Von Peter Kenning
Bei uns an der Zeppelin Universität beginnen derzeit wieder die Vorlesungen. Eine davon ist die von mir betreute Veranstaltung "Grundlagen des Marketings". In der ersten Stunde mache ich stets einen kleinen Test mit den Studierenden, die ganz bewusst aus verschiedenen Studiengängen stammen. Ich fordere Sie auf, spontan und anonym zu formulieren, was Marketing ist.
Nach außen sauber: Macht es sich für Unternehmen bezahlt, wenn sie soziale Verantwortung - zum Beispiel für eine bessere Umwelt - übernehmen und dies gegenüber der Öffentlichkeit kommunizieren? Ist dies überhaupt Aufgabe des Managements, überhaupt Gegenstand von Marketing?
Folgerichtig begrüßen viele junge Menschen die Idee, dass Unternehmen eine höhere soziale Verantwortung - neudeutsch: Corporate Social Responsibility (CSR) - übernehmen. Dies führt dann oft zu intensiven Diskussionen zwischen den Studierenden darüber, ob derartige Programme nun eigentlich betriebs- und absatzwirtschaftlich sinnvoll sind. Meine These ist dabei bewusst provokativ: Für mich ist CSR nicht Gegenstand des Managements und damit auch nicht des Marketings. Warum?
Nun, vereinfacht dargestellt ist das übliche betriebswirtschaftliche Ziel, (dauerhaft) Gewinne zu erwirtschaften und so den Unternehmenswert zu steigern. Gewinne sind definiert als die Differenz von Umsätzen und Kosten. Das Marketing hat ganz überwiegend die Aufgabe, Kundenbedürfnisse zu erkennen, zu befriedigen und so Umsätze zu generieren.
Insofern gehört die Diskussion um Corporate Social Responsibility wohl weniger in den Kontext der Gewinnentstehung als in den Kontext der Gewinnverwendung. Über die Verwendung des Gewinns entscheidet aber letztlich nicht das Management, sondern der oder die Eigentümer des Unternehmens. Folgerichtig sollte CSR - trotz des potenziellen gesellschaftspolitischen Sinns (!) - wohl eher ein Thema für die Anteilseigner, nicht aber für Marketingmanager sein.
Die Eigentümer definieren die Ziele eines Unternehmens und dessen Zweck. In der Regel ist dies der Gewinn. Wenn Corporate Social Responsibility ein dem Gewinn übergeordnetes Ziel sein soll, sollten die Anteilseigner dies deutlich kommunizieren, zum Beispiel durch die Umfirmierung in eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH). So vermeiden sie unnötige Verwirrung und zeigen, dass es ihnen Ernst mit der sozialen Verantwortung ist.
Was denken Sie? Wie beurteilen Sie das Image des Marketings? Welchen Platz haben CSR-Programme aus Ihrer Sicht im Marketing? Diskutieren Sie mit.
Um zu zeigen, dass sich CSR als Ergebnis darstellt, hier ein Beispiel aus der Praxis: Ein Möbelhändler verlud jeden Tag in zwei Schichten in zwölf Lkw 480 Kubikmeter Möbel. Der sich daraus ergebende Umsatz reichte gerade um das Unternehmen am Laufen zu halten. Das Unternehmen selbst bestand aus zehn verfeindeten Abteilungen. Schuldzuweisungen, Streit, Terminprobleme und unzufriedene Kunden waren an der Tagesordnung. Jeder hielt dies für die Normalität. [...] mehr...
CSR beschreibt eine Situation in der menschlichen Kommunikation dar. Dies tritt in Zeiten globaler Veränderungen besonders hervor, da dies alles schwindet. CSR fußt in der Vorstellung, dass der Mensch im Zentrum allen Denkens und Handelns stehe - ein kollektiv geglaubter Irrtum. Warum? Führen wir uns vor Augen, dass ökonomische Strukturen die Funktion , auf "Gewährleistung der Lebensgrundlage einer Gesellschaft" übernehmen. Der Mensch darin [...] mehr...
Interessante Sichtweise und wäre die Wirtschaft immer nur „Schwarz“ oder „Weiß“ müsste ich Ihnen (Peter Kenning) wohl recht geben. Doch wie so vieles im Leben kann man auch das Thema CSR nicht einfach nur von einer Seite betrachtet werden. Gerade die erfolgreich gelebte CSR-Kultur ist für alle gewinnbringend, wenn das Unternehmen sich, sein Umfeld und seine Kunden ganzheitlich betrachtet! Daher behaupte ich das CSR im Unternehmen und für das Unternehmen [...] mehr...
Sehr geehrter Herr Dr. Kenning, in Ihrem Artikel kritisieren Sie die Einstufung von CSR als Marketinginstrument und wollen die Verantwortung weg vom Management, hin zu den Unternehmenseigentümern. In diesem Punkt stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Allerdings sehe ich den Punkt, den Sie unter "Gewinnverwendung" fassen, als zu kurz gegriffen. Wenn man den Worten von Milton Friedman folgt, dürfen CSR-Aktivitäten nicht zu einer [...] mehr...
Wir, die Betriebswirtschaftsstudenten der Hochschule Liechtenstein, haben uns in der Marketingvorlesung bei Dr. Christine Vallaster mit ihrem Artikel, Herr Kenning, auseinandergesetzt. Zusätzlich haben wir weitere Informationen über das allseits diskutierte Thema Corporate Social Responsibility eingeholt. Im Plenum kamen folgende interessante Ansichtspunkte zusammen. Wie in einigen der Kommentare bereits erwähnt, sind auch wir alle der Meinung, dass [...] mehr...