Warum Sie und Ihre Mitarbeiter mehr schlafen sollten

Selbstmanagement:

Von Arianna Huffington
28. Juni 2013

Produktiver Mittagsschlaf: Müde Mitarbeiter sind wenig kreativ
Corbis

Produktiver Mittagsschlaf: Müde Mitarbeiter sind wenig kreativ

Menschen jeden Alters glauben, in einer Phase des Wandels zu leben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass schon Adam zu Eva gesagt hat: 'Schatz, ich denke wir leben in einer Zeit des Wandels'. Aber manche Generationen erleben tatsächlich große und nachhaltige Veränderungen.

Ich glaube, dass wir derzeit in den USA eine solche Veränderung sehen, und zwar in Bezug auf die Arbeitsbedingungen in Unternehmen und Organisationen. Es geht um das Wohlbefinden von Arbeitnehmern. Eine wachsende Zahl von Arbeitgebern und Arbeitnehmern räumt ein, dass das derzeitige Modell nicht funktioniert. Tatsächlich führt es zu Stress, Burn-Out, abnehmender Produktivität und Schlafmangel - eine wahre Epidemie, die auch mich ganz persönlich betrifft.

Wenn ich Vorträge halte, sorgt das Thema Schlaf oft für Heiterkeit. Aber es ist ein wissendes Lachen: Denn jeder von uns weiß, wie Schlafmangel sich auf unsere Leistungsfähigkeit auswirkt. Was bedeutet das für Unternehmen und Organisationen? Dazu gibt es Zahlen: Müdigkeit ist der Feind der Kreativität und des Erinnerungsvermögens. Amerikanische Unternehmen verlieren rund 63 Milliarden Dollar pro Jahr durch verminderte Produktivität. Eine Studie ergab, dass Schlafmangel durch seine unmittelbaren negativen Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit und die Entscheidungsfindung das Tor für unethisches Verhalten öffnet.

Eine andere Untersuchung hat gezeigt, dass sich Schlafmangel auf die Ausstrahlung von Menschen niederschlägt: Sie werden von anderen Menschen als antriebslos und ungesund wahrgenommen - sicher nicht die beste Art, einem Kunden gegenüberzutreten. Die größten Einbußen sind darauf zurückzuführen, dass Schlafmangel zu Unfällen und anderen Gesundheitsproblemen führt. Ein Beispiel: Die Weltgesundheitsorganisation klassifiziert Schichtarbeit als Risikofaktor für Krebs, aufgrund erhöhter Brustkrebsraten unter weiblichen Schichtarbeiterinnen.

Glücklicherweise erkennen branchenübergreifend viele Arbeitgeber, dass sich die Gesundheit ihrer Angestellten direkt auf das Gesamtergebnis auswirkt und treiben konkrete Veränderungen voran.

Auf einer Tagung der Harvard Medical School Division of Sleep zum Thema Schlafmangel debattierten kürzlich Vertreter von Unternehmen wie Walmart, Procter&Gamble oder Eli Lilly, wie Unternehmen mit Schlafexperten und Organisationen zusammenarbeiten können, um etwas gegen die Gesundheitsprobleme zu tun, die durch Schlafmangel verursacht werden.

Vielleicht sollten die Unternehmen sich an Beispielen aus dem Hochleistungssport orientieren. Olympia-Teilnehmer erhalten nun neben ihrer stark regelmentierten Ernährung hochmoderne Räume, um Mittagsschläfe halten zu können. In der nordamerikanischen Basketballliga NBA haben Stars wie Steve Nash oder Koby Bryant gezeigt, wie wichtig Schlaf für die Vorbereitung auf Spiele ist. Ein Offizieller erklärt: "Jeder in der Liga weiß, dass man NBA-Spieler auf keinen Fall um 15 Uhr am Nachmittag anrufen sollte. Dann machen die Spieler ihren Mittagsschlaf.".

Aber auch konventionellere Arbeitsplätze holen auf. Etwa ein Viertel der großen amerikanischen Unternehmen bietet ihren Mitarbeitern Programme zur Stressbewältigung an, wie zum Beispiel Meditation oder Yoga. Im Büro der Huffington Post in New York haben wir zwei Räume für Mittagsschläfer eingerichtet (Link6).

Zu Beginn zögerten unsere Reporter, Redakteure und Techniker, diese Räume zu nutzen. Sie machten sich Sorgen, dass andere Kollegen ihnen vorwerfen könnten, ihre Arbeit zu vernachlässigen. Aber es ist ein Zeichen für den Wandel, dass unsere Räume nun stets ausgebucht sind. Wir müssen unsere Arbeitskultur so verändern, dass der Mittagsschlaf nicht mehr stigmatisiert wird. Sondern, dass es als unmöglich gilt, sich völlig erschöpft durch das Büro zu schleppen.

Viele Menschen erkennen, wie wichtig Schlaf wirklich ist. Und wir wissen heute, dass viele historische Persönlichkeiten den Mittagsschlaf geschätzt haben. Hoffen wir, dass sich die nächste Generation von Führungskräften ein Beispiel nehmen wird an den berühmten Freunden des Mittagsschlafs, wie zum Beispiel Leonardo DaVinci, Winston Churchill oder John F. Kennedy.

Zeiten großen Wandels werden oft durch einen so genannten perfekten Sturm ausgelöst, bei dem verschiedene, große Faktoren zusammenkommen. Hinter dem Interesse am Wohlbefinden in den USA stecken im Wesentlichen drei Elemente: ein dysfunktionales Gesundheitssystem, eine Fülle innovativer Technologien, und neue Möglichkeiten, die eigenen Gesundheitswerte zu protokollieren und zum Positiven zu verändern. Ohne Zweifel stehen uns große Veränderungen bevor.

Zur Autorin
Arianna Huffington ist Mitbegründerin und Chefredakteurin der Online-Zeitung Huffington Post, erfolgreiche Kolumnistin und Autorin von insgesamt 13 Büchern. Sie ist Mitglied des Executive Council of the Division of Sleep Medicine an der Harvard Medical School.

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Kommentare
3
Nikko 28.06.2013

selberdenken
Eigentlich eine Binsenweisheit, dass uns fehlender Schlaf die Kreativität und Schaffenskraft raubt. Mehrere Tage mit wenig schlaf und wir spüren es deutlich am eigenen Körper. Dass man sich zwischenzeitlich unter Schlafmangel selbst überschätzt - wie unter Alkohol - dürfte uns nur kurz in die Irre führen. Aber wir irren lange, bis ein solcher Zeitgeist wieder besiegt ist. Leider sind die meisten Menschen nicht selbstbewußt genung, um sich 'Moden' zu entziehen. Da hilft offensichtlich auch Bildung weniger als erhofft - nur die Ausreden und Begründungen werden anspruchsvoller.

AlfMaars 01.07.2013

Schlaf ist unerlässlich um den Körper und Geist fit zu halten. Leider sehen das die Unternehmen und Chefs nicht immer so und denken, wenn man nicht am Schreibtisch sitzt und arbeitet, dann geht nur Arbeitszeit verloren. Dass damit auch Kreativität verloren geht und Motivation, immer wieder voll da zu sein und somit effizienter zu arbeiten, das geht leider oft unter. Dabei muss es nicht immer Schlafen sein. Jede Art von Ablenkung ist willkommen. Andere Möglichkeiten sind z.B. Sport, Yoga oder Klangschalen-Meditation. Dabei kann es um eine kurze Auszeit an der Arbeit gehen oder man kann sogar auch man ein paar Tage abschalten und die Tapeten wechseln. Ich habe gelesen http://www.smavel.com/index.php?aid=2348, dass sogar Klöster u.ä. Einrichtungen solche spezielle Auszeiten anbieten. Jede Art den Körper und Geist zu entlasten tragen zweifelsohne zum Stressabbau bei, aber wann wird das auch in Chefetagen ankommen in der Arbeitswelt akzeptiert sein? Das ist eine andere Frage. …..

JTKnauf 25.11.2013

Ergänzende Inspiration..
..ich bin der festen Überzeugung, Schlaf ist wichtig für Körper, Geist und Seele - und jeder sollte sein eigenes Schlafbedürfnis herausfinden und decken.. Gerne teile ich hier einige ergänzende Inspirationen und Praxistipps zu „Entschleunigung“: http://www.scopar.de/news/kalte-depression-burnout-vermeiden/

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