Von Lutz Becker
Es muss um das Jahr 1988 gewesen sein. Ich war damals eingeladen, einen Vortrag in der Duisburger Mercatorhalle zu halten. Meine Kernthese damals: "In zehn Jahren werden Sie ihre Urlaubsfotos über die Telefonleitung nach Hause schicken." Die meisten im Publikum, großenteils Ingenieure, hielten mich damals schlicht für verrückt und hätten mich wohl am liebsten in eine Zwangsjacke gesteckt und abführen lassen: "Digitale Fotografie wird nie funktionieren! " "Woher soll denn die Übertragungsbandbreite kommen? ", "Die digitale Fotografie wird eine kleine Nischenanwendung bleiben!"
So oder ähnlich brachten die Zuhörer teils emotional und lautstark ihre Gegenargumente vor. Natürlich sah die Revolution durch die digital-vernetzte Fotografie in vielem anders aus, als ich es mir damals vorgestellt habe, denn an ein World Wide Web oder Apple's Photo Stream war damals noch nicht zu denken. Aber sie kam - und das schneller und folgenreicher, als die meisten es für möglich gehalten hätte.
Ohne Zweifel haben kreative Entwickler und findige Unternehmer in den folgenden Jahren immer wieder Grenzen des vermeintlich Machbaren überwunden. Sie schufen Bandbreiten, die Experten zuvor als physikalisch vollkommen unüberwindbar bezeichnet hatten. Sie erhöhten die Packungsdichte von Speichermedien in einem Maße, von dem niemand zu träumen gewagt hätte. Wenn ich nun an einem frühen herbstlichen Sonntagmorgen im Sessel sitze und die ersten Gedanken zu diesem Beitrag mit meinem iPad in die Cloud tippe, frage ich mich, wie viele Widerstände ein Steve Jobs in seiner oft diktatorischen Art überwinden musste, um das alles zu ermöglichen.
Heute geht mir diese skurrile Szene aus Duisburg manchmal bei Gesprächen mit Energiemanagern durch den Kopf, von denen einige mit Vehemenz argumentieren, dass die Grundversorgung mit erneuerbaren Energien ein Hirngespinst sei; und mit Automanagern, die darauf bestehen, dass Elektromobilität langfristig eine Nische bleiben wird. Ich denke an das rheinische Handwerkermantra: "Hamm wir nich: Jibbet nich." "Könn' wir nich: Jeht nich!" "Haben wir immer so jemacht: Jeht nich anders!".
Was man bei dieser Thematik auch erkennt ist die Trägheit, die so viele Unternehmen befällt: Kaum sind sie bekannt & erfolgreich, verlieren viele Organisationen das Feuer und die Leidenschaft, sich immer wieder selber in Frage zu stellen und anzupassen. Marktentwicklungen werden unterschätzt oder schlimmstenfalls einfach ignoriert, bis es zu spät ist. Gerade das Agfa Beispiel zeigt diese Problematik. Es ist schon bemerkenswert, dass selbst [...] mehr...
Zuerst einmal vielen Dank für die kompetenten Kommentare. Gerade in meinen "Business Development" und "Innovationsmanagement" Seminaren bin ich regelmäßig mit Managern, meist Ingenieuren und Naturwissenschaftlern, im Gespräch, die mit neuen Technologien kurz vor der Markteinführung stehen. Ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass meine Interpretationen dadurch - und durch meine eigene beruflichen Erfahrungen in Märkten mit extrem [...] mehr...



