Das Ende des Mittelmaßes

19. Dezember 2012

2. Teil: Mittelmäßigkeit ist ein Kostenfaktor

Ich wüsste, auf wen ich mein Geld setzen würde. Jack Welch war kein Idiot.

Natürlich ist die Praxis komplexer. Es trifft natürlich viel häufiger zu, dass die 20 oder 25 Prozent der besten Mitarbeiter eines Unternehmens ein potentielles Wachstum von 20 bis 50 Prozent oder noch mehr generieren. Insgesamt muss das Unternehmen aber kämpfen, um überhaupt zweistellige Wachstumsraten zu erreichen. Ungleichheiten innerhalb des Unternehmens sind, was die Wachstumsfähigkeit betrifft, eine Belastung für so gut wie jedes Unternehmen, das ich kenne. Pioniere wie Mark Zuckerberg (Facebook-Gründer), Mark Andreessen (Mitgründer von Netscape und heute Mitglied des Vorstands von Facebook) oder Larry Page und Sergey Brin (Gründer von Google) haben diese Ungleichheiten berücksichtigt, als sie ihre Unternehmen aufbauten.

Unternehmen mit einer etwas homogeneren Verteilung der Wertschöpfung innerhalb der Mitarbeiterschaft - zum Beispiel, wenn 40 Prozent der Mitarbeiter 60 Prozent der Wertschöpfung generieren - sehen sich weniger konfliktreichen Investitionsentscheidungen in das Humankapital gegenüber. Dennoch werden solche Unternehmen immer noch die bestmöglichen Leute einstellen wollen, aber die damit einhergehenden ökonomischen Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten besser verstehen und anerkennen.

Es hat wahrscheinlich selten schlechtere Zeiten für mittelmäßige Mitarbeiter gegeben. Für die meisten Unternehmen heutzutage ist Mittelmäßigkeit ein Kostenfaktor, den sie managen müssen. Es ist eine Last und kein Potenzial, in das es sich zu investieren lohnen würde. Wenn ein App-Entwickler, ein Online-Anbieter oder andere Dienstleister 80 Prozent der typischen Leistung zu 35 bis 60 Prozent der Kosten erbringen könnten, warum sollten sie dann überhaupt Kosten für durchschnittliche Mitarbeiter aufwenden? Derzeit kann sich kaum ein Unternehmen leisten, hohe Löhne für Durchschnitt zu zahlen.

Die größte Herausforderung für Unternehmen wird künftig nicht darin bestehen, wie sie die besten Mitarbeiter zu noch mehr Leistung anspornen können. Entscheidend ist die Frage, ob es gelingt, durch zielgenaue Investitionen etwas zurückhängende Mitarbeiter kosteneffizient in den Bereich der besten 20 Prozent zu hieven. Wird darin künftig die wahre Qualität von Führungskräften bestehen? Oder wird der Durchschnitt weiter an Bedeutung verlieren und schließlich irrelevant für die Wertschöpfung sein?

Lohnt sich die Investition in schwache Mitarbeiter tatsächlich nicht? Diskutieren Sie mit!

Zum Autor
Michael Schrage, ein Research Fellow am Center for Digital Business der MIT Sloan School, ist Autor der Bücher "Serious Play"(HBR Press), "Who do you want your customers to become?" (HBR Press) und "The Innovator’s Hypothesis" (MIT Press).

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P. Roth 19.12.2012

Die andere Seite der Medaille
Es gibt zwei Aspekte derer sich Unternehmen stets bewusst sein sollten: Erstens wird um eben diese High Potencials auf dem Arbeitsmarkt mit allen Mitteln gekämpft. Zweitens leben und arbeiten auch die High Potentials nicht bis zum bitteren Ende. Heisst, dass Unternehmen darauf angewiesen sind - und in Zukunft noch stärker sein werden - eine konsistente und realisierbare Laufbahn- und Nachfolgeplanung zu pflegen. Um vor allem letztere zu gewährleisten dürfen Unternehmen einfach nicht über die Mittel-Manager hinwegsehen, sondern müssen diese gezielt mitfördern, was auch für alle anderen Mitarbeiter gilt. Kurz gesagt: Wie lohnend ist es seine Investitionen nur in einen 20 Jahre alten C180 zu stecken, ohne nebenbei Rücklagen für eine neue E-Klasse zu bilden für den Fall, dass die C-Klasse auf absehbare Zeit nur noch Museumstauglichkeit haben wird?

proffrans 20.12.2012

Sie sind dran !
Vielen Dank fuer Ihren Artikel. Das Ende des Mittelmasses ist die Tatsache, die fuer uns alle tiefgreifende Konsequenzen hat. Genauso wie die Unternehmen, die jetzt nach ihren Top-Leistungen suchen müssen, müssten wir: Sie und ich dasselbe tun. Das Internet transformiert uns in die Projektleiter unserer eigenen Laufbahn. Selbststeuerung und Sie sind dran! Wie Unternehmen an der eigenen Profilentwicklung arbeiten müssen, um gesehen zu werden, gilt es in zunehmendem Maße auch für Sie und mich. Die Herausforderung wird, um aus eigener Kraft Verbindungen mit den Gleichgesinnten zu suchen und einzugehen, um zusammen einen Standpunkt deutlich zu machen. Dabei kann man immer weniger Monate oder Jahre im Voraus denken. Sie sollten in Wochen, Tagen, und in manchmal sogar in Sekunden denken, sowie den Mut haben, um Farbe zu bekennen und Entscheidungen zu treffen. Eine gute Nachricht ist, dass das Internet Ihnen eine Perspektive für das maßgeschneiderte Leben bietet. Keine vorgezeichneten Wege mehr sondern Ihre eigene Kreation in Verbindung und in Einklang mit der eigenen Persönlichkeit. Sie, und nicht mehr Ihr Vorgesetzter kreieren Ihre eigene Perspektive als Dirigent eigener Talente. Die Kehrseite der Münze ist, dass Sie sicher was im Angebot haben müssen. Sie brauchen vor allem deutliche Einsichten in eigenes Angebot und eigene Talente und mit dem Fokus darauf muss dann agiert werden. „Schuster, bleib bei deinem Leisten“- ist noch nie so aktuell wie heute gewesen. Es gibt z.B. für eine Hochschulproramm rund das Thema Konsequenzen des Internets und der der digitalen Welt oder Interneteinfluss auf das Wirtschafsleben sicher wichtige und aktuelle Elemente. Nicht nur Technik, Marketing, E-Learning Tools und Webdesign gehören ins Programm. Sondern auch Kommunikation, Kommunikation und noch einmal Kommunikation. Das Internet zwingt Unternehmen, Individuen und auch Studenten, wie ich bereits erwähnt habe, Einsichten in die eigenen Kapazitäten zu haben und selbst eigener Entwicklung Form zu geben. Durch zusammen etwas Großes und Bedeutungsvolles zu bauen, wobei jeder seine/ihre eigenen Stärken in vollem Maße einsetzen kann. Weg mit der unnötigen Komplexität und dem geldschluckenden Unwillen um zusammenzuarbeiten, wofür die Unternehmen am Ende den doppelten Preis bezahlen müssen. Das ist dagegen die Welt von Fokus, Durchsetzungsvermögen, Führung und Zusammenarbeit. In diesem Sinne ist die Behauptung, dass das Internet die Gesellschaft immer mehr individualisiert doch nicht rechtfertigt, und es könnte doch einen Ansporn zur Humanisierung der Unternehmen mitbringen. Im Mittelpunkt steht Verbindung von Vision und Unternehmertum, angetrieben von ökonomische Motiven. Wer sich nicht bewegt, will nichts bewegen, wie es in einem Zitat formuliert ist. Prof. Frans van der Reep Niederlande

Dr. Martin Bartonitz 29.12.2012

Human Kapital und 80% Abgehängte
Mein erster Impuls beim Lesen war: "Schon wieder so ein Artikel, wo der Mensch nur als Nummer im Geld- und Profitsystem gesehen wird, als Ressource, eben menschliches Kapital. Und nicht als Mensch mit einer Seele, Gefühlen und Wünschen. Der zu Hochform aufläuft, wenn er im Flow ist. Beim zweiten Hinlesen sind allerdings feine Nuancen herauszulesen. Die erfolgreicheren Manager wären jene, die in der Lage sind, ihre Mitarbeiter zu befähigen. Also sind es eher Leader als Motivierer (siehe X-Y-Theorie). Und wer besser in der Lage ist, unsere laut der Gallup-Studien über 80% emotional abgehängten Menschen wieder zu mehr Lust und Freude an ihrer Arbeit zu führen, der sollte doch unbedingt eher gefördert werden. Denn hier hat es einen definitiv größeren Hebel. Denn diese Leader geben die notwendigen Freiräume und stimmen mit den Mitarbeitern die anliegenden Herausforderungen ab. Solcherart Sinn-gekoppelter Menschen haben das Warum verstanden und sehen Arbeit dann als wichtigen Teil ihres Lebens an und nicht als milde Krankheit, wie es Prof. Frietjhof Bergmann gerne formuliert. Wir von der "initiative WirtschaftsDemokratie" wollen die Idee der "Freude bei der Arbeit" fördern. Denn hierbei haben alle Stakeholder etwas von. Weniger Krankenstand, mehr Kreativität und Innovation. Mehr Wirtschaftlichkeit eben. Oder? Viele Grüße, Martin Bartonitz http://wirdemo.wordpress.com

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