Von Dorothee Echter
Muss der Vorstand für eine Einladung danken, die er uninteressant findet und die er nicht wahrnehmen kann? Muss die Aufsichtsrätin in ihrer kleinen Abschiedsrede den scheidenden Betriebsratsvorsitzenden würdigen, obwohl sie ihn für unfähig hält?
Große Gesten, viel Emotionen: Microsoft-Chef Steve Ballmer
Die Grenze zwischen authentisch sein und berechnend sein ist nicht immer leicht zu erkennen. Authentisch sein heißt, ganz bei sich selbst zu sein und dies zu signalisieren.
Der berechnende Manager ist dagegen stets nett und freundlich zu allen, und ganz besonders zu jenen, von denen er etwas will - mag es um einen geschäftlichen Vorteil für sein Unternehmen oder mehr Einfluss für sich selbst gehen. Nach dem Motto "man begegnet sich immer zweimal im Leben" versteht er es, unterschiedslos gute Stimmung und Wertschätzung zu verbreiten. Was er lernen muss ist, stärker bei sich selbst zu bleiben, glaubwürdig die eigenen Werte zu vertreten, Unterschiede zu machen sowie Entschiedenheit und Leidenschaft zu zeigen.
Das Verhalten und die Äußerungen von Topmanagerinnen und Topmanagern werden tausendfach wahrgenommen und kopiert, ob diese es nun wollen oder nicht. So tragen sie die Verantwortung für den Charakter der Kommunikation und für die Stimmung im Unternehmen. Die eigene, nach außen gezeigte Stimmung wird zur Strategie, sie ist Maßstab, Vorbild, Orientierung. Deshalb nutzen erfolgreiche Vorstände regelmäßig Rituale. Sie trainieren mit ihrer Hilfe, stets das Positive und Wertschätzende zu sehen, zu empfinden, und angemessen, respektvoll mitzuteilen. Vorrang vor Authentizität hat für Spitzenleute die eigentliche Aufgabe: Kleine Schritte Anderer in die richtige Richtung zu bemerken, zu benennen, zu würdigen; diszipliniert und vorbildlich respektvoll zu wirken sowie Kollegen und Mitarbeiter darin anzuleiten. Solche Stimmungsrituale helfen, die Ressourcen eines Teams optimal zu nutzen. Sie anstelle von Authentizität einzusetzen will gelernt sein - zum Beispiel bei diesen Gelegenheiten:
Das Geheimnis ist die selektive Authentizität: diejenigen Gefühlsregungen, die strategisch Orientierung bieten, sollten spontan geäußert werden, die anderen nicht. Bis diese hohe Kunst aber gelernt ist, helfen Disziplin und Stimmungsrituale.
Was sind Ihre Erfahrungen? Wie gehen Sie mit Stimmungen - positiven und negativen - um?
Ich komme nochmal auf diesen Kommentar zurück, da ich dieses Thema nochmal durchgelesen habe. Dabei kam die Frage auf, was denn "erfolgreich" ist oder besser gesagt war? Was mir in der Vergangenheit erfolgreiche Manager sagen enthält für mich keinerlei Substanz, dass diese Menschen auch in Zukunft noch erfolgreich sein werden. Der momentane Wandel führt immer mehr dazu, dass sich die Menschen in Unternehmen nicht länger unterdrücken lassen. Und [...] mehr...
Die Aussage, dass Stimmungsrituale weiterhelfen ist fatal - insbesondere bei hochqualifizierten Mitarbeitern. Wenn die auf eines allergisch reagieren, dann darauf, wenn sie das Gefühl bekommen, für dumm verkauft zu werden. Man mag mit Ritualen einige Leute ansprechen, man sollte sich aber die Frage stellen, was mit denen ist, die man nicht anspricht. Wenn ich fünf Leute vor dem Stimmungsabsturz bewahre, dabei aber 25 Leuten deutlich mache, dass meine [...] mehr...
Durchaus richtig, der Umkehrschluss aber gilt nicht - wenn ein Unternehmen von den Mitarbeitern erwartet, ihre Arbeitskraft und Kompetenzen zu verramschen kann es nicht davon ausgehen, dass diese besonders motiviert an die Arbeit gehen. Anders gesagt "Wer mit Peanuts bezahlt muss sich nicht wundern, wenn Affen die Arbeit machen..." Das ganze funktioniert zwar nicht unbedingt wie eine Minimum-Tonne, aber demotivierende Faktoren können nur in [...] mehr...
Ich geh auch davon aus, dass Manager, die nur über Macht ihrer Person führen wollen, zukünftig scheitern werden, da ihre Mitarbeiter sich andere Jobs suchen, wo sie selbstbestimmter sind. Wo ein Manager sich als Moderator eines kollektiv intelligenten Teams sehen und die Mitarbeiter zu gemeinsamen Zielen führen können. Nur bei gemeinsamen Zielen wird die intrinsische Motivation erreicht, die zu Höchstleistungen ohne Höchstlöhne führt. Geld allein ist [...] mehr...
@wgriepentrog Danke für Ihren Kommentar. Im Prinzip liegen wir ja gar nicht weit auseinander mit unserer Meinung. Ich sehe die Sache nur "extremer" als Sie. Das mit der persönlichen Stärke und Willenskraft ist mit Sicherheit ein großes Thema. Und für mich gehört eben auch MUT dazu. Mut, sich zu öffnen, denn wer authentisch ist, zeigt Gefühle. Und macht sich angreifbar. Mit meinem "Extrem" meine ich, und das habe ich ja [...] mehr...

