Der Sinn der Arbeit

Führung:

Von Teresa M. Amabile und Steven J. Kramer
22. Februar 2013

Corbis
"Das mit Abstand beste, was das Leben uns bietet, ist hart an etwas zu arbeiten, das einen Sinn hat."
Theodore Roosevelt, 7. September 1903

Roosevelts Behauptung anlässlich einer Rede zum Tag der Arbeit vor 109 Jahren klingt immer noch wahr; sinnvolle Arbeit kann das menschliche Leben sehr bereichern. Unsere eigene Forschung deutet darauf hin, dass Menschen ihren beruflichen Alltag viel positiver erleben, wenn sie Fortschritte bei einer Arbeit machen, die sie als bedeutsam empfinden. Aber was genau ist es, was Arbeit bedeutsam macht?

Manchmal ist das ganz offensichtlich. Wohl niemand würde bestreiten, dass der Versuch, Krankheiten zu heilen, eine lohnenswerte Arbeit darstellt. Dasselbe gilt für das Erfinden von Produkten, die das Leben von Menschen verbessern. Aber hat wirklich jede Tätigkeit einen tieferen Sinn? Bei unserer Forschung konzentrieren wir uns auf Wissensarbeiter - Menschen mit einer höheren Ausbildung, die kreativ arbeiten und komplexe Probleme lösen. Deshalb erreichen uns viele Fragen von Lesern: Inwiefern lassen sich unsere Ergebnisse auf Berufstätige in Service-Branchen oder beispielsweise auf das Handwerk übertragen? Wir sind davon überzeugt, dass sich unsere Erkenntnisse auch darauf anwenden lassen. Allerdings nur, wenn die Menschen das Gefühl haben, mit ihrer Tätigkeit einen Beitrag für etwas zu leisten oder jemandem zu helfen, das oder den sie schätzen.

Chip Conley, der Gründer der erfolgreichen Hotel-Kette "Joie de Vievre" beschreibt diesen Aspekt sehr eloquent in einem Vortrag für das Webportal TED. Conley erzählt von einer Putzkraft - einer Einwanderin aus Vietnam namens Vivian - ,die in dem ersten Hotel arbeitete, das Conley kaufte. Sie brachte es fertig, in ihrer Arbeit Vergnügen und Erfüllung zu finden. Wie ist das möglich bei einer Arbeit, zu der es gehört, die Betten von anderen Leuten zu machen und ihre Toiletten zu reinigen? Laut Conley fand Vivian große Befriedigung in der emotionalen Verbindung zu ihren Kollegen und den Hotelgästen. Es machte ihr Spaß, es Menschen möglichst angenehm zu machen, die weg von zu Hause waren. Schließlich wusste sie, was es hieß, fern der Heimat zu sein. Vivian hatte eine Arbeit gefunden, die es wert war, getan zu werden. Wie so viele ihrer Kollegen arbeitete sie sehr hart an ihrer Aufgabe.

Auch wir haben festgestellt, wie tieferer Sinn Arbeit attraktiv und lohnenswert machen kann, die auf den ersten Blick stumpfsinnig und eintönig wirken mag. Als Teresa zu ihrem jährlichen Bluttest musste, fiel ihr auf, wie glücklich die Person wirkte, die ihr Blut abnehmen sollte. Die Arzthelferin sagte, dass sie froh sei, heute sehr vielen Menschen Blut abzunehmen. Sie war keine Sadistin. "Die meisten Krankheiten werden durch einfache Bluttests erkannt", erklärte sie. Auf diese Weise könne sie vielen Menschen helfen.

Leider finden viel zu viele Menschen nicht die Arbeit, die sie erfüllt. Das Resultat: Sie sind wenig engagiert und weniger produktiv, als sie eigentlich sein könnten. Wenn Sie eine Führungskraft sind, können Sie zwei Dinge tun, um dies zu ändern. Sorgen Sie erstens dafür, dass die Arbeit, die Sie Ihren Mitarbeitern geben, tatsächlich einen Sinn für jemanden erfüllt oder einem Zweck dient, den ihre Mitarbeiter schätzen. Stellen Sie zweitens sicher, dass Ihre Mitarbeiter verstehen, wie sie durch ihre tägliche Arbeit dazu beitragen, dieses übergeordnete Ziel zu erreichen.

Adam Grant, Professor für Management an der Wharton School, führte eine Studie mit Angestellten in einem Callcenter durch, die Geld für Universitäts-Stipendien einwerben sollten. Diese Arbeit kann sehr frustrierend sein, denn nur die wenigsten der Telefongespräche führen tatsächlich zu einer Spende. Grant teilte die Angestellten in drei Gruppen ein. Die erste Gruppe hörte einen Vortrag eines Studenten, der erzählte, wie sehr ihm das Geld aus dem Stipendium geholfen hatte. Die zweite Gruppe erhielt Dankesbriefe von Studenten. Die dritte Gruppe hatte keinen Kontakt mit Studenten, die von den Spenden profitierten.

Das Ergebnis war erstaunlich: Nach einem Monat hatte die Gruppe, die den Studenten persönlich getroffen hatte, die Zahl ihrer Anrufe verdoppelt und den Betrag der Spenden verdreifacht. Bei den anderen beiden Gruppen war kein Unterschied feststellbar. Eine persönliche Verbindung mit einer Person herzustellen, die direkt durch ihre Arbeit profitierte, versetzte die Angestellten in die Lage, den wahren Wert ihrer Anstrengungen zu erkennen. Der direkte Kontakt verdeutlichte den Sinn der Arbeit und verband sie mit einem Gesicht.

Als Führungskraft sollten Sie kreativ sein und Wege finden, Ihren Mitarbeitern die Auswirkungen ihrer Anstrengungen auf andere Menschen deutlich zu machen. Zeigen Sie ihnen, warum ihre Arbeit einen tieferen Sinn hat.

Zu den Autoren

Teresa Amabile ist Edsel Bryant Ford Professorin für Betriebs-wirtschaft an der Harvard Business School. Sie erforscht, was Menschen kreativ, produktiv, glücklich und motiviert bei der Arbeit macht.
Steven J. Kramer ist Psychologe und unabhängiger Forscher.
Beide sind Mitverfasser von "The Progress Principle" (Harvard Business Review Press, 2011).

Artikel
Kommentare
2
Unregistriert 24.02.2013

Hohle Wirtschaft
Um die Sache in die Gegenwart zu komplizieren.. Was machst Du, wenn Du weisst, dass deine Arbeit ansich sinnlos ist, weil Du erkannt hast, das sie nur der Wirtschaft hilft und dir kaum Geld um damit vorwärts zu kommen..? So gehts glaube ich den meisten Leuten, die in Deutschland täglich nach dem Sinn ihrer Arbeit fragen..

Unregistriert 20.03.2013

bezugnehmend auf Beitrag vom 24.02.13 01:05
sehr gute Frage, die ich unterstreiche! Ich erwarte sehnsüchtig eine Antwort des HBM ...!

Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© Harvard Business Manager 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Folgt uns auf Facebook
Nach oben