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08.02.2010

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Warum Personalplanwirtschaft nicht funktioniert

Von Armin Trost

2. Teil: Einfach menschlich

Hinzu kommt der menschliche Faktor. Nachfolgeentscheidungen oder die Frage, welche Vorgesetzte welche Mitarbeiter besonders fördern, sind meist politischer Natur. Persönliche Interessen, wechselseitigen Sympathien und langfristiges Vertrauen spielen dabei eine wichtige Rolle. Das war schon immer so und wird sich auch durch den Versuch einer Professionalisierung kaum ändern. Die daraus resultierenden Entscheidungen müssen deshalb nicht schlecht sein. Nicht selten basiert Nachfolgeentwicklung auf einer langfristigen und gegenseitigen Verpflichtung von Führungskräften gegenüber bestimmten Mitarbeitern und umgekehrt. Im Mittelstand, wo Firmengründer über viele Jahre hinweg ihren Nachfolger systematisch aufbauen (meist sind es die eigenen Nachkommen) ist dies nicht selten selbstverständlich und durchaus erfolgreich.

Darüber hinaus erleben wir derzeit eine Entwicklung, die auch ohne aktives Zutun der Unternehmen zu einer Demokratisierung der Talententwicklung führt. Da Wissen eine immer wichtigere Ressource wird, steigt die Nachfrage nach talentiertem Personal. Qualifizierte Mitarbeiter sind zunehmend vernetzt. Das Web 2.0 mit seinen vielen Mitmachmöglichkeiten trägt das seine dazu bei. Es schafft eine nie da gewesene Transparenz über Karrieremöglichkeiten und Talente durch soziale Netzwerke, Blogs oder Portale zur Bewertung von Arbeitgebern. Hinzu kommt die Tendenz insbesondere jüngerer Generationen, ihrem Arbeitgeber zwar loyal zu bleiben, aber innerhalb ihres Unternehmens immer wieder nach neuen Herausforderungen in wechselnden und unterschiedlich zusammengestellten Projektgruppen zu suchen. Diese Entwicklungen erleichtern es Mitarbeitern immer stärker, ihre Karriere selbst in die Hand zu nehmen.

Talentierte und motivierte Mitarbeiter warten nicht darauf, bis ihr Unternehmen ein entsprechendes Talentmanagement-System für sie entwickelt hat. Existiert es bereits, werden sie beurteilen, ob dieses System ihre individuellen Karrierepläne unterstützt. Sollte dies nicht der Fall sein, werden sie trotzdem ihren Weg gehen, mit oder ohne Talentmanagement, beim aktuellen Arbeitgeber oder eben bei einem anderen.

Die Besetzung von Schlüsselpositionen ist eine strategische Aufgabe. Kein Zweifel: Zentrale Talentmanagement-Systeme sind wichtig und sinnvoll, wenn sie einen Überblick über vielversprechende Kandidaten und deren Status sowie über künftige Personalbedarfe liefern. Doch unser Bemühen um mehr Professionalität, Systematik und Integration gepaart mit der Tendenz, Herausforderungen im Talentmanagement technisch zu lösen, darf uns nicht den Blick darauf verstellen, worauf es am Ende wirklich ankommt. Ein Talentmanagement, das nur auf die Bedürfnisse der Topentscheider zugeschnitten ist, geht an den aktuellen Entwicklungen und Bedürfnissen vorbei. Künftig wird es viel mehr darum gehen, mittels interner Talentmärkte oder mit Hilfe des Internets Transparenz zu schaffen. Manager und Mitarbeiter sollten in ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen Optionen für Jobs, Projekte und Kandidaten erkennen und eigenständig im Rahmen ihrer Netzwerke die richtigen Entscheidungen für sich wie auch für das Wohl des Unternehmens fällen können.


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