Von Hanne Seelmann-Holzmann
"Geht in den Westen, holt ihr Wissen und schlagt sie mit ihren Waffen!" Diese Aufforderung war in den 90er-Jahren auf einem Spruchband der Bejing Universität, einer der Eliteunis in China, zu lesen. "Zou Chu Qu" , "Schwärmt aus!" war während des 11. Fünfjahresplans der Leitspruch der chinesischen Globalisierungsstrategie. Als Premierminister Wen Jiabo Mitte September erklärte, dass China gerne mit seinen Devisenreserven von zum Beispiel 3 Billionen US-Dollar den hoch verschuldeten westlichen Staaten in Form von Direktinvestitionen helfen möchte, nutzte er also die Gunst der Stunde um, bereits bestehende Pläne umzusetzen.
Chinesische Firmen - ob in privater oder staatlicher Hand - gehen bereits seit einigen Jahren in Europa und besonders in Deutschland auf Einkaufstour. Zwei Beispiele: 2004 übernahm die Shenyang Machine Tool Group (SYMG) den angeschlagenen Maschinenbauer Schiess in Aschersleben. Im Jahr 2005 kaufte der staatliche Konzern Bejing No.1 den oberfränkischen Maschinenbauer Waldrich Coburg.
Im ersten Halbjahr 2011 wurden bereits deutsche Firmen im Wert von über einer Milliarde Euro verkauft. Dazu gehören immer öfter auch Traditionsfirmen wie der Automobilzulieferer Saargummi und Preh oder der Maschinenbauer KHD Humbold Wedag. Schlagzeilen machte die Übernahme des Konsumelektronik-Anbieters Medion durch den Computerproduzenten Lenovo. Und immer häufiger werde ich zu deutschen Mittelständlern gerufen, um sie mit der Denkweise der neuen chinesischen Eigentümer vertraut zu machen.
Obwohl ein Verkauf an chinesische Eigentümer oft der einzige Weg ist, den Fortbestand eines Unternehmens und damit auch der Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, reagieren die betroffenen Arbeitnehmer meist skeptisch und ablehnend auf die Hilfe des chinesischen Herrn Mustermanns, Herrn Wang.
Mir ist nicht ganz klar, warum im Artikel so deutlich Wert auf die Differenz zwischen Asien/China und Europa/Deutschland gelegt wird. Einmal wird in den seltensten Fällen bei den China-DE Übernahmen Partner mit auf Augenhöhe zusammenkommen. Augehöhe sowohl in der finanziellen Ausstattung wie auch den organisatorischen Einheiten. Wenn ein Lenovo mit 27.039 Mitarbeiter (2008) einen Medion (etwa 1000 Mitarbeitern) übernimmt treffen Unternehmen mit [...] mehr...

