Wie Sie Ihre Körpersprache in den Griff bekommen

Selbstmanagement:

Von Charalambos A. Vlachoutsicos
7. November 2012

Neben unserer Wortwahl, Lautstärke und Tonalität der Stimme übertragen auch Gesten, unsere Haltung und Mimik starke Signale an unsere Gesprächspartner.

Das ist auch der Grund, warum so gut wie jeder auf die Körpersprache seines Gegenübers genau achtet. Darüber hinaus weisen einige Studien darauf hin, dass unsere Körpersprache einen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt hat, was sich wiederum auf unsere Entscheidungen und unsere Risikoaffinität auswirkt. Wie wir mit anderen sprechen, ist mindestens genauso wichtig wie das, was wir sagen.

Körpersprache: Wie wir mit anderen sprechen, ist mindestens so wichtig wie das, was wir sagen
Corbis

Körpersprache: Wie wir mit anderen sprechen, ist mindestens so wichtig wie das, was wir sagen

Wir geben uns höchste Mühe, die Körpersprache von anderen Menschen zu entschlüsseln. Erstaunlicherweise sind wir aber sehr unsicher, was unsere eigene angeht. Das liegt vor allem daran, dass das Wissen über unser wahres Selbst uns nicht in den Schoß fällt. Die meisten von uns sind nicht die, für die wir uns halten. Wir müssen deshalb unser Selbstbild in Frage stellen, das nur allzu oft eine idealisierte Version unserer Persönlichkeit ist.

Im Laufe meiner langen Karriere habe ich gelernt, dass der beste Weg zu mehr Sensibilität sich selbst gegenüber und den Folgen des eigenen unbewußten Verhaltens darin besteht, die Ursachen für schlechte Körpersprache zu klären. Bevor Sie in ein Meeting gehen sollten Sie sich die folgende Checkliste zur Angewohnheit machen:

  • Wann habe ich zuletzt etwas gegessen? Das körperliche Wohlbefinden hat einen starken Einfluss auf unseren Gefühlshaushalt und unsere Körpersprache, auf die Kollegen und Mitarbeiter im Meeting intensiv achten werden. Gehen Sie nicht in eine Sitzung, wenn Sie vorher stundenlang nichts gegessen haben. Genauso sollten Sie nicht in das Meeting gehen mit dem Gefühl, auf die Toilette zu müssen. Und seien Sie vorsichtig mit der Tasse Kaffee unmittelbar vor Beginn des Meetings.
  • Gibt es Spannungen mit jemandem, den ich treffe? Sie sollten sich über die Gefühle den Menschen gegenüber klar werden, die Sie treffen werden. Sonst werden diese Gefühle Ihre Stimmung beeinflussen. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben ein Problem mit einem bestimmen Mitarbeiter. Dieses negative Gefühl dieser Person gegenüber könnte für die Anwesenden sichtbar werden: Zum Beispiel durch die Art und Weise, wie Sie sprechen oder sich zu dieser Person positionieren (Wirken Sie verschlossen? Halten Sie die Arme verschränkt?). Diese Signale könnten den Mitarbeiter davon abhalten, sich positiv an der Diskussion zu beteiligen. Bevor Sie in ein Meeting gehen, sollten Sie die Probleme und Gefühle aufschreiben, die Sie mit den Menschen verbinden, die Sie gleich treffen werden.
  • Bin ich gut vorbereitet? Wenn Sie nicht auf das Meeting vorbereitet sind, müssen Sie sich auf Ihre Improvisationsgabe verlassen. In diesem Fall werden Sie sich darauf konzentrieren, der Diskussion zu folgen und Ihre Unwissenheit nicht zu zeigen. Menschen, die nicht gut vorbereitet sind, tendieren dazu, dies durch sehr viel Redezeit zu kompensieren. So versuchen sie die anderen glauben zu machen, dass sie sehr kompetent sind. Wenn sie mit ihrer Körpersprache negative Signale senden, wird dies so noch verstärkt. Darüber hinaus können Sie weniger auf ihre Körpersprache achten, wenn sie improvisieren müssen. Wenn Sie also nicht auf eine Sitzung vorbereitet sind, ist es besser, sie zu verschieben oder ganz abzusagen. Wenn beides nicht möglich ist: Verhalten Sie sich ruhig und stellen Sie sicher, dass Sie beim nächsten Mal besser vorbereitet sind.
  • Bin ich wütend? Sollte dies zutreffen, nehmen Sie sich lieber eine Auszeit. Wut verträgt sich nicht gut mit den verschiedenen Formen der Kommunikation, sei es verbal oder non-verbal. Als ich vor Jahren das Import-Export-Geschäft meiner Familie in Griechenland leitete, unterlief einem meiner Mitarbeiter ein schwerer Fehler. Das Resultat war ein hohes Bußgeld durch die griechischen Zollbehörden. Eigentlich wollte ich den Mitarbeiter in mein Büro zitieren, um ihm die Hölle heiß zu machen. Doch dann dämmerte es mir, dass ich mich besser beruhigen sollte. Also wartete ich und ging später zu seinem Schreibtisch. Ich sagte ihm im leisen Ton, dass ich mir über den Fehler bewusst war und trug ihm auf, ein Memo zu schreiben. Darin sollte er erklären, warum es zu dem Fehler kommen und wie so etwas in der Zukunft vermieden werden konnte. Am nächsten Tag erhielt ich einen detaillierten Bericht, der einige sehr nützliche Vorschläge für unsere Arbeit enthielt. Ich beschloss, diese Anregungen in unserer Firma umzusetzen.

Diese Checkliste ist notwendig, bevor eine Besprechung beginnt. Aber auch während der Sitzung sollten Sie eine interne Liste durchgehen. Natürlich werden Sie nicht immer und während der gesamten Dauer des Meetings eine optimale Figur machen. Aber es wird schon helfen, wenn Sie sich ab und zu die folgenden Fragen stellen:

  • Bin ich unruhig? Wenn Sie relativ ruhig sind und zuhören, ist alles in Ordnung. Aber wenn Sie auf dem Stuhl herumrutschen, nervös mit den Fingern trommeln, ständig kritzeln oder am schlimmsten, dauernd Ihr Smartphone checken - dann können Sie ziemlich sicher sein, dass die Person den Eindruck gewinnt, dass Sie desinteressiert sind. Dieser Punkt führt natürlich auch dazu, darüber nachzudenken, wie Sie sitzen oder stehen: Schauen Sie die vortragende Person an, oder gucken Sie aus dem Fenster? Ist ihre Körperhaltung offen und aufmerksam? Oder lehnen Sie sich mit verschränkten Armen zurück, was auf Ungeduld und abgehobene Skepsis hindeutet? Dies ist besonders bedeutend, wenn Sie der Chef sind: Jeder im Raum wird Sie genau beobachten und jede hoch gezogene Augenbraue registrieren.
  • Unterbreche ich? In jeder normalen Debatte werden Leute sich gelegentlich unterbrechen. Aber wenn Sie dies zu oft tun, werden Ihre Gesprächspartner den folgenden Eindruck gewinnen: Sie sind nicht offen und hören nicht genau zu - oder dass Sie tatsächlich versuchen, Inkompetenz zu kompensieren. Wenn Sie als jemand gelten, der ein valides Argument von jemandem ohne Grund ablehnt, wird diese Person sich zurückziehen und Ihnen das übel nehmen. Die Frage, ob Sie andere Menschen zu oft unterbrechen, führt zu einem anderen Punkt: Wie kommunizieren Sie mit Ihrem Körper, ihrer Mimik und Gestik? Zeigen Sie anderen Menschen Respekt, lächeln Sie oder wirken Sie wütend?

Gestresste Manager riskieren, die Begegnung mit einem Untergebenen zu einem Fiasko werden zu lassen, wenn sie nicht genau auf ihre eigene Körpersprache achten. Jeder bereitet sich akribisch auf eine Sitzung mit einem Ranghöheren vor. Die meisten Leute wollen im Gespräch mit dem Vorgesetzten besonders intelligent, höflich und engagiert wirken. Das zwingt sie dazu, auf ihr Verhalten zu achten. Ranghöhere Managern aber fehlt diese Motivation. Viel zu selten nehmen sie sich die Zeit, um über die Begegnungen mit Mitarbeitern und Kollegen nachzudenken.

Wir können kaum erwarten, alle unsere Kommunikationschwächen auszubügeln. Aber wir sollten daran arbeiten, uns über die Schwächen und ihre negativen Wirkungen bewusst zu werden.

In jedem Fall ist die Konzentration auf das eigene kommunikative Verhalten ein sich selbst verstärkender Prozess. Wir können ihn mit der Zeit immer besser verinnerlichen und brauchen so weniger bewusste Anstrengung dafür.

Zum Autor
Der Autor ist ehemaliger Geschäftsmann und Berater. Heute ist Charalambos Vlachoutsicos außerordentlicher Professor an der Athener University of Economics and Business in Griechenland.

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