Von Michael Hengl
Bergsteiger, die in einer steilen Wand hängen und sich ausschließlich mit ihrer Muskelkraft nach oben bewegen, lösen bei allen Betrachtern ein kribbeliges Gefühl zwischen Faszination und Gruseln aus. Wer selbst schon einmal eine Klettertour unternommen hat - und sei es auch nur in einer Kletterhalle - weiß, dass spätestens in zehn Meter Höhe über dem Boden bekannte Metaphern schlagartig ihren Sinn ändern. Statt dessen treten die ursprünglichen Bedeutungen zutage: einen sicheren Standpunkt finden, alles im Griff haben oder einen rasanten Absturz vermeiden. Alles bezieht sich plötzlich nicht mehr auf Meinung, Perspektiven oder Aktienkurse, sondern auf die unmittelbare Realität. Viele Menschen nutzen diesen Sport, um mental frei zu werden, die körperliche Fitness zu steigern oder um einfach die eigenen Grenzen nach oben zu erweitern.
Teambildung: Partnerschaften sorgen für Sicherheit
Doch viele vergessen dabei eine wichtige Tatsache: Die enormen Leistungen sind für viele Kletterer nur möglich, weil sie in einer Partnerschaft verbunden sind, die für ihre Sicherheit sorgt.
Das Sichern ist Basis des ganzen Alpin- und Sportkletterns. Letztlich ist er Be-zieh-ung im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kletterpartner knoten sich fest und machen damit das Seil zum sichtbaren Zeichen Ihrer Verbundenheit. Die Sicherheit entsteht durch die Fähigkeit zur Bezugnahme: Wenn jemand mit einem Partner klettert, der das Seil nicht halten kann, ist das grob fahrlässig. Denn Unfälle enden in der Regel tödlich.
Meine Beobachtung ist: Themen wie "Kommunikation" und "Soft Skills" haben in den letzten 20 Jahren in der Personalauswahl und -entwicklung einen anderen Stellenwert bekommen. Als ich meine ersten Schritte ins Berufsleben gemacht habe, war es regelrecht tabu, über persönliche Konflikte zu sprechen. Wer Lob und Anerkennung einforderte, galt als weinerlich. Man zog sich auf die Sachebene zurück. Die vielfach starre Orientierung an der [...] mehr...
Die zum Teil geringe soziale Verankerung und Verantwortung der Wirtschaft ist sicher nicht überraschend. Hier hilft aber kein Wehklagen und einseitige Schuldzuweisung an die Manager. Die Frage ist doch vielmehr, warum die Lobbyverbände der Wirtschaft nicht die sozialen Komponeten in die Regeln des Wirtschaftsspiels aufnehmen und in einer globalen Wirtschaft weltweit für diese Regeln kämpfen. Neben der Gewinnmaximierung des privaten, monetären und [...] mehr...
Zum einen stelle ich in meinen Trainings immer wieder fest, dass Manager Distanz aufbauen, um aus ihrer Sicht mehr Neutralität aufbauen zu können, wenn es um die Leistungsbeurteilung der Mitarbeiter geht. Es fällt Ihnen leichter zu kritisieren, wenn da keine persönliche Bindung besteht. Zum anderen bedeutet persönliche Bindung auch Nähe, d.h. Zeit nehmen für die Mitarbeiter. Die normale Antwort: "Ich habe aber keine Zeit für derartige Gespräche". [...] mehr...
Als ehemaliger Middle Manager einer internationalen Pharmafirma habe ich leider erlebt, dass stets jene Mitarbeiter befördert werden, welche sich durch Backstabbing, rücksichtsloses Verhalten Peers gegenüber und einer Politik der verbrannten Erde nach unten und blühenden Landschaften nach oben ausgezeichnet haben. Ich habe auch Manager erlebt, die nicht einmal davor zurückschrecken, andere Menschen in den sicheren Tod zu treiben. Fachlich habe ich in [...] mehr...