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30.12.2011

Blog

Wertschätzung für Ältere

Von Sonja A. Sackmann

3. Teil: Das Feuer brennt noch

Die Hirnforschung belegt, dass das Gehirn selbst in hohem Alter noch neue Zellen bilden kann. Allerdings nur, wenn sie auch genutzt und regelmäßig trainiert werden. Daher wäre es gerade bei älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sinnvoll, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen aufzufrischen und sie aus ihrer gewohnten Routine zu locken.

Vor einigen Jahren nahm eine 56-jährige Führungskraft an einem innerbetrieblichen Managemententwicklungsprogramm eines international agierenden Konzerns teil, das ich leitete. Fast zeitgleich mit der Einladung für diese Qualifizierung erhielt sie das Angebot zur Frühpensionierung. Ob dies Absicht oder Versehen war, war nicht ganz klar. Jedenfalls zeigte sich die Führungskraft einige Tage recht teilnahmslos, bis irgendwann während des sechswöchigen Programms, ein Funke übersprang - der ein Feuer entfachte. Gegen Ende der Qualifizierungsmaßnahme brannte die Führungskraft darauf, die nächste Herausforderung im Unternehmen anzupacken - von Frühpensionierung war keine Rede mehr. Auch ein Manager wie Gerhard Cromme hat wohl gemerkt, dass Menschen mit Ende Sechzig noch recht fit sein und weiter einen Beitrag für die die Wirtschaft und Gesellschaft leisten können. Warum hätte er sonst die Altersgrenze für Aufsichtsräte von 70 Jahren bei Siemens gekippt?

Neben der regelmäßigen Qualifizierung sollten Unternehmen auch die spezifischen Bedürfnisse älterer Mitarbeitern berücksichtigen. Die Ergebnisse einer Befragung zeigen, dass älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Reihe von Aspekten wichtig sind, die sie in ihren Unternehmen jedoch nur in mittelmäßig realisiert sehen. Die größte Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit zeigt sich etwa bei den Themen Wissens- und Erfahrungsaustausch, dem Nutzen und Umsetzen von Innovationen, der Mitarbeiterbeteiligung, kooperativer Führung sowie einem offenen und anregendem Betriebsklima.

Die Erfüllung dieser Erwartungen sollte eigentlich nicht so schwierig sein und könnte Unternehmen eine Reihe von Vorteilen bringen.

  • Nutzen Sie das intern vorhandene Wissen und ermöglichen Sie den Erfahrungsaustausch zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedener Abteilungen und Hierarchiestufen.
  • Setzen Sie das Wissens- und Erfahrungspotenzial aller vorhandenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnbringend ein. Voraussetzung dafür ist ein offenes Betriebsklima und kooperative Führung. Hilfreich sind dabei Führungskräfte, die sowohl zuhören wie auch zulassen können, die Stärken und Schwächen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen und sie entsprechend einsetzen, so dass diese ihre Stärken auch tatsächlich zum Einsatz bringen und weiter entwickeln können.
  • Beachten Sie den feinen Grad zwischen Herausforderung, Überforderung und Unterforderung. Herausforderungen lassen sich mit Einsatz bewältigen, Überforderung produziert auf Dauer negativen Stress und kann zu Burnout führen. Doch auch Unterforderung führt zu negativem Stress - dem Boreout-Syndrom. Interessanterweise fühlen sich eine ganze Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht unbedingt durch Überforderung gestresst, sondern durch Unterforderung. Der Grund: Sie können bei ihrer Arbeit nicht all ihre Fähigkeiten einsetzen.
  • Kümmern Sie sich um die Potenziale älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es liegt mit in der Verantwortung der Mitarbeiter, ihre Vorgesetzten anzusprechen, wenn sie sich weiterbilden wollen oder herausfordernde Aufgaben suchen. Vorgesetze wiederum sollten ein offenes Ohr für diese Wünsche haben. Zudem sollten sie vor allem ihren älteren Leistungsträgern eine Wertschätzung entgegenbringen und sie weiter fordern und fördern. Dazu sind Rahmenbedingungen nötig, die es zulassen, die Arbeit inklusive Arbeitsort und Arbeitszeit flexibel zu gestalten.
  • Zeigen Sie die vielfältigen Chancen auf, die bei der Zusammenarbeit verschiedener Generationen von Mitarbeitern in einem Unternehmen entstehen. Machen Sie deutlich, worin die Chancen liegen. Kommen unterschiedliche Perspektiven zusammen, entstehen leichter neue, kreative Lösungen. Beschreiben Sie aber auch die Herausforderungen: Die Vielfalt an Erwartungen und Meinungen kann anstrengend sein, es ist Sensibilität und Wertschätzung für die unterschiedlichen Sichtweisen erforderlich. Diese Vielfalt kann - ein offenes Betriebsklima, kooperative Führung und wertschätzende Unternehmenskultur vorausgesetzt - den Austausch innerhalb und zwischen Abteilungen, Bereichen und Hierarchien hinweg fördern.
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insgesamt 2 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
30.12.2011 von wgriepentrog: Kein Märchen: Ältere Mitarbeiter sind die Seele des Betriebs

Wie weit Führung und Organisation in manchen Unternehmen aus dem Lot geraten sind, zeigt sich genau in diesem hier vorgestellten Thema: an personalstrategischen Weichenstellungen sowie an der engen Einbindung und Nutzung erfahrener, älterer Mitarbeiter. Dies ist ein wichtiger Aspekt, der stärkere Beachtung in der Diskussion von Managementthemen verdiente. Es ist nämlich erstaunlich und für die (globale und nationale) Wettbewerbsfähigkeit durchaus [...] mehr...

30.12.2011 von mayconsult: Vergeudung wertvoller Ressourcen

Schon seit Jahren befasse ich mich mit dem Thema und kann der Autorin nur zustimmen. Es werden unglaublich viel Wissen und Erfahrung, aber auch Führungsqualitäten nicht genutzt. Gerade Assessment-Center als Personalbeurteilungsverfahren erfassen die wichtigsten Komponenten eines Bewerbers kaum: Persönlichkeit, Fähigkeiten und Kompetenz. MBA Absolventen können wunderbar vorgelegte Fälle lösen. Erfahrene Persönlicheiten erkennen aber oft viel früher, dass [...] mehr...

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Sonja A. Sackmann
Erfolgsfaktor Unternehmenskultur
Gabler, Betriebswirt.-Vlg, Oktober 2004, 280 Seiten

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Sonja A. Sackmann
Mensch und Ökonomie
Gabler, Betriebswirt.-Vlg, Dezember 2007, 422 Seiten

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