemen verdiente. Es ist nämlich erstaunlich und für die (globale und nationale) Wettbewerbsfähigkeit durchaus [...] mehr...
Schon seit Jahren befasse ich mich mit dem Thema und kann der Autorin nur zustimmen. Es werden unglaublich viel Wissen und Erfahrung, aber auch Führungsqualitäten nicht genutzt. Gerade Assessment-Center als Personalbeurteilungsverfahren erfassen die wichtigsten Komponenten eines Bewerbers kaum: Persönlichkeit, Fähigkeiten und Kompetenz. MBA Absolventen können wunderbar vorgelegte Fälle lösen. Erfahrene Persönlicheiten erkennen aber oft viel früher, dass [...] mehr...

