Was Yahoo über Heimarbeit wissen sollte

Blog:

Von E. Glenn Dutcher
1. März 2013

Ungeliebtes Home-Office: Viele Manager wollen ihre Mitarbeiter lieber im Büro sehen
Corbis

Ungeliebtes Home-Office: Viele Manager wollen ihre Mitarbeiter lieber im Büro sehen

Ja, Unternehmen räumen ihren Beschäftigten gerne das geschätzte Recht ein, zuhause zu arbeiten. Aber kann jemand wirklich produktiv in einem Team mitarbeiten, wenn er in Pyjamas auf dem Sofa sitzt? Meine eigene Forschung zeigt, dass Manager nicht zu unrecht skeptisch sind: Gemischte Teams, deren Mitglieder sowohl außerhalb als auch im Büro arbeiten, leisten weniger als solche, bei denen alle am Arbeitsplatz zusammenkommen.

Doch worüber sich Yahoo und andere Unternehmen wahrscheinlich nicht im Klaren sind: Bei der Produktivität von gemischten Teams spielt die Wahrnehmung der Arbeitnehmer eine entscheidende Rolle. Meinen Untersuchungen zufolge ist es möglich, die Leistung solcher Gruppen aufrechtzuerhalten - allerdings müssen sie dafür richtig gemanagt werden. Damit meine ich nicht die Teamleitung an sich. Ich spreche von den Annahmen, von denen Führungskräfte ausgehen.

Lassen Sie mich zunächst ein wenig ausholen. Vor nicht allzu langer Zeit dachten viele, wir würden bald alle per Telearbeit unseren Jobs nachgehen. Studien hatten bewiesen, dass diese Form der Arbeit die Mitarbeiterzufriedenheit erhöht. Außerdem ermöglicht sie bessere Leistungen, da die Beschäftigten nicht mehr Störungen und Ablenkungen ausgesetzt sind.

Doch die Bewegung hat an Schwung verloren. Der Trend geht derzeit vielmehr zu gemeinsamen Arbeitsumgebungen, die die Zusammenarbeit fördern. Büros mit vielen kleinen, durch dünne Wände unterteilte Arbeitsecken haben ausgedient. Große, offene Räume sind im Kommen. Unternehmen wollen, dass ihre Mitarbeiter die neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit auch nutzen - und im Büro erscheinen. Das ist offenbar auch die neue Ansage bei Yahoo: Der Konzern will eigener Aussage zufolge die "Kommunikation und Kooperation" verbessern.

Aber müssen Manager dafür wirklich ihre Telearbeiter zurückbeordern? Keiner hat sich mit dieser Frage bisher wissenschaftlich beschäftigt.

Gemeinsam mit Krista Jabs Saral von der Webster University in Genf habe ich deshalb eine Reihe von Experimenten durchgeführt. Darin erlaubten wir den Teilnehmern, in einer büroähnlichen Laborumgebung oder an einem Ort ihrer Wahl zu arbeiten. Wir stellten dreiköpfige Teams zusammen und bezahlten sie nach ihrer Leistung. Ihre Aufgabe war es unter anderem, zufällige Buchstabenfolgen in vorgegebene Zahlen zu übersetzen. Wir fanden heraus, dass die individuelle Leistung am höchsten war in den Gruppen, bei denen sich alle Mitglieder im Büro aufhielten. Erweiterten wir das Team um einen Externen, strengten sich die Inhouse-Teilnehmer weniger an.

Und warum ließen sie in ihren Bemühungen nach, wenn ein Telearbeiter Teil ihrer Mannschaft wurde? Weil sie glaubten, dass das neue Mitglied weniger produktiv war. Nebenbei gesagt - das entsprach nicht der Wahrheit. Wir fanden keinen Beweis dafür, dass sich die Telearbeiter vor der Arbeit drückten.

Das bedeutet: Teams mit Mitgliedern, die sich nicht vor Ort befinden, benötigen eine besondere Führung. Sie würden davon profitieren, wenn alle wüssten, dass sich die Externen genauso hart anstrengen wie die Internen. Eine Aufgabe des Managements könnte es sein, Daten über die Produktivität der Telearbeiter zur Verfügung zu stellen. Unserer Forschung nach verschwindet der negative Effekt, wenn das gesamte Team weiß, dass alle harte Arbeit leisten.

Unternehmen müssen sich daher nicht in Debatten verstricken, ob sie ihren Mitarbeitern das Home-Office erlauben oder ob sie sie zur Anwesenheit im Büro zwingen sollten. Die Zusammenarbeit kann sowohl mit Inhouse-Beschäftigten als auch mit Heimarbeitern funktionieren. Das Management muss nur über die richtigen Fähigkeiten verfügen. Für Unternehmen sollte das eine gute Nachricht sein. In einer vorigen Untersuchung habe ich gezeigt, dass sich in manchen Fällen die eigene Wohnung, das Café oder die Bibliothek viel besser zum Arbeiten eignen als das Büro. Für bestimmte Arten der Kreativarbeit müssen Sie sich in Ihrem Lieblingsraum aufhalten, Ihre bevorzugte Musik hören oder in Ihrem alten Ohrensessel sitzen - mit Ihrer Katze auf dem Schoß. Keine andere Umgebung reicht dafür aus.

Und wenn es Zeit für die Zusammenarbeit ist, können Sie das Telefon in die Hand nehmen oder sich auf Skype anmelden, um Kontakt zu Ihren Kollegen aufzunehmen. Es ist alles eine Frage der richtigen Balance.

E. Glenn Dutcher ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Finanzwissenschaft an der Universität Innsbruck in Österreich.

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Kommentare
1
Wolfgang 01.03.2013

Kreativität?
Gelungener Artikel, der auch meine Ansicht untermauert, dass Freelancer oder Mitarbeiter von zu Hause oder einem anderen ort ihrer Wahl gute Ergebnisse liefern. Dies gilt aber meiner Meinung nach nur für Aufgaben, die abgearbeitet werden müssen. Wie sieht es aber nun mit der Kreativität aus. Oftmals entstehen Ideen nicht aus dem eigenen Kopf heraus, sondern sind Ergebnis von belanglosen Gesprächen mit Kollegen oder entstammen auch Brainstorming Sessions. Na gut, angekündigte Sessions kann man ja besuchen. Aber bei einer Anwesenheit in einem ansprechenden Arbeitsumfeld werden die Kommunikationswege verkürzt und es entstehen viel mehr Möglichkeiten sich über Probleme oder mögliche Innovationen auszutauschen, als man dies geplant bei einem Skype-call macht. Eine gute Sichtweise bietet hier auch folgender Artikel: http://www.reineansichtssache.at/home-office-sucks

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