Sitzen ist das neue Rauchen

Selbstmanagement:

Von Nilofer Merchant
20. Februar 2013

Meeting: Raus in die Natur
Corbis

Meeting: Raus in die Natur

Mir geht es wahrscheinlich wie den meisten von Ihnen: Ich sitze viel zu lange vor dem Computer.

Wenn ich ein Meeting mit Kollegen habe, treffen wir uns typischerweise an einem Konferenztisch, in einer Flughafenlounge (wenn wir das Beste aus einem Zwischenstopp machen wollen) oder in einer Kaffeebar. All diese Orte haben etwas gemeinsam. Dabei meine ich nicht Tisch, Tastatur oder Kaffee, sondern - mit Verlaub - unser Hinterteil.

Während der Arbeit machen wir nichts länger, als sitzen. Im Schnitt nämlich 9,3 Stunden am Tag. Zum Vergleich: Im Schnitt verbringen wir 7,7 Stunden schlafend. Sitzen ist so verbreitet und so sehr mit modernen Arbeitsplätzen verbunden, dass wir kaum in Frage stellen, wie viel Zeit wir eigentlich sitzend verbringen. Und natürlich macht das so gut wie jeder. Deshalb kommt es uns normal vor und nicht falsch. Ich bin der Überzeugung: Sitzen ist das neue Rauchen.

Gesundheitsstudien zeigen, dass Menschen weniger lang sitzen, aktiver werden und sich bewegen sollten. Nach einer Stunde Sitzen sinkt die Produktion von Enzymen im Körper, die für die Fettverbrennung sorgen, um rund 90 Prozent. Ausgedehntes Sitzen verlangsamt unseren Stoffwechsel und verringert so zum Beispiel den Pegel von Lipoprotein hoher Dichte (auch HDL genannt, Anm.d.Red.), das überflüssiges Cholesterin zurück zur Leber transportiert. Studien zeigen, dass der Mangel an körperlicher Bewegung weltweit direkt für sechs Prozent der Herzerkrankungen, sieben Prozent der Diabetes-2-Erkrankungen und für zehn Prozent der Brust- oder Darmkrebserkrankungen verantwortlich ist. Weltweit sterben jedes Jahr rund 35 Millionen Menschen an den Folgen des Übergewichts - durch Rauchen sterben rund 3,5 Millionen Menschen jährlich.

Die New York Times berichtete über eine andere Studie, die im Jahr 2012 im Journal "Circulation" erschienen ist. Die Untersuchung bezog 9000 Australier ein und ergab, dass jede zusätzliche Stunde Fernsehkonsum im Sitzen am Tag das Risiko um 11 Prozent erhöht, früher als der Durchschnitt zu sterben. In diesem Artikel wurde ein Arzt mit den Worten zitiert, dass exzessives Sitzen eine tödliche Aktivität sei. "Exzessiv" definierte er dabei mit neun Stunden pro Tag.

Schon in den letzten Jahren haben wir erlebt, wie sich das Stehpult in vielen Büros verbreitet hat. Das war natürlich ein Schritt in die richtige Richtung. Zwar kommen wir so aus der Sitzposition, aber noch nicht zu richtigem Training.

Vor etwa vier Jahren setzte ich eine kleine Veränderung in die Tat um. Statt Meetings im Sitzen und mit Kaffee abzuhalten, trafen wir uns zu Wander-Meetings. Ich mochte dies so sehr, dass ich sie von nun an regelmäßig in meinen Kalender eintrug. In der Woche habe ich nun im Schnitt vier solcher Meetings, und komme so auf 30 bis 45 Kilometer in der Woche.

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