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21.09.2011

Blog

Herr Wang ist jetzt unser Chef

Von Hanne Seelmann-Holzmann

Der ferne Osten hilft dem Westen - was vor Jahren undenkbar schien, ist heute Realität: China bietet Europa in der Finanzkrise seine Hilfe an. Im Windschatten der Politik kaufen chinesische Investoren deutsche Firmen auf. Das verlangt von deutschen Managern und Mitarbeitern umzudenken. Diskutieren Sie mit!

"Geht in den Westen, holt ihr Wissen und schlagt sie mit ihren Waffen!" Diese Aufforderung war in den 90er-Jahren auf einem Spruchband der Bejing Universität, einer der Eliteunis in China, zu lesen. "Zou Chu Qu" , "Schwärmt aus!" war während des 11. Fünfjahresplans der Leitspruch der chinesischen Globalisierungsstrategie. Als Premierminister Wen Jiabo Mitte September erklärte, dass China gerne mit seinen Devisenreserven von zum Beispiel 3 Billionen US-Dollar den hoch verschuldeten westlichen Staaten in Form von Direktinvestitionen helfen möchte, nutzte er also die Gunst der Stunde um, bereits bestehende Pläne umzusetzen.

Vom Chinesen Lenovo gekauft: Der Elektronikhersteller Medion
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Vom Chinesen Lenovo gekauft: Der Elektronikhersteller Medion

© Corbis
Chinesische Firmen - ob in privater oder staatlicher Hand - gehen bereits seit einigen Jahren in Europa und besonders in Deutschland auf Einkaufstour. Zwei Beispiele: 2004 übernahm die Shenyang Machine Tool Group (SYMG) den angeschlagenen Maschinenbauer Schiess in Aschersleben. Im Jahr 2005 kaufte der staatliche Konzern Bejing No.1 den oberfränkischen Maschinenbauer Waldrich Coburg.

Im ersten Halbjahr 2011 wurden bereits deutsche Firmen im Wert von über einer Milliarde Euro verkauft. Dazu gehören immer öfter auch Traditionsfirmen wie der Automobilzulieferer Saargummi und Preh oder der Maschinenbauer KHD Humbold Wedag. Schlagzeilen machte die Übernahme des Konsumelektronik-Anbieters Medion durch den Computerproduzenten Lenovo. Und immer häufiger werde ich zu deutschen Mittelständlern gerufen, um sie mit der Denkweise der neuen chinesischen Eigentümer vertraut zu machen.

Chinesische Investoren interessieren sich für Technologie, Markennamen, Distributionsnetze ebenso wie für auf das Management-know-how. Eine Übernahme verkürzt den langwierigen und teuren Aufbau von eigenem Wissen oder einer eigenen Marke. Zudem wollen sich die Firmenkäufer qualifizierte Fachkräfte sichern, denn die sind in China Mangelware und heiß umworben. Deshalb übernehmen die Chinesen gerne das deutsche Management und die Mitarbeiter. "Eine deutsche Eiche verpflanzt man nicht", ist die Einstellung der chinesischen Seite. Damit möchte man die Furcht vor einer Standortverlagerung nach China bannen.

Obwohl ein Verkauf an chinesische Eigentümer oft der einzige Weg ist, den Fortbestand eines Unternehmens und damit auch der Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, reagieren die betroffenen Arbeitnehmer meist skeptisch und ablehnend auf die Hilfe des chinesischen Herrn Mustermanns, Herrn Wang.

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