"Alles fängt mit einer Vision an"

Heft 3/2018
Eric Millette,

2. Teil: Die Anzahl der erdachten Ideen

HBM: Eine Art, Resultate zu messen, ist, die Anzahl der neuen Ideen oder Projekte zu zählen, die in einem Innovationsprojekt entstehen. Tools wie die Kickbox des Softwareherstellers Adobe, die auf Lean-Start-up-Methoden beruht, schneiden dabei sehr gut ab.

Blank: Das ist Quatsch. Das sage ich nicht, um die Leute herabzuwürdigen, die so etwas versuchen. Aber der Zweck eines Unternehmens besteht nicht in der Anzahl der erdachten Ideen. Es gibt tatsächlich viele Gruppen in Unternehmen, die glauben, dass ihre Funktion darin besteht, Ideen zu entwickeln. Nein! Vielleicht bin ich zu sehr Kapitalist, aber die Frage ist doch: Wie wirkt es sich auf den Umsatz oder den Gewinn aus - entweder jetzt oder in Zukunft? Wir verkaufen keine Ideen, sondern Produkte oder Dienstleistungen.

HBM: Gerade das, nämlich die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen durch die Lean-Start-up-Methode, hat der deutschstämmige Silicon-Valley-Investor Peter Thiel scharf kritisiert. In seinem Buch "Zero to One" argumentiert er sinngemäß: Die vielen Iterationen und Feedbackschleifen mit Kunden brächten zwar kleine Verbesserungen hervor. Aber es entstehe nichts Revolutionäres, das das Potenzial hätte, Branchen zu verändern.

Blank: Als Peter Thiel das geschrieben hat, verstand er nicht wirklich, was Lean Start-up ist. Oder sein Ghostwriter hat einen schlechten Job gemacht.

HBM: Es war die Schuld des Ghostwriters?

Blank: Wie auch immer, auf jeden Fall hat er es nicht verstanden. Ich weiß nicht, wie er zu dem Schluss gekommen ist. Als ich das gelesen habe, habe ich gelacht und gesagt: Wenn ich sein Professor wäre, würde ich ihm eine Vier geben, weil er die Literatur nicht gelesen hat. Er hat die Oberfläche gesehen und sich dann zusammengereimt, was Lean bedeutet. Das ist übrigens Teil des Problems: Lean ist schwierig. Die eigenen vier Wände zu verlassen und sich auf den Markt zu wagen ist schwierig. Mit den Kunden zu reden ist schwierig. Das eigentliche Ziel, das ich mit Lean verbinde, besteht darin, dem Gründer Informationen für seine Vision zu liefern. Ein Start-up ist vom ersten Tag an ein Vorhaben, das auf Glauben beruht. Normalerweise fängt alles mit einer Vision an. Deshalb müssen Sie schnell die Frage beantworten: Ist diese Vision eine Halluzination - oder gibt es Daten, die zeigen, wie sie sich realisieren lässt? Sie sollten aus einem Start-up so schnell wie möglich ein faktenbasiertes Unternehmen machen. Wenn sich Ihre Vision als falsch herausstellt, sollten Sie herausfinden, warum das so ist.


Das vollständige Interview mit Steve Blank "Ein deutsches Google ist unmöglich" lesen Sie in der März-Ausgabe.


Faktor Kultur


Der Erfolg von Unternehmen ist auch eine Frage des Stils. Wie Manager das passende Umfeld für Hochleistung schaffen


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    Ingmar Höhmann ist Redakteur des Harvard Business Managers.
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© Harvard Business Manager 3/2018
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