"Alles fängt mit einer Vision an"

Interview:

Heft 3/2018
Eric Millette,

HBM: Herr Blank, in Deutschland finden Konferenzen und Gründerseminare statt, deren Inhalte fast komplett auf Ihren Büchern und Ideen beruhen. Die Lean-Start-up-Bewegung war also ein voller Erfolg.

Blank: Da bin ich nicht sicher. Im Ernst. Ich sehe sie eher als ein großes Experiment. Die Frage ist, ob es sich um eine Modeerscheinung handelt oder ob sie wirklich neue Erkenntnisse bringt und sich langfristig durchsetzt. Es gibt bereits einige Daten dazu, aber wir befinden uns immer noch in einer Versuchsreihe, bei der wir sehen, dass einiges von dem, was wir ausprobieren, nicht funktioniert.

HBM: Was funktioniert denn nicht?

Blank: Das Gute daran, ein Entrepreneur im Ruhestand zu sein, ist: Ich muss nicht behaupten, dass alles, was wir gemacht haben, erfolgreich war. Einige Sachen wie die Kombination von Alexander Osterwalders Business Model Canvas, meinem Customer-Development-Prozess und Eric Ries' Arbeiten haben so etwas wie einen Managementstandard für Innovation gesetzt. Das nenne ich Lean. Aber wenn Unternehmen diese Tools anwenden, liegt der Fehler in der Umsetzung. Ein Problem ist die Vorstellung, dass jeder ein Innovator ist. Sie ist falsch: Zumindest in großen Unternehmen sollte jeder besser ein guter Umsetzer sein. Das Zweite ist: Wenn Unternehmen Inkubatoren, Innovations-Outposts oder Co-Creation-Projekte aufsetzen, dann bekommen sie zwar großartige Kaffeebecher und T-Shirts heraus, aber tatsächlich handelt es sich nur um Innovationstheater. Und das meine ich nicht im positiven Sinne - es ist schlecht. Nicht weil die Leute dumm sind. Aber es entstehen unzusammenhängende Aktivitäten ohne strenge Erfolgskontrolle - ohne Beweise und ohne Kennzahlen, die für eine disziplinierte Umsetzung nötig sind. Ich halte das für einen Fehler. Wichtig ist, diese Aktivitäten richtig miteinander zu verbinden, so wie Venture-Capital-Gesellschaften ihre Investitionen in einem Portfolio aufeinander abstimmen.

HBM: Mittlerweile gibt es eine Unmenge von Innovationstools, die alle für sich in Anspruch nehmen, mit Lean-Start-up-Methoden Gründern zum Erfolg zu verhelfen. Der Business Model Canvas von Alexander Osterwalder beispielsweise wurde oft kopiert, angepasst und in veränderter Form neu auf den Markt gebracht. Bräuchte es eine Konzentration auf einige wenige Innovationstools, von denen man zumindest weiß, dass sie funktionieren?

Blank: Ja, das stimmt. Wenn Sie neue Dinge entwerfen, ohne sie tatsächlich zum Einsatz zu bringen, haben Sie meiner Erfahrung nach Ihr eigentliches Ziel längst aus den Augen verloren. Es ist aber nicht so, dass es unter den ganzen Methoden die eine richtige Antwort gibt. Auch Lean Start-up ist nur eine mögliche Antwort. Hoffentlich werden wir in Zukunft bessere Antworten haben. Die Quadranten im Business Model Canvas neu zu zeichnen ist normalerweise nicht das, worum es dabei geht. Die Leute müssen anfangen, Resultate zu messen. Wie haben wir zum Unternehmensgewinn oder zum Umsatz beigetragen? Haben wir ein neues Geschäftsmodell entwickelt? Wenn das nicht der Fall ist, sollten wir innehalten und schauen, ob das, was wir tun, auch produktiv ist.

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© Harvard Business Manager 3/2018
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