Wenn Sie der nächste Steve Jobs wären...

Motivation:

Von Umair Haque
27. Dezember 2012

Lassen Sie mich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen.

Jeder Autor wird Ihnen bestätigen: Am wichtigsten ist es, ein gutes Café zu finden. Als ich also mit meinem Laptop in einem meiner Lieblings-Cafés in London saß - im Kaffeine, wo es den wohl besten Kaffee gibt, den ich je getrunken habe - passierte etwas auf den ersten Blick Unspektakuläres. Tatsächlich aber war es mehr als bemerkenswert.

Sind Sie der nächste Steve Jobs?
Corbis

Sind Sie der nächste Steve Jobs?

Nach einigen Tagen hatte James, der Barista, bemerkt dass ich stets in das Café kam, einen Cafe Latte bestellte, wie ein Besessener an meinem Laptop schrieb, manchmal eine Stunde lang ohne aufzuschauen - aber dass ich nie meinem Kaffee austrank. Eines Tages fragte er mich, warum. Ich erklärte ihm, dass ich mit einem Espresso nicht schreiben könne. Paradoxerweise brauchte ich aber eine kleine Menge davon, um überhaupt zu beginnen. James Reaktion bestand darin, eine neue Kaffee-Spezialität in die Karte aufzunehmen: einen Mini-Café Latte, den er mit einem Augenzwinkern "Umair" benannte - also nach mir.
Zum Autor
Umair Haque ist Direktor des Havas Media Labs und Autor des Buchs "Betterness: Economics for Humans and The New Capitalist Manifesto: Building a Disruptively Better Business." Er gehört zu den einflussreichsten Management-Vordenkern. Haque twittert regelmäßig.

Das mag absolut trivial klingen. Aber stellen Sie sich selbst einmal die Frage: Wie oft ist Ihnen so etwas schon einmal passiert? Trotz der Unsummen, die in "Service", "Kreativität", "Innovation", "Motivation", "Führung" und andere fantastische Schlagwörter und magische Beschwörungsformeln investiert werden? Irgendwo? Irgendwann? Ok, vielleicht schon einmal in einer exzellenten Bar. Abgesehen davon wette ich, wird die Antwort wahrscheinlich "nirgendwo" und "noch nie" sein.

Stellen Sie sich für einen Moment vor, Sie (ja, genau Sie!) wären der nächste Steve Jobs: Welche Probleme würden Sie versuchen zu lösen? Ich wette, es würde nicht um Größenvorteile gehen (in diesem Fall müssen Sie nur bei Foxconn, dem taiwanischen Elektronik-Massenhersteller anrufen), oder Effizienz (fragen Sie mal bei den Beratern von Foxconn nach), kurzfristige Profitabilität (richtig: Ihr Ansprechpartner sind die Bankiers der Berater von Foxconn) oder "Wachstum" (Sie ahnen es: in diesem Fall empfehle ich Ihnen einen Anruf bei den Lobbyisten der Banker der Berater von Foxconn). Dies alles sind die Probleme von gestern - und das Entscheidende ist: Heute wissen wir ziemlich gut, wie sie zu lösen sind.

Egal ob Sie ein arbeitswütiger Manager, ein nachdenklicher Ökonom, ein Profi-Fußballer oder ein erfolgloser Künstler sind - die nicht zu widerlegenden Fakten sehen so aus: Sie erreichen nichts, wenn Sie die Probleme von gestern lösen.

Vielmehr sollten Sie Institutionen, Unternehmen und Organisationen gründen, die sich mit den folgenden Dingen auseinandersetzen.

Singularität

Massenproduktion ist ein gelöstes Problem. Wir können heute Dinge in einem enorm großen Maßstab erledigen - wenn Sie unter erledigen zum Beispiel verstehen, Produkte millionenfach vom Band laufen zu lassen. Wir haben keine Ahnung vom Gegenteil: Ein Unternehmen oder eine andere Institution so arbeiten zu lassen, dass sie dem Individuum gerecht wird. Auf eine solche Weise, dass sie für das menschliche Leben tatsächlich einen Unterschied machen kann. Unternehmen, die wirklich wichtig für das menschliche Leben sein wollen, müssen die Gleichmacherei überwinden und sich auf das Individuum einstellen. Denn das Leben von Individuen ist einzigartig.

Starbucks passt zwar den Kaffee an Ihre Vorlieben an, aber nur im Rahmen der vorgegebenen Variationsmöglichkeiten. Das ist also gewissermaßen dasselbe Auto, nur in einer anderen Farbe. Was James für mich kreierte war dagegen ein Kaffee, der mit großen Geschick und Expertentum dazu entwickelt wurde, um eine kleine, aber dennoch ganz reale Veränderung in meinem Leben zu bewirken, und das sofort. Das ist für mich Singularität, die Konzentration auf den Einzelfall.

Artikel
Kommentare
2
debonoo 27.12.2012

genial + notwendig + gesund
Dieser Artikel stellt so ziemlich alles in Frage, was bisher im Fokus stand. Er stellt einen Ansatz zur allgemeinen Gesundung und Humanisierung dar.. Wenn da bloß nicht der Mensch, mit all seinen Schwächen wäre...

Galgenstein 01.01.2013

Blick nach aussen richten
Wollte man die Wirtschaftswelt konsequent verändern, so müssten nicht nur die Marketingabteilung, sondern alle Mitarbeiter lernen ihre Tätigkeit als Tätigkeit im Sinne des Kunden zu verstehen. Interne Abläufe haben eine gewisse Tendenz den Mitarbeiter systematisch vom Kunde abzuschotten, so sehr dieser auch in den Predigten des Vorstands als der eigentliche Zweck des Unternehmens beschworen werden mag. Für einen Servicemitarbeiter fällt dieser Perspektivwechsel vergleichsweise einfach. Geht man in die Abteilungen, wird es schon sehr viel schwieriger. Den Gesetzen vorhandener Vorschriften Genüge zu leisten, scheint erscheint dann meist wesentlich, nicht die Wertschöpfungsschritt, den man für den Kunden vollzieht. Niemand hat Kundennutzen verinnerlicht, der den Kunden im Regen stehen lässt, wenn es darauf ankommt, dessen Bedürfnissen gerecht zu werden. Aber dieser Kunde ist es, der das Gehalt bezahlt. Der Chef sammelt es nur ein. Der eine mehr, der andere weniger. Letztlich ist jeder im Unternehmen dem Kunden und nicht der Organisation in seiner Tätigkeit verpflichtet.

Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© Harvard Business Manager 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Aktuelles Heft
Titelbild
ANZEIGE
Unsere Bestseller
  • HBM 9/2012
    Schwerpunkt
    So funktioniert moderner Vertrieb

    Zum Heft
  • HBM 12/2012
    Change Management
    In Zeiten schnellen Wandels

    Zum Heft
  • HBM 5/2013
    Geschickter verhandeln
    Wie Sie Emotionen klug einsetzen und auch in komplexen Situationen gute Ergebnisse erzielen

    Zum Heft
Folgt uns auf Facebook
Nach oben