RSS Freitag, 24. Mai 2013
Text minus plus
29.06.2011

Blog

Die Schwächen der Personalchefs

Von Armin Trost

Allzu viele Personalleiter sind einfach nur Verwalter. Doch erst wenn sie glaubwürdig und mit all ihrer Kraft für eine Sache, ein Anliegen stehen und Führungsqualitäten entwickeln, werden sie langfristig erfolgreich sein. Diskutieren Sie mit.

Was zeichnet eigentlich starke Führungspersönlichkeiten aus? Als Vertreter der akademischen Welt erlaube ich mir für einen Moment, all die gängigen Leadership-Theorien zu vergessen. Stattdessen bediene ich mich der zahlreichen Biografien über große Persönlichkeiten, die ich in meinem Bücherregal finde. Ich denke an Menschen wie Nelson Mandela, Richard Branson, Margaret Thatcher, Jack Welsh, Mahatma Gandhi, Franz Beckenbauer, Steve Jobs und so weiter. Ich will es auf eine einfache Formel bringen: Starke Führungspersönlichkeiten stehen für etwas, unmissverständlich und mit all ihrer Kraft. Sie lassen keine Sekunde Zweifel an der Bedeutung ihrer Ideen und können Andere mobilisieren. Dabei erreichen sie die Herzen und den Verstand jener Menschen, die sie führen.

Führungspersönlichkeit: Franz Beckenbauer

Führungspersönlichkeit: Franz Beckenbauer

© Corbis
Nun fragen Sie sich bitte einmal: Wofür steht der Personalchef in Ihrem Unternehmen? Wenn Sie selbst diesen Job innehaben: Wofür stehen Sie? Ich weiß, mit dieser Frage bewegen wir uns nicht mehr auf der Ebene der großen Weltpolitik und die meisten Personalleiter sind wohl weniger wichtig als Steve Jobs, Richard Branson oder wie sie alle heißen. Aber bezogen auf den Aufgabenbereich eines Personalers halte ich diese Frage für absolut entscheidend. Und Sie wird sicherlich auch ein Thema auf dem morgen in Berlin beginnenden Personalmanagementkongress sein.

Persönlichkeit gefragt

Human Resource Management (HRM) ist der Bereich, mit dem ich mich beschäftige. Ich hatte in meiner Karriere als Mitarbeiter, Professor, Berater oder einfach nur als Interessierter das Glück, viele Personalchefs persönlich zu treffen. Ich habe unter ihnen fachlich kompetente, charismatische, freundliche, gewissenhafte, mutige und moderne Menschen kennengelernt. Und ich bin Personalleitern begegnet, die echte Führungspersönlichkeiten waren - die für etwas standen. Die einen versuchten konsequent, zum Geschäftserfolg ihres Unternehmens beizutragen, andere förderten engagiert Talente, bemühten sich um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um die Entwicklung des Unternehmens zum attraktivsten Arbeitgeber der Branche oder um ein anderes Themen. Dass sie dabei die übrigen Aufgaben professionell erledigten, ist selbstverständlich. Ich wage die These: Ein Personalleiter wird nur dann erfolgreich sein, wenn er eine Führungspersönlichkeit ist. Dazu sollte er ein für das Unternehmen entscheidendes Thema dauerhaft zu seiner Sache machen.

Damit will ich den so oft zitierten Ansätzen, wie dem des US-Managementprofessors und Bestsellerautors Dave Ulrichs (siehe Strategie: Die Stunde der Personalmanager) nicht widersprechen, wonach Personalchefs und die ihm unterstellten Abteilungen alles können müssen: professionell verwalten, ein strategischer Partner der operativ tätigen Manager sein, Veränderungen vorantreiben und Mitarbeiter zu bestmöglicher Leistung und Zufriedenheit verhelfen. Auch unterschreibe ich die Zielsetzungen neuerer Personalleiterverbände in Deutschland, wie der HR Alliance oder des Bundesverbands der Personalmanager. Wir tun gut daran, für eine höhere unternehmenspolitische und gesellschaftliche Geltung unserer Zunft - repräsentiert durch die Personalchefs - zu sorgen. Nicht weil wir Personaler uns wichtiger nehmen als wir es sind, sondern weil es die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen erforderlich machen.

Vorbild werden

Ansätze wie der von Dave Ulrich oder die Ziele der Verbände sind berechtigt. Aber am Ende werden es herausragende Führungspersönlichkeiten im HRM sein, die für etwas stehen und damit ein Vorbild für Andere sein können. Sie werden einen sichtbaren Unterschied machen. Ich will mir kein Urteil anmaßen, ob wir in Deutschland oder Europa ausreichend solche Persönlichkeiten haben. Aber jede Führungspersönlichkeit mehr täte uns und den Unternehmen gut. Soviel steht fest.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Personalchefs gemacht? Sind Sie selbst einer und was ist Ihr Anliegen? Diskutieren Sie mit!

FORUM

insgesamt 1 Beitrag zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.06.2011 von T-Hoffmann: Kostenstelle oder Profitcenter?

Der erste Schritt dürfte wohl sein, sich zunächst der C-Suite als Profitcenter zu 'verkaufen'. Solange alles was mit Personal zu tun hat in erster Linie als Kostenfaktor betrachtet wird, werden 'Personaler' aller Ebenen immer hinter den tatsächlichen Möglichkeiten zurückbleiben. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...
© Harvard Business Manager 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Übersicht: Alle Blogger

Bücher von Armin Trost

Armin Trost: "Talent Relationship Management. Personalgewinnung in Zeiten des Fachkräftemangels."; Springer-Verlag GmbH, September 2012, 39,95 Euro.

Buch bestellen
Armin Trost, Thomas Jenewein
Personalentwicklung 2.0 - Lernen, Wissensaustausch und Talentförderung der nächsten Generation
Luchterhand Verlag GmbH, 328 Seiten, Mai 2011, 39,00 Euro

Buch bestellen
Armin Trost
Employer Branding - Arbeitgeber attraktiv positionieren und präsentieren
Luchterhand Verlag, Mai 2009, 39,00 Euro

Buch bestellen

Publikationen von Armin Trost

"Mitarbeiterbefragung als Instrument strategischer Unternehmensführung." (PDF) ; In W. Bungard & I. Jöns (Hrsg.), Feedbackinstrumente im Unternehmen (S. 197-208). Wiesbaden: Gabler

Publikationen von Armin Trost im Harvard Business Manager

HBM-Editionen

Das Beste aus dem Harvard Business Manager
zu einem Thema




Nach oben