Von Armin Trost
Acht Studenten der Hochschule Furtwangen wagten ein Experiment: Sie verzichteten eine Woche komplett auf Internet und Handy. Ihre Erfahrungen sind sehr spannend - und auch für Manager interessant. Denn der Kommunikationsstil der Generation Y wird die Arbeitswelt verändern. Diskutieren Sie mit.
Vor etlichen Wochen war ich mit dem Auto von Tübingen nach Mainz unterwegs. Auf Höhe Karlsruhe merkte ich plötzlich, dass ich mein Smartphone vergessen habe. Eine leichte Panik stieg in mir auf. Wie sollte ich mitteilen, dass ich möglicherweise zu spät käme? Wie lautete nochmals die Adresse, zu der ich wollte und die sich nur in meinem elektronischen Adressbuch befand? Wie sollte ich den Tag ohne stündlichen Zugriff auf Mails oder SMS überstehen?
"Ich glaube, Internet und Handys nehmen uns allen die Geduld"
Wenn schon ich mich in solch einer Situation so fühle, wie wird dann erst ein Vertreter aus der Generation der sogenannten Digital Natives reagieren? Diese Frage hat mich zu einem kleinen Experiment an unserer Fakultät bewogen: Acht Studenten an der Hochschule Furtwangen verzichten eine Woche auf Internet und mobile Kommunikation. Die Idee ist einfach - die Bedeutung der modernen Medien erfährt der am besten, der einige Zeit auf sie verzichtet. Die Generation der nach 1980 geborenen (Generation Y) erscheint mir am interessantesten, weil ihr Verhalten am stärksten durch Internet und mobile Kommunikation geprägt ist. Sie kennen nichts anderes.
Die acht Studenten unterschrieben eine Erklärung, und ich veröffentlichte den Text mit einem Foto an dem Platz, an dem sie sich am liebsten aufhielten: auf Facebook. Ich habe alle Personen getagged, sodass jeder dort weiß, dass sie nicht zu erreichen sind. Die Studenten haben ihre Erfahrungen in einem Tagebuch (aus Papier) dokumentiert, und am Ende haben wir alle Erlebnisse zusammengetragen. Um einen Eindruck vom Leben ohne Internet und Handy zu vermitteln, erzähle ich im Folgenden die Erfahrungen aus Sicht eines Studenten. Alle geschilderten Situationen und Erlebnisse basieren auf realen Berichten, ich habe sie in einer fiktiven Person zusammengefasst:
Normalerweise weckt mich mein Handy. Aber heute macht das mein Fernseher, den ich eigentlich sonst kaum noch benutze. Es hat mich eine Stunde gekostet herauszufinden, wie ich ihn als Wecker programmiere. Allerdings benötige ich den Wecker während meiner Internetabstinenz kaum mehr, weil ich so viel wie seit Jahren nicht mehr schlafe. Ich könnte mich daran gewöhnen. Sonst wünsche ich mir immer, ich wäre abends so müde, wie morgens. Ich habe eigentlich nie das Gefühl, ausgeschlafen zu sein. Bei Facebook passieren die meisten Dinge nachts, und morgens schaue ich dann üblicherweise erst einmal rein. Das gehört für mich zum Aufstehen dazu. Weil ich nicht weiß, worüber die Freunde sprechen, fühle ich mich total isoliert. Seit Tagen lebe ich mit dem Gefühl, ständig etwas zu verpassen.
Auf dem Weg zur Uni will ich am EC-Automaten Geld abheben. Doch ich muss unverrichteter Dinge weiterziehen, weil ich meine Geheimzahl im Handy gespeichert habe. Und das liegt nun mal beim Professor Trost in der Schublade. Wenige Minuten später stehe ich in einem leeren Hörsaal. Wurde die Veranstaltung verschoben oder nur der Raum geändert? Wieder habe ich das Gefühl, den Schuss nicht gehört zu haben. Normalerweise würde ich jemanden aus meinem Semester anrufen. Aber nun marschiere ich zum Dekanat. Endlich bin ich im richtigen Raum, und das Seminar ist schon voll im Gange. Der Dozent bespricht eine Fallstudie, die ich nicht bekommen habe. Sie wurde offenbar per E-Mail verschickt. Bis zum nächsten Mal sollen wir in Gruppen den Fall weiter bearbeiten. Dazu sind Recherchen notwendig. Ich werde mich weder mit meinen Kommilitonen abstimmen noch nach Informationen im Internet suchen können. Studieren ohne das Web ist nicht möglich.
Aber schlimmer ist das ständige Gefühl und die chronisch lauernde Gefahr, bei den anderen und bei den Professoren als Hinterwäldler dazustehen. "Wie, du nutzt kein Internet?" Ich hatte einmal eine Freundin, die in einer Sekte war und viele Dinge nicht durfte. Ich kann sie jetzt gut verstehen. Die anderen verstehen einfach nicht, warum ich etwas scheinbar Selbstverständliches nicht tue. Das ist schon hart.
In der Pause erfahre ich, dass ich gestern eine spontane Party bei einem meiner Kommilitonen verpasst habe - weil ich nicht erreichbar war. Ich ärgere mich, gerade dort wäre ich gerne dabei gewesen. Was heute Abend passiert, steht noch in den Sternen. Ich muss das klären, solange ich meine Freunde sehe. Wenn ich mich jetzt nicht verabrede, findet schlichtweg alles ohne mich statt. Wir brauchen einen eindeutigen Treff- und Zeitpunkt - hier und jetzt. Sonst wird nichts aus dem Abend, und ich sitze allein zu Hause - ohne Facebook und mit schlechtem Fernsehen.
Eine gemeinsame Aktion spontan zu planen, erscheint mir ohne Internet und Handy fast unmöglich. Um eine Zugverbindung herauszufinden, muss ich zum Bahnhof marschieren. Welche Filme laufen, erfahre ich erst beim Kino oder aus der lokalen Zeitung, die ich nicht abonniert habe. Alle Infos, die ich benötige, um ein Event zu planen, liefert das Internet. Und wenn ich es dann doch schaffe, einen Kinobesuch in Stuttgart mit einer Freundin zu arrangieren, müssen wir regelrecht Händchen halten. Wenn wir uns verlieren würden, kämen wir nie mehr gemeinsam nach Hause.
Es ist nun später Nachmittag, ich bin in meiner Bude und versuche, an meiner Hausarbeit zu schreiben. Es ist zäh. Mir fehlt das gewisse Maß an Ablenkung. Normalerweise habe ich auf meinem Rechner immer mehrere Fenster offen. Sitze ich am Computer, dann bin ich auch online. Ich lerne, schreibe, chatte mit Freunden und höre Musik über YouTube - alles gleichzeitig. Wenn ich studiere, dann arbeite ich immer nur zum Teil. Der Zugang zu Freunden und anderen Dingen per Internet ist zu verlockend. Da konkurriert in jedem Moment das Lehrbuch gegen eine viel buntere Welt. Zwei Stunden lang einen Artikel zu studieren, der stolze zwölf Seiten lang ist und sich auf nichts anderes zu konzentrieren - so hat wohl mein Vater studiert. Aber der hatte auch kein Internet und auch kein Handy. Dafür hatte er eine Plattensammlung, hörte die Musik über eine Stereoanlage und hatte unzählige Bücher im Regal stehen. Ich habe nur zehn Bücher, darunter ein Langenscheidt-Lexikon, den Diercke-Weltatlas, den Wöhe, ein Wirtschaftslexikon, das mir mein Onkel zum Studium geschenkt hat, und die Bibel aus dem Konfirmationsunterricht. Ohne Internet schlage ich tatsächlich im Lexikon nach, aber ich beginne zu zweifeln, ob das dort Geschriebene wirklich aktuell ist. Schließlich sind die Ausgaben schon sechs Jahre alt.
Am frühen Abend schaue ich seit Langem einmal wieder fern. Ich bin entsetzt über das, was mir geboten wird. Mein Laptop ist mein Fernseher und das Internet mein Programm. Normalerweise entscheide ich spontan, welchen Film oder welches Video ich anschauen möchte. Da Fernsehen und Facebook nun flach fallen und ich für ein, zwei Stunden etwas anderes tun will als Lernen und Hausarbeit schreiben, wäre Sport eine vernünftige Alternative. In solchen Phasen vermisse ich das Internet besonders, um mich kurzfristig zu verabreden.
Ich glaube, Internet und Handys nehmen uns allen die Geduld. Auf eine Nachricht per SMS erwarte ich eine Antwort innerhalb von Minuten. Noch krasser ist das im Chat bei Facebook. Wer nicht innerhalb von Sekunden antwortet, ist draußen. E-Mails schreibe ich eigentlich nur noch, wenn es offizieller wird, wenn ich mit Profs kommuniziere oder Datei-Anhänge versenden muss. Ansonsten sind Mails irgendwie zu sperrig. Vielleicht wird dadurch vieles oberflächlicher als in Zeiten, zu denen sich die Menschen noch Briefe schrieben. Andererseits ist es extrem effizient, mal schnell eine Frage zu posten und in kürzester Zeit eine Antwort zu bekommen. Vor allem ist es irgendwie aufregend, mit mehreren Menschen gleichzeitig zu chatten. Es ist, als sprächen wir miteinander, aber es hat die Kraft des geschriebenen Wortes. Ich vergesse dabei immer die Zeit. Das fehlt mir in der Woche der Abstinenz besonders. Ich fühle mich isoliert und minderwertig. Ich nehme an etwas nicht teil, wovon ich nicht wirklich weiß, was es mir bringt. Mir wird erst jetzt bewusst, wie viel Schwachsinn ich mir auf Seiten wie Facebook täglich antue. Eine Zeit lang nicht erreichbar zu sein, ist irgendwie auch ein gutes Gefühl. Ich hatte selten so viel Zeit und Ruhe.
Ich bin um 21 Uhr mit Freunden verabredet. Ich muss wirklich pünktlich sein. Sollte ich mehr als zehn Minuten zu spät kommen, laufe ich Gefahr, die anderen zu verpassen. Ich hoffe, Ort und Zeitpunkt stimmen noch, und meine Freunde haben zwischenzeitlich nichts anderes ausgemacht. Es geht alles gut. Wir treffen uns wie vereinbart. Es folgen schöne Stunden, in denen weder Internet noch Handy eine Rolle spielen.
Gegen ein Uhr mache ich mich auf den Heimweg, allein. Ich muss an meine Eltern denken, mit denen ich seit Tagen nicht mehr telefoniert habe, was ungewöhnlich ist. Sie sorgen sich wirklich, weil ich im Notfall niemand anrufen kann. Auch im Alltag mache ich mir automatisch Sorgen, wenn wir mal einige Tage nichts voneinander hören.
Wenn ich mit meinen Freunden abends unterwegs bin und dann nach Hause komme, ist immer erst einmal Facebook angesagt, auch wenn es schon drei Uhr ist. Wir treffen uns dort wieder und lassen den Abend ausklingen. Heimzukommen und direkt ins Bett zu gehen, ist eine gewöhnungsbedürftige Erfahrung. Mir fehlt etwas. Vielleicht fühlen sich so Entzugserscheinungen an?
Ich schlafe schnell ein und träume von Facebook und wie ich mit Freunden chatte. Mir wird schnell klar, dass ich etwas Verbotenes tue, schließlich habe ich eine Erklärung unterschrieben. Ich habe im Traum ein schlechtes Gewissen. Dass es so was gibt?
Soweit die Geschichte des Studenten und seine Erfahrungen während der Abstinenz.
Eltern sollten verstehen, wie ihre Kinder in diesem Alter kommunizieren. Dasselbe gilt für Manager. Auch sie sollten das Kommunikationsverhalten ihrer jüngeren Mitarbeiter kennen. Das ist für die künftige Gestaltung der Arbeitswelt enorm wichtig - auch unabhängig davon, was das am Ende konkret bedeuten mag. Die Generation Y ist anders als Ältere enorm geschickt, schnell und beweglich beim Umgang mit dem Web 2.0. Die meisten der jüngeren Menschen, Studenten und Mitarbeiter nutzen das Internet anders und effektiver. Dahinter stecken ungeahnte Potenziale - aber auch Gefahren.
Unser Experiment hat allen Beteiligten klargemacht, wie anders die jüngere Generation mit modernen Medien umgeht. Doch was bedeutet dies für die Arbeitswelt? Was sind Ihre Erfahrungen? Wie sollten die Verantwortlichen in den Unternehmen auf diese Entwicklungen reagieren?
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Ich bin männlich, 48 Jahre alt. Als ich "klein" war, verbreiteten sich die ersten Home-Computer von Texas Instruments, Atari, Commodore; der PC war noch lange nicht in Sicht. Wir spielten, programmierten. Es gab sogar damals schon Arbeitsgemeinschaften an der Schule, die Programmierkurse (Basic) anboten. DAMALS!!
Die Digital Natives erst ab Jahrgang 80 zu verzeitlichen, halte ich fast schon für eine Beleidigung. Bisher habe ich mich als solchen gesehen. Ich kenne niemanden in meinen Umfeld (gleich welchen Alters), der besser, gezielter und effektiver die möglichkeiten der PC, des Internet, des Webs und insbesondere des Web 2.0 samt seiner Social Services und Medias aktiv und passiv nutzt.
Selbst ich "alter Sack" kann die Gefühle der Studentin sehr gut verstehen. Wenn mein Smartphone 'mal nicht auffindbar ist, bekomme ich dieselben Panikattacken, wie damals, als ich noch Raucher war, und zeitgleich Tabak- und Geldbeutel leer waren. Absolut schrecklich.
Auch wenn 'mal wieder die Ökonomisierung im Vordergrund steht: Ja, es ist verdammt nochmal wichtig "unsere" Art der Lebensführung, der Art der Informationsbeschaffung und der Art der Kommunikation zu verstehen. "Ich lebe online" sagte ich viel eher als Cosma Shiva Hagen. Die Telekom hätte mir Tantiemen für diesen Spruch zahlen müssen.
Onkel Trude aus Buxtehude
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Hallo Herr Prof. Trost, ist schon lustig zu lesen, was diese Generation Y ohne die Tools anzufangen weiß. Ich bin über 50, arbeite in einem großen Hotel in Miami als IT-Manager, stelle aber auch immer wieder fest, dass diese Generation einfach das Handling mit der IT besser drauf hat.
Klar, ich wurde groß mit einem Radl-Holzspielzeug und einem Transistorradio. Es ist gleichwohl toll zu erleben, was in so kurzer Zeit sich entwickelt hat und wie die folgende Generationen damit umzugehen weiß. Allerdings muss ich sagen, ich erlebe auch täglich junge Menschen, welche zwar ihr Handy nutzen, ansonsten aber von PC und deren Programmen keine Ahnung haben. Es ist teilweise sogar erschreckend, wie wenig Interesse da vorhanden ist. Wir ITs weisen in unserem Unternehmen immer daraufhin, sich vor Einstellung eines neuen MA seine IT-Erfahrung zeigen zu lassen. Ich glaube, da gibt es große Unterschiede in der Generation, was die IT-Kenntnisse betrifft.
Eventuell sollte man darüber eine Studie machen, einfach mal vergleichen wie weit/hoch das Wissen ist (Handy, PC, Software, Hardware). Man darf, glaube, ich das Handling und Wissen dieser Generation nicht überschätzen. Viele Grüße aus Miami.
Detlef Gross
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Den meisten Führungskräften wird mittlerweile klar, dass die künftigen Mitarbeiter aus der Generation Y Menschen mit einem völlig anderen Kommunikationsverhalten sind. Vielen wird auch erst allmählich klar, dass unsere Unternehmenswelt noch in keiner Weise auf diese jungen Menschen vorbreitet ist. In vielen Unternehmen sind noch Rechner im Einsatz, auf denen Windows 95 läuft. Viele junge Mitarbeiter sind zuhause technologisch besser ausgestattet als im Unternehmen. Privat iPhone und MacbookPro, bei der Arbeit eine alte Gurke mit veralteter Software und einer Tastatur wie ein Hackbrett. Das muss doch für viele Mitarbeiter ein totaler Schock sein. Es kommt noch hinzu, dass in vielen Unternehmen die Kündigung droht, wenn ein Mitarbeiter privat im Internet surft. Viele junge Mitarbeiter wissen gar nicht mehr, was "privat surfen" eigentlich ist. Wenn die was wissen wollen, gehen sie einfach ins Internet.
Rolf Karges
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Ja, sehr interessant, inklusiv der Leserkommentare. Wobei ich gerade deshalb Einspruch erheben möchte, denn auch mit Web 2.0 und den folgenden Versionen, wird immer die Unternehmung die Kommunikationskanäle vorschreiben, über die das Team - die Teams - kommunizieren. Auch die Erwartung auf eine SMS innerhalb Sekunden eine Antwort zu erhalten, hat verschiedene - auch negative - Aspekte.
Die heutige Kommunikationstechnologie kann Mitarbeiter dazu verführen, zu schnell und unüberlegt Fragen zu stellen und Antworten zu erwarten. Dies ist aber eine Effizienzbremse und unter Umständen störende Mehrarbeit für Dritte. Chefs erhalten heute soviele CC-Meldungen, wie nie zuvor. Chefs lesen deswegen längst nicht mehr alle CC-Mails, und besonders fleißige CC-Produzenten, können sich bei unüberlegter Betriebsamkeit, durchaus einen Karrierenachteil einfangen.
Interessant ist für mich - 60 plus - die Aussage, dass Studenten längst den Gebrauch von Smartphones reduzieren, wegen der Kostenfolge. Die anderen beschriebenen Kommunikationskanäle sind mir einerseits als "Namen" geläufig, andererseits nutze ich sie (noch) nicht.
Das Ausmaß der Facebook-Aktivitäten von Studenten und zukünftigen Leistungsträgern überrascht mich. Der Eintritt ins Arbeitsleben kann zu einem Kulturschock führen, denn dort reichen Generation-Y-Communication-Skills nicht aus, um sich von der Konkurrenz der Generation Y abzuheben.
Relax-Senf
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Social Media stellt vorwiegend ein Informationsmedium dar. Anders als bei Email oder Telefon habe ich dabei die Möglichkeit einer weitflächigen, synchronen Vernetzung mit einer Vielzahl anderer Teilnehmer. Und sitzen diese gerade nicht vor ihrem Computer, so haben sie dennoch die Möglichkeit ihren Informationsstand innerhalb eines gewissen Zeitraums zu aktualisieren. Im Alltag müssen sehr oft dieselben Informationen an verschiedene Personen weitergegeben werden. Bei Social Media reicht es hingegen, diese Information ein einziges Mal zu veröffentlichen. Es entsteht praktisch eine Art "Holschuld".
Neben dem Gefühl des "Verbunden-seins" und der Versorgung mit Informationen spielt im privaten Bereich insbesondere auch der Unterhaltungswert eine große Rolle. Die Aufnahme verschiedenster Informationen und Reize, auch solcher, die meine Entscheidungen und Möglichkeiten im Alltag nicht wirklich verbessern und beeinflussen, stehen oft auf der Tagesordnung. Schlimmstenfalls kann das sogar soweit führen, dass diese Unterhaltungsform Teile meines "Reallebens" ersetzt und das Gefühl des Verbunden-seins mein Bedürfnis nach echtem sozialen Austausch überlagert.
Die Stärken von Social Media liegen aber insbesondere in der optimalen Vorbereitung und im Organisieren von echtem sozialen Austausch. Es sollte diesen lediglich ermöglichen und verbessern aber weniger ersetzen.
Aufgrund der großen Transparenz solcher Systeme, sehe ich auf unternehmerischer Ebene weniger Gefahr gegeben, dass die Teilnehmer zu stark von ihren beruflichen Verpflichtungen abrücken, solange es sich um eine reine Unternehmensplattform handelt. Auf unternehmerischer Ebene kann Social Media den zusätzlichen Abstimmungs- und Kommunikationsbedarf stillen, der zwischen zwei physischen Sitzungen auftritt.
Anderes als am Telefon läßt sich natürlich eine Vielzahl an Personen in diese Kommunikation einbeziehen. Genauso ist es aber auch möglich, eine gewünschte Information ganz allgemein anzufordern, ohne genau zu wissen, wer sie mir letztlich zur Verfügung stellen wird. Dies kann unternehmerische Prozesse durchaus beschleunigen. Alle ausgetauschten Informationen schaffen aber nur dann einen Mehrwert, wenn sie das tatsächliche unternehmerische Verhalten beeinflussen und verbessern.
Ernst Rodlmayr
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Super Experiment. Beim Lesen wird einem aber auch klar, wie anders die "wirklichen" Digital Natives mit den Möglichkeiten heutzutage umgehen. Ich dachte von mir auch, dass ich sehr viel "Native" in mir habe mit 33. Aber das zeigt ganz klar, das ich nur ein "Immigrant" bin.
Übrigens, eine "Share"-Funktion mit Facebook, Buzz, Twitter, Digg usw. wäre schon wünschenswert für die Artikel der Harvard Business Review Und mal ehrlich: so schwer ist diese Funktion nicht zu implementieren.
Dennis
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Ich kann es schon gar nicht mehr lesen, diese Terminologie: Zuerst die Generation X, dann Y und dergleichen! Es ist fraglich, ob die Messung valide und reliable ist, sprich die Gütekriterien stimmen. Allein die Fragestellung ist falsch. Was ist zum Beispiel mit den technik-affirmen Menschen, die sich nicht in dieser klassifizierenden Zuordnung befinden? By the way, ich bin technik-affirm und gehöre der Generation X an (ja jetzt verwende ich es selbst), selektiere sehr kritisch nach Kosten-Nutzen-Analyse die Nutzung aller Medien!
Übrigens, auch die Generation Y ist nicht ausschließlich mit Web 2.0 aufgewachsen, denn es gibt Festnetzttelefon, TV, Printmedien, Printwerbung, Plakate ... In meinem empirischen Forschungen ergab sich ein anderes interessantes Bild: Menschen, die intellektuell gebildet sind, nutzen diese Medien sehr selektiv und kritisch, haben etwa eine negative Meinung über XING (Schaumschlägerdarstellung), lehnen nach einiger Zeit der Nutzung Facebook ab. Weil sie einfach schlichtwegs nicht wollen, dass man jeden Unsinn und Schwachsinn mitteilt und dass man plötzlich über sooo viele Freunde verfügt!
Interessanterweise existiert ja im Web 2.0 der Begriff Bekannter nicht mehr. Sie (jegliche Generationenzugehörigkeit dieser Klassifizierung) nutzen aber zum Beispiel Twitter zur Informationsbeschaffung! So wie Prüfungsfragen per E-Mail versandt werden. Was soll dann gemesse n werden, wenn kein Zugang mehr vorhanden ist?
Ich stelle bewusst provokant folgende Hypothese auf: Durch das Web 2.0 erhält die Masse der belanglosen User durch die Medien eine Dominanz, die sie im analogen Zeitalter nicht hätten. Ob jemand kritisch facebook hinterfragt oder nicht, hängt mit Intelligenz zusammen und nicht mit der verblödeten Generationenklassifizierung.
Lukas
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Während meines Zivildienstes wurde mir eine Wohnung gestellt, in der ich auch keinen Internetzugang hatte. Auch wenn ich dort maximal nur sieben Tage am Stück gewohnt habe, um dann wieder bei meinen Eltern (und Internet) zu sein, habe ich dieselben Erfahrungen gemacht ... Termine mussten umständlich per Telefon abgesprochen werden. Man ruft mehrere Personen an, um endlich jemanden an die Strippe zu bekommen der auch Zeit/Lust hat, etwas zu unternehmen. Irgendwann wurde mir das zu aufwendig und ich habe kaum noch etwas ausser Haus unternommen ... Von daher kann ich die Erfahrungen nur bestätigen.
Jan
Kommentar 6
Ein hoher Grad der Internalisierung, wenn man von Facebook schon träumt. Ist mir zum Glück noch nie passiert. Interessanter Bericht. Ist die Bezeichnung "Generation Y" einfach eine plumpe Fortsetzung der "Generation X"? Oder hat der Name einen anderen Hintergrund?
Sebastian
Kommentar 5
Das Beispiel zeigt, dass die für mich relevanten Kommunikationsmedien nicht von mir anhand meiner Einsortierung als Digital Native, Immigrant o.ä. definiert werden, sondern durch meine Kommunikationspartner. Im Beispiel ist das das private und studentische soziale Netzwerk, im Unternehmen sind das zum Beispiel meine Kollegen oder mein Projektnetzwerk. Die Führungskraft, die viele Y-Generation-Mitarbeiter hat, muss dies wohl beachten, um nicht mindestens die Hälfte zu verpassen.
Dietmar Zipfel
Kommentar 4
Vielleicht sollten sich Ihre Studenten einmal auf "Internet-Sucht" untersuchen lassen (die Krankheit existiert tatsächlich und ist wissenschaftlich anerkannt). Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wie vernünftiges wissenschaftliches Arbeiten funktionieren soll, wenn ständig das Kommunikationsnirvana von Facebook, Twitter etc. lockt. Wer ernsthaft studiert, hat beim Arbeiten Bleistift, Block, Fachliteratur und eventuell einen Laptop (zum Schreiben!) bei der Hand. Ich persönlich jedenfalls lasse mich nie beim Arbeiten durch derartige Kommunikationskanäle (wie die im Artikel beschriebenen) ablenken. Zur Information: Ich bin Jahrgang 1989.
Lucas Unterberg
Kommentar 3
Interessantes Experiment. Es zeigt auch, wie wenig selbstbestimmt die modernen Kommunikationsmittel genutzt werden, da der Einzelne denn Kontakt zu den Freunden verliert ohne Handy. Denn es gibt Alternativen, man kann in ein Buch schauen und sich verbindlich verabreden, aber in dieser schnelllebigen Zeit hält man sich immer das Hintertürchen des kurzfristigen Umschwenkens offen. Ich kann mir aus rein beruflichen Gründen Handy und Internet nicht wegdenken, aber privat habe ich damit angefangen, das TV abzuschalten, man hat plötzlich so viel Zeit.
Renate
Kommentar 2
Ein wirklich interessanter Text, ich habe ein paar Parallelen zu meinem Leben entdeckt (ich bin 23, Jahrgang '87). Aber man sollte dieses Beispiel nicht auf alle Beteiligten der sogenannten Generation Y beziehen. Ein Leben ohne Handy könnte ich mir auch nicht mehr vorstellen (Schrecklich, wenn der Akku leer ist), aber falls facebook (oder andere social networks) aus unerfindlichen Gründen nicht mehr funktioniert, ist dass, zumindest für mich, noch zu ertragen.
M.
Kommentar 1
Ich finde diese Studie sehr interessant, da auch ich mich zu der Generation Internet zählen darf (Jahrgang 1989). Ich muss dabei sogar noch anmerken, dass das Handy inzwischen ebenfalls immer mehr an Bedeutung zu verlieren scheint - gerade unter Studenten (zu teuer).
Bei einigen meiner Komilitonen ist es schon so weit gekommen, dass lediglich ICQ und andere Chatprogramme die notwendigen Kommunikationsmittel darstellen. Handytelefonie ist teuer und damit nicht praktikabel. Das wird gerade durch die vielen neuen Smartphones mit Internetflat noch weiter verschärft.
Dennoch achte ich als Informatikstudent darauf, die Verbindung zur Web-Welt nicht zu eng werden zu lassen. Lernen kann ich ohne PC, mein Bücherschrank ist gefüllter als der des zitierten Studenten und selbst Zeitschriften und Zeitungen (in Papierform) finden den Weg zu mir.
Daher bin ich auch der Meinung, dass man als Arbeitgeber die Kommunikationsplattformen nicht zu nachlässig und umfangreich erlauben sollte. Es muss einen Unterschied zwischen Arbeit und Privatleben geben und nicht beides miteinander verweben.
Das würde nämlich einerseits bedeuten, dass die Produktivität durch zu extensive Nutzung von Kommunikationsplattformen stark zu leiden hätte. Andererseits würde sich aber auch das Privatleben der Angestellten soweit ändern, dass man von einem Feierabend im klassischen Sinne nicht mehr reden kann.
Die vielen Vorteile des Internets sind zwar schön und gut, doch sollten dem auch strikte Grenzen gesetzt werden, die nicht zu sehr einschränken, aber auch nicht zu viele Freiheiten offen lassen. Diese sollten jedoch gut ausbalanciert sein.
Martin Lux