5. Teil: Weitere Leserkommentare
Kommentar 4:
Ganz toll, den Kommentar 1 zu lesen. Um was geht es denn eigentlich tatsächlich? Nicht der Charakter der nun mal "so muss es sein, so kommt es wieder-Theorie" als apologetischer Akt steht hier als Anregung zur Denkpause, es geht um weitaus mehr! Mit keinem einzigen Wort wird auf die tatsächlichen Ursachen der uns getroffenen Katastrophe in Wirtschaft-Finanzen-Gesellschaft aller Völker reflektiert. Die Bürger Deutschlands werden hier nach gut 80 Jahren durch eine räuberische, verlogene, machtbesessene kriminelle Gier von gewissenlosen der " Spezies Mensch" zuzurechnenden Finanz- Exkrementen in Not und Elend gestürzt, deren Tragweite generationenübergreifend und momentan nicht überschaubar ist.
Dieser perverse verbrecherische Faktor lässt sich nicht in dieses Modell als lineare oder parametrische Konstante substituieren !
Lieber Kommentator 1 oder Verfasser G. Müller-Stewens, glauben Sie ernsthaft, dass sich der nunmehr von allen erkannte Finanzverbrecher Alan Greenspan als vorderster Übeltäter in den vergangenen 12 Jahren von dieser Theorie der Wellen hat leiten lassen? Dies hält keiner Prüfung in Operation Research stand! Mir scheint, dass hier anstelle schonungsloser staatsanwaltlicher Analysen und Verfahren sowohl in den USA als auch in Germany - welches sich götzendienstartig diesem ganzen Desaster willigst erklärt hatte - nun einer Apologetik zur Verschleierung sowohl der Ursachen und Wirkungen dieser Katastrophen gefolgt werden soll?! Bei mir bleibt unter sichtlichem Erstaunen die Frage, für wen der Verfasser und in wessen Auftrag er das Wort redet und zur " Denkpause" mittels "M&A-Theorie" ergreift. Tragen Sie bitte mit dazu bei zu erkennen , dass es nicht diese Theorie ist , welche wir in den kommenden Dezenien zu bewältigen haben, sondern dass es hier um von Menschen gemachte (!!!) Katastrophen geht.
Ich werde mich als "Senior von Law and Order" hüten, bei solchen schlimmen Ereignissen als Substitut die Wellen-Theorie zur Verlesung zu bringen.
D.DI W.Häckel
Kommentar 3:
Toller Beitrag!
Insbesondere den Part über Stakeholder-Orientierung habe ich sehr aufmerksam gelesen. Ich bin auch der Meinung, dass es endlich an der Zeit ist, wieder einmal darüber nachzudenken, welchen Mehrwert die Unternehmung an sich für das Allgemeinwohl einer Volkswirtschaft bietet und wie eine Unternehmensform am ehesten ausgestaltet werden sollte um Nutzen in dieser Hinsicht zu maximieren.
Interessante Aspekte aus meiner Sicht:
- Anreiz- & Zielsysteme für Unternehmenslenker am Stakeholder-Value auszurichten (soft & hard facts) und trotzdem eine flexible Kapitalbeschaffung zu gewährleisten
- Schaffung eines rechtlichen Konstrukts hinsichtlich akzeptablen unternehmerischen Risikos, zur proaktiven Vermeidung von absehbaren Fehlstarts
Allerdings bezweifle ich auch, dass die aktuelle Krise ein entsprechendes Umdenken im notwendigen Maße herbeiführen wird. Zunächsteinmal mangelt es nach meiner Meinung schon, an einer idealtheoretischen Grundlage, welche für die o.a. Problemstellungen eine zufriedenstellende Lösung aufzeigen kann.
Wer hierfür eine Lösung findet, dem wünsche ich jeden notwendigen Erfolg diese ausreichend zu propagieren!
M. Nordwig
Nichts wird sich ändern. Die siebte Welle wird auch wieder einen Abschwung haben, der noch desaströser sein wird als das jetzige Szenario. Solange alles von der Rohölwirtschaft abhängt wird es keinen Paradigmenwechsel geben.
A. Orbis
Kommentar 1:
Meines Erachtens ist eine Differenzierung entlang des M&A-Wellenzyklus angebracht, in der sich Aspekte der skizzierten Szenarien wiederfinden.
Zum Beispiel sind nicht wenige Merger aus dem Wunsch entstanden, fehlende oder ergänzende "Intellectual Property" zu erwerben, Zugänge zu Märkten zu finden oder die jeweils besten Fähigkeiten der Organisationen zu verknüpfen. Insoweit eine - im Kern - auf die Qualifikation der Mitarbeiter gerichtete Zielsetzung.
Das Anschwellen von M&A-Aktivität scheint immer dann zu erfolgen, wenn Unternehmen ihre Marktposition nicht mehr durch organisches Wachstum behaupten können und sich durch die Transaktion überproportionale Skaleneffekte erhoffen. Dieser Wunsch entsteht aus einer Sättigung der traditionellen Geschäftsfelder, die aber gleichzeitig zu relativ hoher Profitabilität und guter Kapitalausstattung geführt hat.
Dass sich nun Marktteilnehmer darauf spezialisieren, die Kapitalausstattung über Kredite weiter zu verbessern ("Leverage") ist im Grunde nicht verwerflich. Wenn aber die Kreditfinanzierung weit überwiegt und Unternehmen vorwiegend zu dem Zweck gekauft werden, um sie in handlichen Teilen wieder zu verkaufen, ist Gefahr im System.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass der Auslöser der Finanzkrise nicht bei der M&A-Aktivität lag sondern im Finanzgebaren des US-Immobilienmarktes - die Auswirkungen der hier entstandenen Verwerfungen haben letztlich zur allgemeinen Finanzkrise geführt.
Ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel erfordert eine Neudefinition des Begriffs "Value".
Anleihen zum Beispiel an das Modell des "Public Sector Value", wären geeignet, kranken aber schon daran, dass die Politik sie selbst hartnäckig ignoriert. Daher scheint der Staat nicht der geeignete Motor für grundlegenden Wandel zu sein - zusätzlich zur Erkenntnis, dass ein zu stark regulierender Staat die intellektuelle und wirtschaftliche Vitalität einer Gesellschaft dämpft.
Und genau diese Vitalität ist Voraussetzung für Risikobereitschaft und langen Atem - von Unternehmern wie von Kapitalgebern - der zu langfristig wirtschaftlicher Stabilität auf hohem Niveau führt.
Interessanterweise scheint es eine "Anatomie" besonders erfolgreicher Unternehmen zu geben, die über Wirtschaftszyklen hinweg tragfähig ist.
C. Siekmann