Behalten Sie Ihre Ziele für sich!

Selbstmanagement:

Von Rolf van Dick
21. September 2012

Nehmen wir an, Sie wissen, was Sie wollen und haben sich ein spezifisches Ziel für das nächste halbe Jahr gesetzt: Es ist realistisch und Sie können messen, ob Sie Ihr Ziel erreicht haben.

Sie haben in einer etwas ruhigeren Stunde in Ihrem Büro gesessen und bei der Formulierung Ihres Ziels alle SMART-Regeln befolgt: Denn wie die Forschung zeigt, wirken Ziele umso besser, wenn sie spezisch (S), messbar (M), akzeptierbar (A), realistisch (R) und terminierbar (T) sind - eben SMART. Ein solches Ziel könnte zum Beispiel sein: "Ich möchte in den nächsten 18 Monaten die Position des stellvertretenden Abteilungsleiters haben." Und nicht: "Ich will in unserem Unternehmen an die Spitze kommen."

Fokussiert: Reden Sie nicht über Ihre Ziele, sondern konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche
Corbis

Fokussiert: Reden Sie nicht über Ihre Ziele, sondern konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche

Sie haben sich also vorgenommen, bald die nächste Karrierestufe zu erklimmen. Sie überlegen sich schon, welche Weiterbildungen Sie dazu besuchen wollen und wo Sie besonderes Engagement zeigen müssen. Nun kommen Sie aus Ihrem Büro und treffen einen Kollegen, mit dem Sie seit langem auch privat gut befreundet sind. Ist es nun gut, ihm von Ihrem neuen Ziel zu erzählen?

Würde es sich nicht toll anfühlen, dem Kollegen auszumalen, wie schön es sein wird, wenn Sie befördert worden sind? Würde Ihr Freund Ihnen das nicht von Herzen gönnen? Und Sie bei Ihrem Ziel unterstützen und sich mit Ihnen darauf freuen, dass es tatsächlich in Erfüllung geht? Und würde dies Sie nicht noch mehr motivieren alles zu tun, um das Ziel auch wirklich zu erreichen?

Leider nein! Manche Ziele sind für uns identitätsrelevant. Ein Beispiel für ein solches Ziel wäre: "Ich will mehr Sport treiben - das zeigt, dass ich ein sportlicher Mensch bin." Das Problem: In der Forschung ist seit langem bekannt, dass solche Ziele auch durch andere Dinge ersetzt werden können.

Ein Beispiel: "Ich möchte ein erfolgreicher Manager sein" wird schon dann als teilweise erreicht erlebt, wenn man sich einen großen Dienstwagen bestellt und sein Büro mit Urkunden eines MBA-Abschlusses und der Mitgliedschaft in einem Businessclub schmückt. Die Sozialpsychologen Cindy Harmon-Jones, Brandon Schmeichel und Eddie Harmon-Jones von der Universität Texas haben herausgefunden, dass Wissenschaftler umso mehr Titel und akademische Grade in ihren Email-Signaturen und auf ihren Webseiten angeben, je weniger sie akademisch geleistet haben. Je weniger wissenschaftliche Publikationen sie aufzuweisen haben, desto mehr kompensieren sie dies durch die Angabe von zusätzlichen Abschlussgraden oder Beiratsfunktionen.

Auf diesen Erkenntnissen bauten Peter Gollwitzer (New York University und Universität Konstanz) und seine Kollegen auf: Sie nahmen an, dass schon das öffentliche Aussprechen der eigenen Ziele vor anderen Menschen die Wahrscheinlichkeit reduziert, das Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Die Sozialpsychologen führten vier Studien durch, um ihre Annahmen zu überprüfen. Die Experimente verliefen immer ähnlich: Die Teilnehmer wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt und sollten sich Ziele setzen. Dann sollten die Teilnehmer der eigenen Gruppe ihre Ziele vor anderen offenlegen. Anschließend konnten sie etwas tun, um ihre Ziele zu erreichen.

In einem Experiment wurden zum Beispiel Studenten der Rechtswissenschaften gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Darin wurden sie gefragt: Wie wichtig ist Ihnen das Ziel, ein guter Anwalt zu werden? In der Hälfte der Versuche sah sich der Versuchsleiter dann den Fragebogen an und fragte bei den Studenten noch einmal nach, ob die Zahlen auch stimmen würden. In diesem Moment war also öffentlich, wie wichtig den Teilnehmern ihr Ziel war. In der anderen Bedingung nahm der Versuchsleiter die Fragebögen und steckte sie ohne hineinzusehen in eine Kiste - das Ziel blieb also anonym. Anschließend bekamen alle Teilnehmer die Gelegenheit, 45 Minuten lang juristische Fälle für neue Vorlesungen zu sichten und auszuwählen.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Studierenden, deren Ziele vorher öffentlich gemacht wurden, hörten im Durchschnitt fünf Minuten vor Ende der Zeit auf - die Gruppe, die ihre Ziele für sich behielt, arbeitete durchschnittlich sogar etwas länger als die vorgesehenen 45 Minuten.

Gollwitzer und Kollegen erklären dies so: Diejenigen, die ihre Ziele öffentlich machten, sahen sich dem Ziel schon ein Stück näher. Daher war ihre Bereitschaft geringer, sich anzustrengen. Die Studenten, die ihre Ziele für sich behielten, wussten dagegen, dass sie noch weit von ihrem Ziel entfernt waren. Entsprechend strengten sie sich weiter an.

Fazit

Also: Setzen Sie sich Ziele und beachten Sie dabei die SMART-Regeln. Aber besonders wichtig: Behalten Sie die Ziele für sich, die für Sie persönlich wichtig sind. Auch wenn dies Ihrem gesunden Menschenverstand widerspricht: Reden Sie erst darüber, wenn Sie Ihre Ziele schon ein gutes Stück weit erreicht haben!

Sprechen Sie über Ihre Ziele? Diskutieren Sie mit!

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Kommentare
1
Unregistriert 25.12.2012

RK
Hallo, um ehrlich zu sein, kann ich das persönlich nicht nachvollziehen. Mir selbst hat es ganz im Gegenteil immer sehr viel gebracht, die Ziele öffentlich auszusprechen. Zum einen habe ich irgendwann verstanden, dass die nachfolgende Regel sehr hilfreich ist: "Finde heraus was Du willst und lerne es "einzufordern"!! Zum anderen habe ich für mich persönlich festgestellt, dass es hilfreich ist, Ziele öffentlich bekannt zu machen. Immer dann, wenn ich meine Ziele bekannt gab, war ich für mein Umfeld transparenter und kalkulierbarer, was nicht immer schlecht ist. Zudem wusste ich für mich selbst: "So, jetzt gibt es kein "zurück" mehr. Bisher hat meine Strategie immer funktioniert.

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