Die schwierigste Aufgabe des Managers

Führung:

Von Ron Ashkenas
22. März 2013

Kündigungsgespräche: Einen Mitarbeiter zu entlassen, verunsichert auch alle anderen Teammitglieder
Corbis

Kündigungsgespräche: Einen Mitarbeiter zu entlassen, verunsichert auch alle anderen Teammitglieder

Es ist vielleicht die schwierigste Aufgabe überhaupt für Manager: Sie müssen einem Mitarbeiter mitteilen, dass er nicht länger im Unternehmen bleiben kann. Dass er entlassen ist, gekündigt, nicht mehr auf der Gehaltsliste steht.

Ein Kündigungsgespräch ist immer hochemotional. Schließlich wissen wir, wie sehr diese Wendung die Karriere, das Selbstvertrauen und sogar die Existenzgrundlage des Gekündigten in Frage stellt. Einen Mitarbeiter zu feuern bedeutet gleichzeitig auch, alle anderen Mitglieder des Teams zu verunsichern. Es verändert nicht nur die Aufgabenverteilung im Team. Ihre Mitarbeiter beginnen auch Ihr Urteilsvermögen als Führungskraft zu hinterfragen und fragen sich, wer wohl als nächstes dran ist.

Manager wissen um diese Problematik. Viele tendieren deshalb dazu, den Trennungsprozess nicht rational zu steuern, sondern sich von der Angst leiten zu lassen. Das macht die Situation jedoch noch schwieriger.

Ein Beispiel aus den USA: Ein Manager kam ohne Ankündigung in das Büro eines Mitarbeiters, einen Nachwuchs-Personaler im Schlepptau. Dem verdutzten Mitarbeiter erklärte er: "Sie sind gekündigt. Unser Personalbeauftragter wird Ihnen Ihre Fragen beantworten und Sie dann aus dem Gebäude hinaus begleiten." Der Manager flüchtete und ließ den geschockten Angestellten mit dem schlecht vorbereiteten Personaler allein. Beide starrten sich verwirrt an.

Was die Situation noch verschlimmerte: Nie zuvor hatte der Vorgesetzte gegenüber seinem Mitarbeiter Leistungsschwächen angesprochen, sondern ihm in den zurückliegenden sechs Monaten nur positive Rückmeldungen gegeben. Als Kündigungsgrund gab das Unternehmen aber nun ein "Mangel an Teamfähigkeit" an. Wegen der fristlosen Kündigung erhielt der Mitarbeiter keine Abfindung und die Gehaltszahlung wurde umgehend gestoppt.

Aus Sicht des Vorgesetzten taugte diese Vorgehensweise, um die eigene Angst vor der Situation zu umgehen. Er musste sich auf keine schwierigen Leistungsbeurteilungsgespräche einlassen und sein Handeln nicht rechtfertigen. Er vermied auf diese Weise einen möglichen emotionalen Ausbruch des Mitarbeiters und vorübergehende Einschnitte ins Budget.

Auf der anderen Seite zog sein Handeln aber möglicherweise ein langwieriges Gerichtsverfahren nach sich, mit potenziell höheren Kosten, als eine Abfindung verursacht hätte. Und als die Geschichte die Runde machte, verlor er mit großer Wahrscheinlichkeit den Rückhalt seines Teams.

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Kommentare
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Unregistriert 23.03.2013

Freie Markwirtschaft
"Als Kündigungsgrund gab das Unternehmen aber nun ein "Mangel an Teamfähigkeit" an. Wegen der fristlosen Kündigung [...]" Fristlose Kündigung wegen Mangel an Teamfähigkeit? Na, das versuchen sie mal in Deutschland :D

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