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06.10.2010

Blog

Warum soziale Verantwortung kein Marketinginstrument ist

Von Peter Kenning

Der Ruf des Marketings ist nicht der beste. Viele halten seine Methoden für marktschreierisch und manipulativ. Können Programme zur Corporate Social Responsibility das Image verbessern? Diskutieren Sie mit.

Bei uns an der Zeppelin Universität beginnen derzeit wieder die Vorlesungen. Eine davon ist die von mir betreute Veranstaltung "Grundlagen des Marketings". In der ersten Stunde mache ich stets einen kleinen Test mit den Studierenden, die ganz bewusst aus verschiedenen Studiengängen stammen. Ich fordere Sie auf, spontan und anonym zu formulieren, was Marketing ist.

Nach außen sauber: Macht es sich für Unternehmen bezahlt, wenn sie soziale Verantwortung - zum Beispiel für eine bessere Umwelt - übernehmen und dies gegenüber der Öffentlichkeit kommunizieren? Ist dies überhaupt Aufgabe des Managements, überhaupt Gegenstand von Marketing?

Nach außen sauber: Macht es sich für Unternehmen bezahlt, wenn sie soziale Verantwortung - zum Beispiel für eine bessere Umwelt - übernehmen und dies gegenüber der Öffentlichkeit kommunizieren? Ist dies überhaupt Aufgabe des Managements, überhaupt Gegenstand von Marketing?

© Corbis
Meist haben die Kommentare einen Tenor: Die Studierenden setzen Marketing mit Werbung gleich und sehen das Fach zum Teil sehr negativ. Sie scheinen sich mehr Moral in der Disziplin zu wünschen. Typische Beispiele sind Formulierungen wie "Was ist Marketing? Beeinflussung von Menschen und nervige Werbung" oder "Marketing ist mehr Schein als Sein!"

Folgerichtig begrüßen viele junge Menschen die Idee, dass Unternehmen eine höhere soziale Verantwortung - neudeutsch: Corporate Social Responsibility (CSR) - übernehmen. Dies führt dann oft zu intensiven Diskussionen zwischen den Studierenden darüber, ob derartige Programme nun eigentlich betriebs- und absatzwirtschaftlich sinnvoll sind. Meine These ist dabei bewusst provokativ: Für mich ist CSR nicht Gegenstand des Managements und damit auch nicht des Marketings. Warum?

Nun, vereinfacht dargestellt ist das übliche betriebswirtschaftliche Ziel, (dauerhaft) Gewinne zu erwirtschaften und so den Unternehmenswert zu steigern. Gewinne sind definiert als die Differenz von Umsätzen und Kosten. Das Marketing hat ganz überwiegend die Aufgabe, Kundenbedürfnisse zu erkennen, zu befriedigen und so Umsätze zu generieren.

Betriebswirtschaftlich zählen CSR-Programme ganz überwiegend zu den Kosten und streng genommen nicht einmal das. Denn Kosten entsprechen dem Verbrauch von Produktionsfaktoren, um eine betriebliche Leistung zu erstellen. Was aber ist die betriebliche Leistung die aus CSR-Maßnahmen resultiert? Zwar gibt es Belege dafür, dass solche Vorhaben in einigen Fällen vorökonomische Effekte (zum Beispiel Imageverbesserungen) bewirken können. CSR kann auch tatsächlich die Umsätze erhöhen. Dies ist aber häufig auf die Gruppen beschränkt, denen die entsprechenden Mittel aus einem Programm zur sozialen Verantwortung zufließen. Und in bestimmten Situationen kann Corporate Social Responsibility sogar dazu führen, dass die Kundenzufriedenheit und der Marktwert des Unternehmens sinkt, wie es die beiden US-Wissenschaftler Xueming Luo und C.B. Bhattacharya gezeigt haben.

Insofern gehört die Diskussion um Corporate Social Responsibility wohl weniger in den Kontext der Gewinnentstehung als in den Kontext der Gewinnverwendung. Über die Verwendung des Gewinns entscheidet aber letztlich nicht das Management, sondern der oder die Eigentümer des Unternehmens. Folgerichtig sollte CSR - trotz des potenziellen gesellschaftspolitischen Sinns (!) - wohl eher ein Thema für die Anteilseigner, nicht aber für Marketingmanager sein.

  Peter Kenning  ist Professor für Marketing an der Zeppelin University Friedrichshafen
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Peter Kenning ist Professor für Marketing an der Zeppelin University Friedrichshafen

Die Eigentümer definieren die Ziele eines Unternehmens und dessen Zweck. In der Regel ist dies der Gewinn. Wenn Corporate Social Responsibility ein dem Gewinn übergeordnetes Ziel sein soll, sollten die Anteilseigner dies deutlich kommunizieren, zum Beispiel durch die Umfirmierung in eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH). So vermeiden sie unnötige Verwirrung und zeigen, dass es ihnen Ernst mit der sozialen Verantwortung ist.

Was denken Sie? Wie beurteilen Sie das Image des Marketings? Welchen Platz haben CSR-Programme aus Ihrer Sicht im Marketing? Diskutieren Sie mit.

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FORUM

insgesamt 5 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
22.03.2011 von alexgberg: Ein Beispiel

Um zu zeigen, dass sich CSR als Ergebnis darstellt, hier ein Beispiel aus der Praxis: Ein Möbelhändler verlud jeden Tag in zwei Schichten in zwölf Lkw 480 Kubikmeter Möbel. Der sich daraus ergebende Umsatz reichte gerade um das Unternehmen am Laufen zu halten. Das Unternehmen selbst bestand aus zehn verfeindeten Abteilungen. Schuldzuweisungen, Streit, Terminprobleme und unzufriedene Kunden waren an der Tagesordnung. Jeder hielt dies für die Normalität. [...] mehr...

22.03.2011 von alexgberg: CSR - Wortkreation und Beschäftigungstherapie

CSR beschreibt eine Situation in der menschlichen Kommunikation dar. Dies tritt in Zeiten globaler Veränderungen besonders hervor, da dies alles schwindet. CSR fußt in der Vorstellung, dass der Mensch im Zentrum allen Denkens und Handelns stehe - ein kollektiv geglaubter Irrtum. Warum? Führen wir uns vor Augen, dass ökonomische Strukturen die Funktion , auf "Gewährleistung der Lebensgrundlage einer Gesellschaft" übernehmen. Der Mensch darin [...] mehr...

25.01.2011 von tagungsprofi: „Unter den Blinden ist der Einäugige König!“

Interessante Sichtweise und wäre die Wirtschaft immer nur „Schwarz“ oder „Weiß“ müsste ich Ihnen (Peter Kenning) wohl recht geben. Doch wie so vieles im Leben kann man auch das Thema CSR nicht einfach nur von einer Seite betrachtet werden. Gerade die erfolgreich gelebte CSR-Kultur ist für alle gewinnbringend, wenn das Unternehmen sich, sein Umfeld und seine Kunden ganzheitlich betrachtet! Daher behaupte ich das CSR im Unternehmen und für das Unternehmen [...] mehr...

03.01.2011 von hoyeon: CSR ist mehr als nur ein Marketinginstrument

Sehr geehrter Herr Dr. Kenning, in Ihrem Artikel kritisieren Sie die Einstufung von CSR als Marketinginstrument und wollen die Verantwortung weg vom Management, hin zu den Unternehmenseigentümern. In diesem Punkt stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Allerdings sehe ich den Punkt, den Sie unter "Gewinnverwendung" fassen, als zu kurz gegriffen. Wenn man den Worten von Milton Friedman folgt, dürfen CSR-Aktivitäten nicht zu einer [...] mehr...

22.11.2010 von amra_m: Corporate Social Responsibility – Werbeaktion oder mehr?

Wir, die Betriebswirtschaftsstudenten der Hochschule Liechtenstein, haben uns in der Marketingvorlesung bei Dr. Christine Vallaster mit ihrem Artikel, Herr Kenning, auseinandergesetzt. Zusätzlich haben wir weitere Informationen über das allseits diskutierte Thema Corporate Social Responsibility eingeholt. Im Plenum kamen folgende interessante Ansichtspunkte zusammen. Wie in einigen der Kommentare bereits erwähnt, sind auch wir alle der Meinung, dass [...] mehr...

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