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02.03.2011

Blog

Echtes Lernen statt Edutainment

Von Michael Hengl

Emotionen sind in vielen Unternehmen ein Tabu. Die Folge: Weiterbildungsprogramme und Seminare verpuffen wirkungslos. Erst wenn die eigene Firmenkultur auch Platz für Gefühle lässt, wird nachhaltiges Lernen möglich. Diskutieren Sie mit.

Stellen sie sich vor: Ihre Tochter oder Ihr Sohn haben gerade die Führerscheinprüfung bestanden. Es ist Wochenende und Ihr Kind leiht sich Ihren neuen Wagen, um mit Freunden in die Disko zu fahren. Später am Abend klingelt es an der Tür und Ihr Kind steht vor ihnen - ohne Auto, dafür aber in Begleitung der örtlichen Polizei. Es hatte einen Unfall, niemand ist zu Schaden gekommen, aber Ihr Auto hat einen Totalschaden.

Richtig Lernen: Die meisten Seminare sind emotionslos und haben keinen Bezug zur Persönlichkeit der Lernenden

Richtig Lernen: Die meisten Seminare sind emotionslos und haben keinen Bezug zur Persönlichkeit der Lernenden

© Corbis
Ist der erste Schreck verflogen, verwandeln sich die meisten Eltern in einen Coach. Sie wollen, dass das Kind aus der Situation lernt, damit es nicht wieder einen Unfall baut. Dazu helfen sie ihrem Spross im Idealfall, auf verschiedenen Ebenen zu reflektieren.

Wie Lernen funktioniert

Im ersten Schritt geht es um Reflexion auf der Sachebene. Das Kind sollte das Ereignis richtig erfassen und die eigene Verantwortung erkennen und akzeptieren. Die Kurven kommen nicht von selbst auf das Auto zu. Wer hartnäckig leugnet, zu schnell gefahren zu sein, bei dem ist ein weiterer Unfall fast vorprogrammiert. "Ich war unkonzentriert, ich war zu schnell, ich habe die Kurve nicht gekriegt." Solche Aussagen sind Indikatoren von Verständnis für die Situation. Die Reflexion der Sachebene reicht aber noch nicht aus, um nachhaltig zu lernen.

Im zweiten Schritt geht es um die Verarbeitung des Erlebten auf der emotionalen Ebene. Das Kind muss die emotionale Stärke haben, die eigene Verantwortung auch anzunehmen und ganz konkret auf sich selbst zu beziehen; es sollte dies auch klar äußern. Erst wenn es negative Gefühle wie Erschrecken, ein schlechtes Gewissen, Reue, aber auch positive Regungen wie Erleichterung, Dankbarkeit und schließlich neue Zuversicht zeigt, wird sich das Gelernte dauerhaft im Gehirn verankern. Aussagen wie "Ich habe mich total erschrocken und bin nun froh, dass nichts passiert ist" oder "Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe" bringen das zum Ausdruck.

Damit sollten sich die Eltern aber noch nicht zufrieden geben. Erst wenn im dritten Schritt der Sohn oder die Tochter erkennt, welche Mechanismen und Verhaltensmuster zum Unfall geführt haben, bedeutet das einen substantiellen Lernerfolg. Können er oder sie Abhängigkeiten und Wechselwirkungen erkennen und in Bezug zu ihrem eigenen Leben setzen, vertieft sich das Gelernte, es vernetzt sich mit anderem Wissen und wird nachhaltig. Die Eltern können dies an Aussagen erkennen wie: "Immer wenn ich meine Freunde dabei habe, versuche ich, sie zu beeindrucken!"

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