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08.12.2010

Blog

Sind Sie ein attraktiver Arbeitgeber?

Von Armin Trost

Vielen Topmanagern fällt es schwer, zu begründen, warum gerade ihr Unternehmen ein gutes Arbeitsumfeld bietet. Das ist im Kampf um Talente eine gefährliche Schwäche. Diskutieren Sie mit.

Haben Sie einmal einen CEO, Geschäftsführer oder vielleicht sogar einen Personalleiter gefragt, warum ihr Unternehmen ein attraktiver Arbeitgeber ist? Sie werden über die Reaktion überrascht sein. Nicht etwa wegen der Antwort an sich, sondern weil Sie in den meisten Fällen ungewöhnlich lange auf eine Antwort warten werden. Ich mache diese kleine Übung ab und an in meinen Seminaren mit Geschäftsführern: "Schreiben Sie bitte auf einen Zettel den einen, entscheidenden Grund, warum es attraktiv ist, bei Ihnen zu arbeiten." Bei mindestens der Hälfte der Manager kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie zum ersten Mal ernsthaft über diese Frage nachdenken.

Das Blatt hat sich gewendet: Nicht mehr nur der Bewerber muss glaubhaft und möglichst lebendig seine Stärken darlegen, sondern auch der jeweilige Arbeitgeber

Das Blatt hat sich gewendet: Nicht mehr nur der Bewerber muss glaubhaft und möglichst lebendig seine Stärken darlegen, sondern auch der jeweilige Arbeitgeber

© Corbis
Es gibt offenbar wenige Manager, die sich über diese Frage freuen und gerne über ihr Unternehmen als Arbeitgeber sprechen. Ich erwarte nicht, dass die Befragten über die Arbeitswelt schwärmen, für die sie verantwortlich sind. Ob sie überhaupt Grund dazu haben, sei einmal dahingestellt. Aber Manager sollten sich mit diesem Thema beschäftigen und über eine differenzierte Meinung verfügen. Ein CEO trägt schließlich die Verantwortung für das Umfeld, in dem die Mitarbeiter ihre Leistung erbringen. Er ist wichtigstes Vorbild und Verfechter einer Unternehmenskultur, für die er einsteht - oder sollte es doch wenigstens sein.

Schwitzende CEOs

Die Identifikation der besten Leute mit dem Unternehmen und deren beruflicher Weiterentwicklung sollte relativ weit oben auf der Prioritätenliste eines Unternehmenschefs stehen. Vor allem sollte er wissen, was diese Toptalente über seine Organisation als Arbeitgeber denken. Ihn sollte interessieren, warum sich Menschen bei ihm bewerben und warum sie das Unternehmen wieder verlassen. Wer, wenn nicht der CEO, sollte dafür verantwortlich sein, dass sein Unternehmen attraktiv genug ist, um sich gegenüber anderen Arbeitgebern im Kampf um die wirklich guten Leute zu behaupten? Vor diesem Hintergrund überrascht es mich immer wieder, hochrangige Persönlichkeiten zu treffen, die sich mir gegenüber wie nervöse Studenten geben, denen ich in einer mündlichen Prüfung eine scheinbar unlösbare Aufgabe gestellt habe.

Dies alles muss nicht grundsätzlich nachteilig sein. Auch mir ist durchaus bekannt, dass Manager noch viele andere Sorgen haben, und dass sie nicht immer in der Lage sein können, jede Frage zu beantworten, die ihr Unternehmen betrifft. Aber vor dem Hintergrund eines dramatischen und immer dringlicher werdenden Fach- und Führungskräftemangels ist das, was ich beobachte, geradezu verheerend. Stellen Sie sich einen Vertriebsmitarbeiter vor, der in Zeiten einer Umsatzkrise gefragt wird: "Warum soll ich bitte schön Ihre Produkte kaufen und nicht die Ihres Wettbewerbers?", und die Antwort wäre: "Das ist eine interessante Frage, darüber müsste ich mal nachdenken." Einen solchen Vertriebsmitarbeiter wünscht sich kein Unternehmen, nicht mal in seinen besten Zeiten. Ein überzeugender Vertriebler freut sich auf diese Frage und ist bei der Beantwortung kaum noch zu bremsen.

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Inhalt
Nicht nur der CEO, sondern alle Führungskräfte, die mit dem Anwerben und Auswählen von Bewerbern befasst sind, sollten umfassend und authentisch beschreiben können, warum ihr Unternehmen eine attraktive Arbeitswelt bietet. Als es noch ein Überangebot qualifizierter Kräfte gab, mussten allein Bewerber überzeugen. Ihre Gegenüber erwarteten nicht nur, dass sie ihre Stärken aufzählen konnten. Vielmehr forderten sie zu Recht, dass die Bewerber ihre Stärken biografisch oder aufgrund ihrer Ausbildung glaubhaft darlegten. Heute hat sich das Blatt gewendet. Nicht mehr nur der Bewerber muss glaubhaft und möglichst lebendig seine Stärken darlegen, sondern auch der jeweilige Arbeitgeber. Dabei kommt eine Führungskraft nicht umhin, Arbeitsbedingungen im Gespräch für den Bewerber erlebbar zu vermitteln. Er sollte vor allem jene Aspekte betonen, die für den Bewerber relevant sind. Schwärmereien etwa über die Technologie oder die intelligenten Prozesse des Unternehmens greifen hier zu kurz.

Langweilige Karriereseiten

Aber auch an anderen Stellen muss ein Unternehmen überzeugen und als attraktiver Arbeitgeber erlebbar sein. Schauen Sie sich nur einmal die Karriereseite Ihrer eigenen Firma im Internet an. Aufgrund eigener Untersuchungen und konstanter Beobachtungen wage ich die Wette, dass Ihre Website kaum ein erlebbares, authentisches und überzeugendes Bild vermittelt, warum Sie ein attraktiver Arbeitgeber sind. Auf den meisten Karriereseiten werden Stärken bestenfalls aufgezählt, gepaart mit langweiligen Fotos: Zwei Mitarbeiter an einem PC, wobei ER offenbar IHR etwas erklärt. Dazu ein eher langweiliger Text, der meist mit dem Satz beginnt: "Den Erfolg unseres Unternehmens verdanken wir in erster Linie unseren Mitarbeitern." Hören Sie auf, Interessenten, die es immerhin bis auf Ihre Karrierewebsite geschafft haben, mit Beliebigkeit dieser Art zu langweilen. Sie verpassen die Chance des Moments, gute Leute für sich zu gewinnen. Ich freue mich mit Ihnen, wenn Ihre Website mehr bietet und ich Ihnen mit meinem pauschal anmutenden Urteil unrecht tue. Weiter so!

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insgesamt 2 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
08.12.2010 von FITARBEITER: Loyalität und Verbindlichkeit - top down

Vielen Dank für diesen interessanten Artikel, der viele wichtige Punkte beim Namen nennt. Eines vorweg: Ihren Kernaussagen pflichte ich absolut bei - insbesondere dem Punkt, dass sich die Arbeitgeber und Führungskräfte hier künftig anders aufstellen sollten. Die Frage ist, ob sie das unter den aktuellen Rahmenbedingungen überhaupt können? Hierzu würde ich gern mit einer These in die Diskussion einsteigen: Den Führungskräften fällt es häufig schwer, [...] mehr...

08.12.2010 von kaizen: Realistisch und ehrlich sein!

Junge oder ältere Mitarbeiter, unabhängig von ihrem Ausbildungs- und Qualifikationsniveau, sollten sich 100prozentig mit ihrem Unternehmen identifizieren, aber auch in einer Art und Weise engagieren, dass sie ihren Arbeitsplatz wie ihr eigenes Unternehmen betrachten, nach der Devise "wie würde ich mich verhalten, wenn ich Chef oder gar Eigentümer dieser Firma wäre "? Ein attraktiver Arbeitgeber sollte sich seine Mitarbeiter in erster Linie [...] mehr...

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Bücher von Armin Trost

Armin Trost: "Talent Relationship Management. Personalgewinnung in Zeiten des Fachkräftemangels."; Springer-Verlag GmbH, September 2012, 39,95 Euro.

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Armin Trost
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Publikationen von Armin Trost

"Mitarbeiterbefragung als Instrument strategischer Unternehmensführung." (PDF) ; In W. Bungard & I. Jöns (Hrsg.), Feedbackinstrumente im Unternehmen (S. 197-208). Wiesbaden: Gabler

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