Welche Entscheidungen Manager am häufigsten bereuen

1. Februar 2013

2. Teil: Ungenutzte Chancen

3. "Ich wünschte, ich hätte den Mut, mein eigenes Unternehmen zu gründen."
Mit einer besseren finanziellen Situation stieg bei meinen Gesprächspartnern der Wunsch, wieder mehr Kontrolle über ihr Leben zu haben. Was wäre daraus eigentlich die logische Konsequenz? Selbst zum Unternehmer zu werden, anstatt Angestellter zu bleiben. Aber der Leidensdruck ist scheinbar nicht groß genug. In einer aktuellen Studie wünschten sich 70 Prozent der befragten Angestellten, dass ihr aktueller Job ihnen dabei helfen würde, später ein eigenes Unternehmen zu gründen. Aber nur 15 Prozent glaubten, dass sie für eine tatsächliche Gründung über die dazu notwendigen Eigenschaften verfügen. Sogar CEOs großer Konzerne träumen von mehr unternehmerischer Freiheit. Einer gab im Gespräch zu: "Ich bereue, dass ich ein Möchtegern-Entrepreneur bin. Ich musste mich nie beweisen und ein Unternehmen vom Start weg aufbauen."

4. "Ich wünschte, ich hätte meine Zeit an der Universität besser genutzt."
Trotz der aktuellen Debatte in den USA um Studiengebühren glauben immer noch rund 86 Prozent der Studenten, dass die Hochschulausbildung eine lohnende Investition ist. Diese Haltung spiegelt sich auch in der stetig steigenden Popularität der Universitäten: Als wir an unserem Buch "Passion and Purpose" arbeiteten, fanden wir heraus, dass 54 Prozent der "Millennials" (die Bevölkerung, deren Mitglieder um das Jahr 2000 herum zu den Teenagern zählten, wird auch als Generation Y bezeichnet, Anm.d.Red) über einen Studienabschluss verfügten. Im Vergleich dazu hatten nur 36 Prozent der "Babyboomer" (Bezeichnung in den USA für die Generation, die nach dem zweiten Weltkrieg bis zum Jahr 1964 geboren wurde, Anm.d.Red). einen Abschluss. Obwohl mehr junge Menschen auf die Universitäten strömen, wünschten viele der Befragten, sie hätten ihre Unijahre besser genutzt, um danach einen wirklich befriedigenden Job zu finden. Eine Biologin erinnert sich an ihre Unizeit, die sie in einem irrwitzigen Tempo hinter sich brachte - um später festzustellen, dass es die besten und freiesten Jahre ihres Lebens gewesen waren. Nach der Familiengründung und der Aufnahme einer Hypothek für eine Immobilie schaffen es viele nicht, sich genug Freiraum zu schaffen, um an die Universität zurückzukehren und ihrer Karriere so einen neuen Impuls zu geben.

5. "Ich wünschte, ich hätte bei meiner Karriere mehr auf mein Bauchgefühl gehört."
Viele der Befragten erinnerten sich an ungenutzte Gelegenheiten in ihrer Karriere. Einer der Gesprächspartner beschrieb diese als "Jetzt oder Nie"-Situationen. Im Jahr 2005 erhielt ein Investmentbanker das Angebot, ein kleines Team im (heute) schnell wachsenden Südamerika zu leiten. Zwar spürte er, dass dies eine gute Gelegenheit für einen Karrieresprung sein könnte. Trotzdem sagte er ab. Zu seinem Entsetzen wurde derjenige, der mutig genug gewesen war das Angebot anzunehmen, zum Auslandschef befördert und schließlich später sogar CEO des Unternehmens. Aktuelle Theorien in der Psychologie zeigen, wie wichtig es ist, diese manchmal unberechenbaren aber potenziell chancenreichen Schicksalsmomente zu erkennen und zu nutzen, um der eigenen Karriere einen Schub zu geben.

Sie sollten diese Gefühle, in Ihrer Karriere etwas versäumt zu haben, nicht unterdrücken. Studien zeigen, dass Reue ein mächtiger Katalysator für Wandel sein kann, viel stärker als kurzfristige emotionale Krisen. Der berühmte Psychologe Dr. Neal Roese sagte kürzlich: "Alles in allem ist Reue ein hilfreiches Gefühl". Es kann sogar inspirierend sein. Aber das bedeutet, dass wir unsere Enttäuschungen artikulieren und zelebrieren müssen. Wir müssen verstehen, dass es eine Fähigkeit ist, Reue intensiv zu durchleben und daraus zu lernen: Es geht darum, die richtigen Schlüsse für unseren künftigen Erfolg zu ziehen.

Zur Person
Daniel Gulati ist Unternehmensgründer in New York und Co-Autor des Buches "Passion and Purpose: Stories from the Best and Brightest Young Business Leaders". Folgen Sie ihm auf Twitter bei @danielgulati.

Artikel
Kommentare
3
Christoph Burger 01.02.2013

Mehr Selbstbestimmung
Interessant: Auch hier geht es wieder darum, mehr sein eigenes Leben zu leben. Mehr Selbstbestimmung. Wer davon zu wenig hatte, bereut es. Danke für diesen Artikel. Christoph Burger

Carsten Milz 04.02.2013

Selbstmanagement frage Dich selber
Dies ist ein sehr schöner Artikel, den ich gerne mit meiner Erfahrung kommentiere. Der Größte Fehler in meiner Karriere, war es mich für Geld zu verkaufen. Diesen Fehler habe ich in jungen Jahren erkennen können und konnte zum Glück noch im richtigen Moment das Rad zurückdrehen. Ein jeder der ein Rückrad hat sollte sich klar sein, wer er ist, wo er hin will und wo er seine persönlichen Grenzen setzt. Wenn man sich diese Fragen beantworten kann ist alles sehr einfach. Man muss täglich Entscheidungen treffen. Es ist aus meiner Sicht besser 10 x zu entscheiden als nichts zu entscheiden oder zu zaudern. Klar ist, dass dabei Fehler passieren. Jeder kennt den Satz "wer nichts tut, macht keine Fehler" Um auf den Punkt zu kommen hier die Fragen an sich selbst: Habe ich Kraft und Kapital ? Habe ich Ideen in meinem Bereich USPs (Alleinstellungsmerkmale) zu kreieren? Habe ich das nötige Bauchgefühl um im richtigen Moment und am richtigen Ort die richtige Entscheidung zu treffen und auf die richtigen Menschen zu setzen ? Also was heisst dann Fehlentscheidungen. Glauben Sie, dass Sie ohne Fehlentscheidungen, jemals lernen würden die richtigen Entscheidungen zu treffen ? Nein ! Die Frage ist nur, in welchem Verhältnis stehen die Fehlentscheidungen zu den richtigen Entscheidungen. Da kommt das Bauchgefühl zum tragen, vielen fehlt einfach nur der Mut ! Dann kommt die Frage, setze ich die Kraft für andere oder für mich selbst ein? Am Ende ist das nicht entscheidend, wichtig dabei ist nur, nie zu vergessen, dass ich als Selbstständiger mein ganzes schönes Geld einsetze und riskiere, oder eben als Angestellter das Geld "anderer" einsetze. Das sollte keinen Unterscheid machen in der Sache oder Einstellung. Mit der Antwort auf die persönlichen Grenzen, ist dann alles getan. Damit entscheidet sich ob man im "mittleren" oder "oberen" Management landet. Das allerwichtigste bei der "Aufgabe" -wie auch immer sie aussieht- ist es L e i d e n s c h a f t für seine Produkte oder Leistungen zu haben und die Menschen mit denen man arbeitet, egal ob Kunde, Kollege oder Mitarbeiter, auf diesem Weg mit zu nehmen ! Carsten Milz Unternehmensberater, Kerpen carstenmilz@hcmsconsulting.de

Gerlach-Horst@web.de 21.05.2013

Nach der Ausbildung/Studium stellt sich für jeden die Frage, was er machen möchte, was er gut kann, wo er in 5 oder 10 Jahren stehen will. Grundsätzlich wäre es für jeden, der diese Entscheidungen treffen muss, wichtig, sich eine Lebensplanung für sein Berufs- und sein Privatkeben zu erstellen. Dazu gehört auch eine realistische Stärken- und Schwächenanalyse. Auf dieser Basis kann sich jeder eine Lebrenslinie basteln, an der er sich "entlang hangeln" kann, ohne sich stur daran zu klammern. auch zu Beginn nicht das große Geld zu verdienen ist, mit dem Spass an der Arbeit, mit den eigenen gesammelten Erfahrungen steigt das Einkommen automatisch, weil das Selbstwertgefühl dann die Sicherheit gibt, gute Entscheidungen zu treffen. ich bin mir sicher, das "große Geld" kommt dann schon. Etwas Geduld ist jedoch erforderlich. Also: viel Erfolg!

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