Von Armin Trost
2. Teil: Sind Online-Bewerbungen überhaupt sinnvoll?
Aber viel schlimmer: Als Bewerber sehe ich mich gezwungen, mich in ein Schema zu pressen, das kaum Freiräume zur persönlichen Darstellung bietet. Mit einer häufig praktizierten Ausnahme: Am Ende fragen viele Unternehmen: "Was sollten wir sonst über Sie wissen?".
Endlich, hier kommt die ersehnte Chance, mich individuell zu präsentieren. Ich mache mir Gedanken, brühe mir derweil einen Kaffee auf, gehe in mich und versuche mich endlich vorteilhaft darzustellen. Das kostet nun wirklich Zeit, und als Bewerber sollte ich mir diese auch nehmen. Aber dann, wenn ich nach einiger Zeit eine aufwendig formulierte Antwort abschicke oder speichere, bekomme ich - aus wohl gemeinten Sicherheitsgründen - die "Time-out"-Botschaft. Das System hat alle Informationen gelöscht, hat sich von mir verabschiedet, will mich nicht mehr kennen. Die Geschichte beginnt von vorne.
Ich diskutiere oft mit meinen Studenten über dieses Thema, und die meisten Absolventen sind - moderat ausgedrückt - verärgert. Was sich hier abspielt, ist oft kontraproduktiv und wird nicht dem Anspruch der Unternehmen gerecht, mit Hochdruck nach talentierten und motivierten Bewerbern zu suchen. Viele der sogenannten E-Recruiting-Systeme wurden entwickelt, um die Arbeit in den Personalabteilungen leichter zu machen. Diese Motivation ist gerade bei großen Arbeitgebern, wie etwa BMW oder Daimler, nachvollziehbar. Sind diese Systeme aber auch für talentierte und motivierte Bewerber attraktiv gestaltet? Selten!
Am Ende stellt sich nicht die Frage, ob Online-Bewerbungen sinnvoll sind oder nicht. Viele werden sich künftig online bewerben - ohne Zweifel. Entscheidend für den Erfolg dieser Systeme ist, dass ein Arbeitgeber Bewerbern positive Erfahrungen wie Aufgeschlossenheit, Interesse und Respekt vermittelt.
Was sind Ihre Erfahrungen mit Online-Bewerbungen? Diskutieren Sie mit!


