Höher bezahlte Chefs leisten weniger

Wissenschaftliche Studie:

Von Arvid Kaiser
20. Juni 2014

Hamburg - Eigentlich ist es ganz einfach: Mehr Geld ist ein Anreiz, mehr zu leisten. Doch für Konzernchefs gilt das offenbar nicht. "Je höher sie bezahlt werden, desto schlechter geht es der Firma in den kommenden drei Jahren, was Aktienkurs und sogar Geschäftszahlen angeht", zitiert "Forbes" den Betriebswirt Michael Cooper von der University of Utah.

Mit zwei Kollegen aus dem britischen Cambridge hat Cooper die nach eigenen Angaben erste systematische Studie zu der Frage erstellt, die Zahlenmaterial der 1500 wertvollsten Aktiengesellschaften über einen Zeitraum von 20 Jahren auswertet. Wissenschaftlich wurde das heiß diskutierte Thema bisher nur mit kleinen Stichproben angegangen. Da fielen die Ergebnisse mal so, mal so aus. Doch die Autoren der neuen Studie finden ihr Resultat eindeutig. Besonders klar sei es bei den Superstar-Managern mit den höchsten Einkommen.

Die Forscher behaupten nicht, dass Manager die Füße hochlegen, wenn ihre Millionengehälter steigen. Aber Fleiß entscheidet auch nicht über Erfolg auf der Chefetage. Der Erfolg bemisst sich eher daran, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Und das könnten hohe Vergütungen behindern, meinen Cooper und Co. Ihre These: Sehr hohe Gehälter würden falsches Selbstvertrauen nähren. Manager, die Fehlentscheidungen treffen, würden im Glauben an die eigene Macht und Kompetenz bestärkt - und dann eher noch einen draufsetzen. In teuren Übernahmen anderer Firmen zeige sich das Muster deutlich. Zudem nehme die Performance mit den Jahren auf dem Chefposten ab, während die Bezüge stiegen - unter anderem, weil die Chefs sich in Vorstand und Aufsichtsrat mit Vertrauten umgäben, die alles abnicken.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Erfolgsabhängige Anreize wie Aktienoptionen verschlimmern den Effekt im Vergleich zu bar gezahlten Festgehältern. Cooper glaubt auch nicht an das Heilmittel, Malussysteme einzuführen, in denen die Firmen schon zugesagte Vergütungen in den Folgejahren wieder zurückziehen, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Er halte es eher mit einer anderen Denkschule: "Vorstandschefs werden einfach zu hoch bezahlt. Punkt."

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