Was ich lernte, als ich meinen Job verlor

Führung:

Von Douglas R. Conant
26. April 2013

Es war im Frühling des Jahres 1984. Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag, so als wäre es gestern gewesen. Es war ein schöner Morgen in Boston. Ich konnte das Meer riechen, als ich mit dem Auto zur Arbeit fuhr. Damals war ich Direktor für Marketing bei "The Parker Brothers Toy and Game Company" in den USA. Als ich in der Firma ankam, bat mich mein Vorgesetzter in sein Büro.

Zäsur: Den Job zu verlieren, ist in den meisten Fällen eine große Enttäuschung
Corbis

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Unser Unternehmen hatte erst kürzlich den Besitzer gewechselt, die Umstände waren etwas chaotisch gewesen. Aber ich fühlte mich gut und in der Lage, einen Beitrag für den Erfolg des Unternehmens zu leisten. Im Büro meines Vorgesetzten erfuhr ich, dass meine Stelle eingespart werden sollte. Zudem sollte ich sofort meine Sachen zusammenpacken und das Firmengelände verlassen. Mit anderen Worten: Ich war gefeuert. Zehn Jahre meiner Karriere - einfach vorbei, mit einem Mal. Ich war am Boden zerstört und bitter enttäuscht. Ich fuhr nach Hause, zu meiner Frau, unseren beiden kleinen Kindern und zu einer Riesenhypothek auf unserem Haus. Ich fühlte mich mit jeder Faser meines Körpers als Opfer.

Zum Glück stellte das Unternehmen mir einen sehr guten Berater an die Seite, der mir neue Perspektiven aufzeigen sollte. Er hieß Neil MacKenna und kam aus Neu-England. Eines akzeptierte er nicht: Dass ich mich als Opfer fühlte.

Mit Neils Hilfe wurde mein Jobverlust zu einer wertvollen Erfahrung, was Führung wirklich ausmacht. Auf einige Leser mögen diese Gedanken banal klingen - für mich sind sie außerordentlich wirkungsvoll in ihrer Einfachheit.

Erstens lernte ich, wie wichtig es ist, seinem Gegenüber in einem Gespräch volle Aufmerksamkeit entgegenzubringen und welcher Effekt damit zu erreichen ist.

Es geht darum, eine echte Verbindung zu diesem Menschen aufzubauen. Neils erste Worte an mich lauteten: "Wie kann ich helfen?" Während all unserer Treffen spürte ich, wie ernsthaft und intensiv er zuhörte. Er versuchte nicht, das Gespräch zu führen und hielt sich mit Werturteilen zurück. Sein Interesse beruhte auf dem ernsthaften Wunsch, zu verstehen und zu helfen. Neil war in jedem Moment völlig präsent, und das auf eine ehrliche und authentische Art und Weise.

Zu viele Führungskräfte sind so mit ihrer Arbeit beschäftigt, dass sie es verpassen, eine wirkliche Beziehung zu ihren Mitarbeitern aufzubauen. Ich stellte folgendes fest: Je mehr Aufmerksamkeit ich Menschen schenkte, desto aufmerksamer verhielten sie sich mir gegenüber. Auf diese Weise wurden unsere Arbeitsbeziehungen mit der Zeit immer produktiver.

Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Nötig ist ein gehöriges Maß an Konzentration, um die Gedanken nicht abschweifen oder den Blick auf die Uhr oder das Smartphone wandern zu lassen. Aber es ist entscheidend, um Menschen Wertschätzung zu zeigen - eine weitere Lektion, die ich von Neil lernte.

Er zeigte mir seine Wertschätzung mit seiner Zeit, seiner Aufmerksamkeit, seiner Kompetenz und seiner Energie. Er schlug mir vor, allen Menschen Wertschätzung entgegen zu bringen, mit denen ich im Laufe meines Lebens zu tun hatte. Er brachte mich dazu, über die Menschen nachzudenken, die mir im Laufe meines Lebens Aufmerksamkeit und Wertschätzung geschenkt hatten und stellte mich vor die Herausforderung, diesen Leuten ähnlicher zu werden. Ich sollte die Leute, mit denen ich lebte und arbeitete, auf die gleiche Weise behandeln.

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Unregistriert 26.04.2013

Jobverlust
Das besagte Netzwerk ist gut und wichtig solange die jeweilige Branche lebt. Nur schade, wenn wie in der Stromwirtschaft ein ganzer Zweig am Boden liegt und tausende von Stellen streicht.Dann hilft nur noch ein weitreichendes Netz, über Teile der Wirtschaft, aber wer hat das schon ? Auf jeden Fall teile ich die Meinung, das Aufmerksamkeit und Respekt eines der wichtigsten Führungs- werkzeuge sind, die es gibt !

Gudrun Happich 29.04.2013

Der Mensch im Mittelpunkt
Wertschätzung und Aufmerksamkeit vermitteln zu können, sind zentrale Führungsqualitäten, weil sie jene „Ressource“ in den Mittelpunkt, die viel zu lange zugunsten kurzfristiger Gewinn- und Ergebnisorientierung vernachlässigt wurde und noch immer wird: den Mensch. Toller Artikel!

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