Die Stolperfalle für Konzerne

Kommunikation:

Von Michael Slind und Boris Groysberg
1. November 2012

Ein führender Hersteller von Mobiltelefonen, der den Anschluss an die Konkurrenz verliert - und nun um das Comeback kämpft.

Ein Energie-Unternehmen steigt auf - und stürzt plötzlich ab.

Ein Bild aus besseren Tagen: Der Hersteller von Mobiltelefonen Nokia war bis 2007 unangefochtener Marktführer
REUTERS

Ein Bild aus besseren Tagen: Der Hersteller von Mobiltelefonen Nokia war bis 2007 unangefochtener Marktführer

Ein Kreuzfahrtschiff schlägt den falschen Kurs ein - und plötzlich gerät die dahinter stehende Reederei in schwere Gewässer.

Ein mächtiger Ölkonzern trägt die Verantwortung für eine Umweltkatastrophe - ein Unglück, das für das Unternehmen zum PR-Desaster wird.

Der Aufsichtsrat einer Airline ernennt einen neuen CEO - und kündigt seinen Vertrag nur drei Jahre später.

Fünf große Unternehmen. Fünf große Probleme. Eines dieser Unternehmen ist ein Hersteller im High-Tech-Bereich, zwei kommen aus dem Energiesektor, und zwei sind aus der Verkehrsbranche. Ansonsten haben diese Unternehmen so gut wie nichts gemeinsam. Auch die Probleme unterscheiden sich stark, denen sich diese Unternehmen gegenüber sahen.

So jedenfalls könnte es wirken. Tatsächlich gibt es in jedem dieser Fälle geschäftlichen Niedergangs ein schweres Kommunikations-Versagen - und dies stellt die tiefere Ursache der Malaise dar. Deshalb nehmen wir diese fünf Unternehmen und ihre Probleme genauer unter die Lupe.

Nokia

Mehr als eine Dekade lang war Nokia der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen. Aber als das Smartphone auf dem Markt auftauchte, verlor Nokia seinen Wettbewerbsvorteil. Warum gelang es Nokia nicht, seine guten Ideen in verkaufsfähige Produkte umzusetzen? Laut einer detaillierten Analyse im "Wall Street Journal" liegt eine wichtige Ursache für das Problem in der Kommunikationskultur bei Nokia, die unstrukturierte Diskussionen über die Unternehmensstrategie begünstigte. Es fehlten klare Pläne, wie neue Modelle auf den Markt gebracht werden könnten.

Enron

Eine wissenschaftliche Untersuchung über die Ursachen, die zu Enrons Zusammenbruch führten, benennt verschiedene "Kommunikations-affine Management-Pflichten", die Enron-Manager der höheren Hierarchieebenen nicht erfüllt haben - Pflichten wie das "Kommunizieren von angemessenen Werten" oder "Sensibilität für erste Anzeichen von Problemen".

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proffrans 02.11.2012

Kommunikationsmangel oder einfach zu kompliziert?
Danke fuer Ihren Beitrag. Natuerlich handelt es sich um Kommunikation. Warum hat man Unternehmen als Strukturen ueberhaupt noetig? Weil sie Zusammenarbeit billiger als der Markt organisieren koennen. Und das hat alles mit der Kommunikation zu tun. Ausser Kommunikationsprobleme kann man z.Zt noch was anderes bei Grossunternehmen feststellen. In manchen Grossunternhmen liegt der Fokus nicht nur auf dem Wettbewerb auf dem Markt (extern) sondern auch auf den internen Wettbewerb (um Aufmerksamkeit von oben und den Haushalt zu beeinflussen): der doppelte Wettbewerb. Kleine und mittelstaendische Unternehmen haben dieses Problem nicht. Der doppelte Wettbewerb in Grossunternehmen macht eigentlich alles zu teuer und vermindert die Flexibilitaet. Mehr dazu finden Sie in meinem Artikel "Unternehmen oder unterlassen?" http://www.fransvanderreep.com/2012/10/09/unternehmen-oder-unterlassen/ Gruss Prof. Frans van der Reep Niederlande

Fruehbauer 07.11.2012

Kommunikationsmangel oder einfach zu kompliziert...
Ich kann hier der Meinung von Prof. Frans van der Reep nur beipflichten. In vielen Konzernen herrscht, wie leider heutzutage schon fast überall, eine hohe Selbstdarstellung bzw. Profilierungsdrang, der mit dem Erfolg des Unternehmens per se nichts mehr zu tun hat. Ich selbst habe 17Jahre in einem Konzern gearbeitet, viele Leute kommen und gehen sehen. In dieser Zeit hatte ich sieben unterschiedliche Vorgesetzte, nur einige davon, welche ich auch wirklich sehr geschätzt habe. Alle hatten sehr unterschiedliche Ansichten zur Kommunikation im Unternehmen. Leider glauben noch immer einige Vorgesetzte, je weniger Mitarbeiter informiert sind, desto mehr können sie sich auf Ihre Arbeit fokussieren. Doch Mitarbeiter verhungern, wenn sie keinerlei Kommunikation zu den Hintergründen erhalten, Machtspiele beginnen, wer weiß mehr als der andere. Viele Kollegen werden absichtlich negiert und der Fokus von den relevanten Inhalten geht komplett verloren. Ich bin ein großer Fan von Anthony Williams Wikinomics – er beschreibt wie zukünftig Wissensteilung und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zukünftig funktionieren könnten. So würde man in vielen Konzernen die Zusammenarbeit, als auch die Kommunikation der einzelnen Abteilungen wieder mehr forcieren. Nicht nur das Abteilungsdenken, ohne über den Tellerrand hinaus zu sehen, sondern vielmehr Abteilungsübergreifend kommunizieren, dass ein Gesamtergebnis angestrebt werden kann. Und sich nicht nur einzelne Manager ihr eigenes Ego stärken können und nach drei Jahren wieder ein Schlachtfeld verlassen und keine Verantwortung für ihr Tun und Handeln übernehmen

Unregistriert 07.11.2012

Zitat von fsadminWenn große Unternehmen in Schwierigkeiten geraten oder sogar ganz untergehen, spielt Kommunikations-Versagen des Managements oft eine entscheidende Rolle. Führungskräfte sollten sich mit der gleichen Priorität um die Kommunikation ihres Unternehmens kümmern wie um die Finanzen.
Das sehe ich genauso. Das Versagen eines Unternehmens hängt nicht nur von den Kunden ab, die das Produkt / Dienstleistung nicht nutzen, sondern vielmehr von der Kommunikation im Unternehmen. Die fehlende Kommunikation ist wahrscheinlich manchmal der Auslöser. Wenig Kommunikation führt zu falschen Entscheidungen, welche sich wiederum fatal auf das Geschäft auslösen. Es reicht meist schon eine Sitzung oder etwas einfaches wie ein Mitarbeiterbuch, um eine Besserung zu schaffen. Wir haben in unserem Unternehmen ein Mitarbeiterbuch in Zusammenarbeit mit http://huffmann-business.de eingeführt und man merkte, dass es sich positiv auf das Arbeitsklima auswirkte.

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