Von Peter Kenning
Auch in der vermeintlich rationalen Wirtschaft haben Emotionen eine große Bedeutung. Die Öffentlichkeit diskutiert derzeit besonders leidenschaftlich Werte wie Fairness, Vertrauen und Gerechtigkeit, die mit positiven Gefühlen besetzt sind. Aber - und das wird gegenwärtig oft übersehen - wirtschaftlicher Erfolg und Fortschritt entstehen zum großen Teil durch Wettbewerb. Das kann auch gar nicht anders sein, weil Akteure in der Wirtschaft um knappe Ressource konkurrieren. Unternehmen kämpfen miteinander um knappe Rohstoffe, Vertriebler müssen die begrenzten Etats der Kunden für sich gewinnen. Und das Marketing muss innerhalb der Unternehmen Budgets durchsetzen. Aus dieser Konkurrenz entstehen regelmäßig Konflikte, die wiederum emotionale Reaktionen hervorrufen können.
Doppelgefühl Neid: Zum einen kann es demotivieren und frustrieren, aber zum anderen auch Ehrgeiz wecken
Die Folgen von Neid
Die weite Verbreitung von Neid verdeutlichte bereits eine Studie in den 90er Jahren. Anhand einer Befragung von Mitarbeitern in 200 Unternehmen zeigte Frederick C. Miner, damals Professor für Management der St. Mary's University in Halifax, Canada, dass über 75 Prozent der Befragten Erfahrungen mit Neid am Arbeitsplatz gesammelt hatten (siehe Literatur). Weitgehend unklar blieb aber, wie stark Neid den Erfolg eines Unternehmens beeinflusst. Um diese Forschungslücke zu schließen, haben wir vor einigen Monaten die monetären Folgen von Neid experimentell untersucht.
Wie aber sollen Manager mit Neid umgehen? Unsere Studie zeigt interessanterweise, dass dieses Gefühl zum großen Teil situativ entsteht und kein generelles Persönlichkeitsmerkmal ist. Ganz im Gegenteil: Zwar reagierten Männer deutlich neidischer und destruktiver als Frauen; die Personen aber, die sich selbst als eher neidisch bezeichneten, zeigten nicht mehr destruktives Verhalten als andere Versuchsteilnehmer. Im Folgenden haben wir einige Empfehlungen zusammengestellt, um Neid zu reduzieren.

