Von Armin Trost
Wir, Personaler, Manager und Headhunter, diskutieren seit etlichen Jahren über den sich verschärfenden Fachkräftemangel und wie wir ihm begegnen können. Wir denken über Arbeitgebermarketing oder über alternative Wege der Kandidatensuche nach. All das ist vielversprechend - aber haben Sie schon einmal versucht, sich bei Ihrem eigenen Unternehmen unter falschem Namen zu bewerben? Wenn Sie Personalleiter oder Geschäftsführer sind und Ihr Unternehmen unter Fachkräftemangel leidet, sollten Sie das auf jeden Fall tun. Sie werden vermutlich Spannendes und leider auch Abschreckendes erleben.
"Time-out" - Unternehmenswebsites für Online-Bewerbungen lassen dem Bewerber zumeist wenig Spielraum zur persönlichen Darstellung. Nicht selten ärgern sich ernsthafte Interessenten auch über ein zu kompliziertes Verfahren.
Wenn Sie sich etwa bei BMW oder bei Daimler bewerben - um nur zwei Beispiele herauszugreifen - benötigen Sie Zeit, sehr viel Zeit. Sie geben zunächst Ihre Kontaktdaten ein. Das macht Sinn. Dann übertragen Sie aufwendig Ihren Lebenslauf und bedienen dabei Dutzende Auswahlmenüs und füllen unzählige Felder aus. Allein die Beschreibung einer einzigen Station in Ihrer Karriere erfordert mehr Informationen, als das Einrichten eines Nutzerkontos bei YouTube und das Hochladen eines Videos. Als Bewerber bin ich bemüht, den Anweisungen zu folgen: Von dann bis dann war ich dort beschäftigt in der Rolle als dies oder das und war verantwortlich für Folgendes. Das Unternehmen hatte diesen Namen und gehört zu jener Branche.
Von nun an macht es mir das Unternehmen als Bewerber leider schwer, mich einfach und in all meiner Vielfalt zu präsentieren. Es will von mir Informationen, bei denen ich mich als Bewerber ständig frage, für wen diese am Ende wirklich relevant sind.