Wie gute Vorsätze Wirklichkeit werden

Selbstmanagement:

Von Tony Schwartz
25. Januar 2013

Energierituale: Jeder Fortschritt motiviert, weiterzumachen
Corbis

Energierituale: Jeder Fortschritt motiviert, weiterzumachen

Wieder hat ein Jahr begonnen und es ist Zeit, einige Dinge in Ihrem Leben zu verändern. Aus langjähriger Erfahrung wissen Sie aber nur zu genau, dass gute Vorsätze für das neue Jahr nicht lange halten. Wie können Sie diesen Kreislauf durchbrechen?

Die Antwort liegt in so genannten Energieritualen - also Übungen oder Verhaltensweisen, die Sie täglich oder an einem bestimmten Tag in der Woche immer zur gleichen Uhrzeit ausführen. Indem Sie einen festen Zeitpunkt für diese Routine reservieren, verschwenden Sie keine Kraft darauf nachzudenken, wann Sie die Aufgabe erfüllen können. Unsere Willenskraft ist eine endliche und extrem beschränkte Ressource. Ziel sollte es daher sein, so wenig wie möglich davon zu verbrauchen, indem wir so viele Dinge wie möglich automatisch erledigen.

Ihr persönliches Energieritual sollte Ihnen zudem wenig abverlangen. Zu anspruchsvolle Rituale führen dazu, Ausflüchte zu suchen oder das Vorhaben völlig aufzugeben.

Bis vor kurzem war meine jüngere, 27-jährige Tochter Emily, Mitarbeiterin der Beratung The Energy Project, ein unverbesserlicher Sportmuffel. Sie hasste körperliche Bewegung. Im Laufe des Sommers verbrachte sie viel Zeit mit ihrer Nachbarin, einer überzeugten Joggerin. Eines Tages schlug ihr die Nachbarin vor, doch einmal zusammen laufen zu gehen.

Das Angebot schreckte meine Tochter ab, aber gleichzeitig wollte sie ihre neue Bekannte nicht vor den Kopf stoßen. Also startete Emily mit ihr ein Fitnesstraining mit dem Titel "Von der Couch auf fünf Kilometer". Das Übungsprogramm beginnt sanft, aber spornt an, das Ziel zu erreichen. Dabei nimmt es den Teilnehmern das Gefühl, dass sie eine unangenehme Pflichtaufgabe auf unbestimmte Zeit stur wiederholen müssen.

Dreimal pro Woche zur Mittagszeit legten sie los: eine Minute Joggen im Wechsel mit eineinhalb Minuten Gehen - das Ganze für insgesamt 20 Minuten. Das war sogar für Emily machbar. In der dritten Woche joggten sie drei Minuten gefolgt von eineinhalb Minuten Gehen. Es kostet weniger Überwindung, ein Versprechen zu brechen, das man sich selbst gegeben hat, als jemand anderen im Stich zu lassen.

Der Fortschritt stellte sich langsam und schrittweise ein. Das Joggen kostete sie immer noch Mühe, und wenn von ihr verlangt worden wäre, schneller zu laufen oder die Übung mehr als dreimal pro Woche zu machen, hätte sie aufgegeben - dessen war sie sicher.

Nach neun Wochen fühlte sich Emily fit für ihren ersten Fünf-Kilometer-Wettkampf. Wir liefen gemeinsam. Sie brauchte 38 Minuten und fühlte sich erschöpft, aber voller Freude. Acht Wochen später lief sie alleine einen zweiten Fünf-Kilometer-Wettkampf und kam nach 31 Minuten ins Ziel.

Heute, gerade einmal 28 Wochen nachdem sie mit dem Training begonnen hat, läuft sie täglich etwa fünf Kilometer, an manchen Tagen sogar knapp zehn Kilometer. Für eine Meile (rund 1,6 Kilometer, Anm.d.Red.) braucht sie weniger als neun Minuten - verglichen mit fast 13 Minuten, die sie während ihres ersten Wettkampfs für die gleiche Distanz benötigt hat.

Einen Monat nach dem Start des regelmäßigen Trainings hatte Emily zusätzlich ein Energieritual rund um das Essen eingeführt. Als sie sich dank der Bewegung besser fühlte, fragte sie sich, warum sie nicht auch darauf achten sollte, sich gesünder zu ernähren. Anstatt bestimmten Speisen zu widerstehen, überlegte sie sich, welche wertvollen Lebensmittel sie wann essen würde. Zur Unterstützung griff sie auf das Internetprogramm und die Smartphone-App "MyFitnessPal" zurück, mit deren Hilfe sie ihren Lebensmittelkonsum protokollierte. In drei Monaten hat sie rund 12 Kilogramm abgenommen. Das Training ist ihr wie das tägliche Zähneputzen in Fleisch und Blut übergegangen. Trainiert Emily regelmäßig, fühlt sie sich gut. Fällt das Training aus, sinkt ihr Wohlbefinden - so sehr, dass sie nur ungern darauf verzichtet. Es ist der ultimative Beweis, dass das Energieritual greift.

Wenn Sie kurz davor sind aufzugeben oder wenn es Ihnen sehr schwer fällt, an Ihren Vorsätzen festzuhalten, dann reduzieren Sie die Intensität Ihrer Aufgaben. Aber bleiben Sie dran. Jedes Energieritual wird Ihnen helfen. Wiederholung, selbst in kleinsten Schritten, erhöht Ihre Belastbarkeit. Jeder Ihrer Fortschritte motiviert Sie, weiterzumachen.

Zum Autor
Tony Schwartz ist Präsident und CEO von The Energy Project und der Autor des Buches Be Excellent at Anything. Werden Sie ein Fan von The Energy Project auf Facebook und folgen Sie ihm auf Twitter.com/TonySchwartz und Twitter.com/Energy_Project.

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