Sieben Regeln für den Umgang mit Kreativen

Personalführung:

Von Tomas Chamorro-Premuzic
7. Mai 2013

Kreative Mitarbeiter gelten manchmal als launisch, sprunghaft, exzentrisch und arrogant - aber Sie können nicht auf sie verzichten. Solange Sie allerdings nicht lernen, das Beste aus Ihren diesen Mitarbeitern herauszuholen, werden Sie früher oder später scheitern. Wenn Sie andererseits nur freundliche, umgängliche Mitarbeiter einstellen und befördern, wird Ihr Unternehmen im besten Fall mäßigen Erfolg haben. Unterdrückte Kreativität wirkt in Organisationen wie ein bösartiger Tumor. Obwohl nahezu jedes Unternehmen angibt, Innovationen zu fördern, sind nur wenige bereit, ihre kreativen Mitarbeiter bei Laune zu halten oder zumindest ihre Produktivität zu erhalten. Wie können Unternehmen kreative Mitarbeiter langfristig für sich gewinnen?

Kreative Mitarbeiter: Entscheidend für den Erfolg des Unternehmens
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Kreative Mitarbeiter: Entscheidend für den Erfolg des Unternehmens

1. Erlauben Sie den Kreativen, Fehler zu machen: Sie sollten sich so verhalten wie ein Vater oder eine Mutter, die sich über alles freut, was ihre Kinder machen - selbst wenn es Unordnung ist. Unterstützen Sie Ihre Kreativen uneingeschränkt und ermutigen Sie sie, auch Absurdes zu versuchen und dabei zu scheitern. Innovation entsteht durch Unsicherheit, Risiko und Experiment. Wenn Sie schon zu Beginn wissen, dass etwas funktionieren wird, dann ist es keine besonders kreative Leistung. Kreative lieben das Experiment. Lassen Sie diese Mitarbeiter also probieren, testen und spielen. Natürlich kostet das Geld. Aber der Verzicht auf Innovation ist teurer.

2. Umgeben Sie die Kreativen mit guten, aber eher nüchternen Kollegen: Das Schlimmste für einen kreativen Mitarbeiter ist, ausschließlich mit anderen kreativen Köpfen zusammenarbeiten. Sie würden um Ideen rangeln, endlos brainstormen oder sich einfach gegenseitig ignorieren. Allerdings können Sie Kreativen auch keine zu konventionellen Leute zur Seite stellen - sie würden sich nicht verstehen. Passend dazu haben aktuelle Untersuchungen ergeben, dass besonders solche Teams höchste Kreativität entfalten, deren Mitglieder offen für die Perspektiven anderer sind.

Deshalb sollten Sie Ihre Kreativen im Team mit Kollegen zusammenarbeiten lassen, die nicht mit ihnen konkurrieren. Sie sollten aber auch kreativ genug sind, um mit ihnen zusammenarbeiten zu können. Die Aufgabe dieser Kollegen wird es sein, auf Details und gewöhnliche Geschäftsprozesse zu achten und den Kreativen den Rücken frei zu halten.

3. Geben Sie den Kreativen nur wichtige Aufgaben: Innovationsfreudige Mitarbeiter tendieren dazu, visionär zu arbeiten. Sie erkennen das große Ganze und verstehen die Zusammenhänge (auch wenn sie oft Probleme haben, sie zu formulieren). Der Nachteil ist, dass sie grundsätzlich nichts für langweilige Tätigkeiten übrig haben. Arbeit funktioniert für sie nach dem Prinzip "Alles oder Nichts". Sie haben das Temperament kreativer Künstler, die auch nur dann gut sind, wenn sie sich inspiriert fühlen. Die Inspiration ziehen sie aus dem Sinn ihrer Tätigkeit. Diese Regel lässt sich auch auf andere Mitarbeiter anwenden: Jeder arbeitet kreativer, wenn er von seinem Interesse und Wissensdurst angetrieben wird.

Der Bestsellerautor John Irving hat einmal gesagt: "Der Grund, warum ich so viel schreibe, ist, dass es für mich keine Arbeit darstellt." Andererseits gibt es in jedem Unternehmen auch Mitarbeiter, die keine interessanten Aufgaben brauchen. Sie sind damit zufrieden, verlässliche und nicht zu lange Arbeitszeiten zu haben und lassen sich von materiellen Belohnungen motivieren. Manager sollten ihnen die trivialen oder bedeutungslosen Aufgaben zuteilen.

4. Üben Sie keinen Druck aus: Freiheit und Flexibilität bei der Arbeit fördert gewöhnlich Kreativität. Wenn Sie auf Strukturen, Ordnung Planbarkeit Wert legen, sind Sie selbst möglicherweise kein Kreativer. Dennoch denken wir alle offener, wenn wir in einem dynamischen Umfeld arbeiten. Denn dann können wir uns nicht auf unsere Gewohnheiten verlassen. Engen Sie Ihre kreativen Mitarbeiter nicht ein und zwingen Sie sie nicht, starren Prozessen oder Strukturen zu folgen. Lassen Sie sie flexibel und zurückgezogen arbeiten. Fragen Sie nicht, wo, wenn und wie sie eine Aufgabe lösen.

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Kommentare
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Unregistriert 07.05.2013

Stärken erkennen
Wesentlich ist, die Stärken der Mitarbeiter und deren Antreiber zu kennen. Danach sollte es leicht sein, sie richtig einzusetzen. Ändern wird man Menschen von außen keinesfalls.

Unregistriert 08.05.2013

Anleitung zur Ausbeutung
Sie schreiben: "Je mehr Geld Sie Menschen dafür anbieten, Dinge zu tun, die sie lieben, desto weniger werden sie sich engagieren." Na ist doch prima: Die für das Unternehmen wichtigen, weil innovativ, schöpferisch und kreativ denkenden Menschen sollte man in ihrem Schaffensdrang auf keinen Fall hemmen, indem man ihnen zu viel Geld zahlt. Dieser Zynismus wird dann noch mit der einen oder anderen (bezahlten?) Studie untermauert und schon haben wir eine lupenreine Rechtfertigung dafür, gerade die guten Mitarbeiter auszubeuten.

Galgenstein 16.05.2013

Zitat von UnregistriertSie schreiben: "Je mehr Geld Sie Menschen dafür anbieten, Dinge zu tun, die sie lieben, desto weniger werden sie sich engagieren." Na ist doch prima: Die für das Unternehmen wichtigen, weil innovativ, schöpferisch und kreativ denkenden Menschen sollte man in ihrem Schaffensdrang auf keinen Fall hemmen, indem man ihnen zu viel Geld zahlt. Dieser Zynismus wird dann noch mit der einen oder anderen (bezahlten?) Studie untermauert und schon haben wir eine lupenreine Rechtfertigung dafür, gerade die guten Mitarbeiter auszubeuten.
Sie sollten Ihren Filter ablegen. Was ausgesagt wird ist, dass dem Kreativen Freiheit so wichtig ist wie Geld. Jedermann muss Geld verdienen um zu leben. Aber Kreativität wächst nicht mit dem Gehalt, sondern vor allem mit den richtigen Rahmenbedingungen. Wer nur des Geldes wegen in einer Firma arbeitet ist weg, wenn ihm ein anderer mehr bietet.

oh72 17.05.2013

Zitat von GalgensteinSie sollten Ihren Filter ablegen. Was ausgesagt wird ist, dass dem Kreativen Freiheit so wichtig ist wie Geld. Jedermann muss Geld verdienen um zu leben. Aber Kreativität wächst nicht mit dem Gehalt, sondern vor allem mit den richtigen Rahmenbedingungen. Wer nur des Geldes wegen in einer Firma arbeitet ist weg, wenn ihm ein anderer mehr bietet.
Ich glaube eher, dass Sie es sind, der dringen einen Filter ablegen muss. Denn zu den richtigen Rahmenbedingungen gehört auch die Wertschätzung. Ich habe etliche Kreative im Bekanntenkreis und denen hat schon die ursprüngliche englische Veröffentlichung des Artikels genügt, um zu schäumen. Von "nur des Geldes wegen" kann keine Rede sein, wenn man offiziell als Mitarbeiter zweiter Klasse behandelt wird. "Freiheit" ist keine Entlohnung sondern Grundvoraussetzung, dass der Kreative seinen Job machen kann.

oh72 21.05.2013

Hier mal harte Fakten
Der Gehaltsreport des BDG: http://www.page-online.de/emag/szene/artikel/bdg-gehaltsreport-2012-reich-nein-zufrieden-ja?cid=3#emaganfang Man sollte sich folgendes Zitat mal auf der Zunge zergehen lassen: "Das spiegelt sich auch in der Familienplanung wider, die rund 35 Prozent aller Befragten mit ihrem Einkommen nicht für finanzierbar halten. 37 Prozent der Angestellten und 25 Prozent der Selbständigen halten es zumindest für »möglich, aber hartes Brot«." Man sollte sich einmal überlegen, das Geld zwar nicht glücklich macht, aber auch die Freiheiten ungemein erweitert. Und wenn hier Leute schreiben, Freiheit sei den Kreativen mindestens genauso wichtig wie Geld, dann übersehen sie dabei, dass sie den Kreativen tatsächlich Freiheit nehmen, nicht geben - zum Beispiel die Freiheit, eine Familie zu gründen.

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