Von Johann Füller
Hervorragend gestaltete Produkte schaffen Wettbewerbsvorteile für Unternehmen. Designern kommt folglich eine Schlüsselrolle im Unternehmen zu. Doch um dieser Aufgabe besser als bisher gerecht zu werden, müssen die Kreativen ein neues Selbstverständnis entwickeln. Diskutieren Sie mit.
Wie ich vor Kurzem in meinem Blog geschrieben habe, setzen immer mehr Unternehmen auf Designorientierung und schaffen es so, sich erfolgreich im Wettbewerb zu behaupten. Bei dieser Art der strategischen Ausrichtung übernehmen Designer naturgemäß eine Schlüsselrolle. Aber besitzen sie dazu die nötigen Fähigkeiten? Eins ist von vorherein klar: Im klassischen Designstudium werden sie nicht vermittelt. Daher ist ein Umdenken in der Ausbildung notwendig.
Karl Lagerfeld: Der Designer gestaltet schon lange nicht mehr "nur" Mode. Ob nun Teppiche, Luxuswohnungen oder sogar Münzen - der Name Lagerfeld ist eine Marke, die der Designer selbst unternehmerisch und strategisch vorantreibt.
Der Weg vom Star- und Autorendesigner zum Designcoach und Vermittler ist damit vorgezeichnet.
Das Rollenverständnis des modernen Designers
Was heißt dies nun konkret? Designer sollten stärker strategisch, unternehmerisch und interdisziplinär denken - ohne ihr handwerkliches Können aufzugeben. Sie sind dabei auf die Unterstützung des Topmanagements und letztlich des gesamten Unternehmens angewiesen. Entscheidend ist die Entwicklung interdisziplinären Denkens und Handelns. Dazu gehören:
Zusätzlich sind psychologisches Rüstzeug und soziale Kompetenz notwendig, um unterschiedliche Akteure in den Innovationsprozess zu integrieren.
Moderne Designer, die über diese Kompetenzen verfügen, sind dazu prädestiniert, den Innovationsprozess sowie die anschließende Produktentwicklung zu steuern und auf den Kunden auszurichten. Sie sollten dafür sorgen, dass die Designorientierung in der Unternehmenskultur verankert wird. Die Kultur sollte so offen sein, dass alle Beteiligten die besten Lösungen erkennen und voranzutreiben, unabhängig ob diese von extern oder intern kommen. Eine Abneigung gegen Ideen von außen gilt es zu vermeiden. Wer kann sich schließlich anmaßen, ebenso kreativ zu sein wie Tausende höchst motivierter Tüftler, die sich gerne in den Entwicklungsprozess einbringen (siehe dazu auch den Beitrag über Ideen- und Designwettbewerbe im Internet). Designer werden so zur verbindenden, orchestrierenden und koordinierenden Komponente, die das offene, vernetzte und interdisziplinäre Denken im Unternehmen ermöglichen.
Wie sich dieses neue Selbstverständnis auf die Rolle und Positionierung klassischer Design- und Innovationsagenturen auswirken wird, bleibt abzuwarten. Oft stehen diese der aktiven Einbindung von Kunden und Online-Communities eher skeptisch gegenüber. Gregor Matjan von Kiska Design, der führenden österreichischen Designagentur, zu deren Kunden etwa der Motorradhersteller KTM gehört, warnt beispielsweise davor, externe Ideen zu überschätzen. Er setzt auf Designspezialisten, die an ausgefeilten Produkt- und Markenkonzepten feilen, ohne auf das kreative Potenzial der Masse zurückzugreifen.
Was meinen Sie, welche Rolle Designer künftig in den Unternehmen spielen werden - und spielen sollten? Was sollte sich in der Ausbildung ändern? Diskutieren Sie mit.
Lesermeinungen
Kommentar 4
Es gibt immer zwei: den (möglichst freien) Designer und den (möglichst umsichtigen) Designbeurteiler. Die Ausbildung ist streckenweise identisch. (Ich habe mir zum Beispiel oft gewünscht, dass an der C-Säule des Golf II mehr als nur eine Daumenbreite weggenommen worden wäre.) Für Designbeurteilung muss man aber die gängigen Ideologien kennen, so etwas geht nur im Weltstudium. Marketingspezialisten fehlt wiederum möglicherweise die Designerausbildung.
Schiffsjunge der Vasa
Kommentar 3
Ein tolles Beispiel für gelungenes Design. Sehen Sie sich 'mal die neuen gestylten Verpackungen dieser Produkte an. Das ist doch mal gelungen, ultimative Innovation . Sie haben zwar weniger Ware für den gleichen oder höheren Preis drin, aber die Verpackung Oooooohhhhhhhh. Toll.
Herbert
Kommentar 2
Exzellente Kreative sind selten ausgezeichnete Manager und umgekehrt. Gute Manager sind gut, weil sie das logische und analytische Denken beherrschen. Kreative bringen Spitzenleistungen, wenn sie genau das Gegenteil tun. Wenn wir von allen alles verlangen schwächen wir die jeweils individuellen Stärken.
Carsten Willer
Kommentar 1
Innovation wird immer wichtiger, und komplizierter. Die Bedienbarkeit von Technik wird immer entscheidender, und man benötigt sehr viel Know How, um bedienbare Technik zu bauen. Viele Unternehmen bieten designorientierte Produkte an, und gründen die Strategie auf Design. Ich glaube, Designer werden in Zukunft stärker innovative, bedienbare, und schöne Technik entwickeln und vorantreiben. Neben Gefühl für Schönheit müssen Designer die Ökonomie kennen, da der Preis der Produkte wichtig bleibt.
Andreas Rudolph