Bitte keine Bauernregeln!

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Von Armin Trost
13. September 2012

Es gibt sie offenbar immer wieder: Manager, die Bewerber anhand von ausgefallenen, einzelnen Kriterien ablehnen. Die einen begleiten Bewerber zu ihrem Auto und werfen einen Blick hinein. Müll im Auto gilt dann als Indikator für fehlende Zuverlässigkeit und mangelnde Sorgfalt im Beruf. Andere wiederum legen besonderen Wert auf die sportliche Karriere der Bewerber: Im Team können nach dieser Logik nur jene Personen arbeiten, die bereits als Jugendliche eine Mannschaftssportart erfolgreich betrieben haben.

Personalauswahl: Manager sollten auf Heuristiken lieber verzichten
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Personalauswahl: Manager sollten auf Heuristiken lieber verzichten

Wann immer Manager solche Ansprüche stellen, ist eines so gut wie sicher: Sie schreiben sich diese Kriterien selbst in hohem Maße zu oder definieren sich darüber. Ein Manager mit hohem Anspruch an sein äußeres Erscheinungsbild tut sich schwer, Bewerber zu akzeptieren, die zum Kurzarmhemd Krawatte oder - noch schlimmer - weiße Socken tragen. Menschlich ist das nachvollziehbar. Professionell ist diese Form der Personalauswahl aber nur selten.

Das gilt auch für das Kriterium der Rechtschreibung und Grammatik. Lässt sich denn von der Beherrschung der Rechtschreibregeln auf beruflichen Erfolg schließen? Kann man bei Rechtschreibschwächen beruflichen Misserfolg vorhersagen? Die Antwort ist einfach: nur dann, wenn Rechtschreibung für den in Frage kommenden Job oder das Unternehmen relevant ist. Von der Rechtschreibfähigkeit auf Intelligenz, Teamfähigkeit, allgemeine Zuverlässigkeit oder sonstige Kompetenzen zu schließen, ist aus wissenschaftlicher Sicht Unfug. Die Sache wird auch nicht besser, wenn solche Manager auf ihre ausgeprägte Menschenkenntnis oder auf langjährige Erfahrung verweisen.

Man bezeichnet solche Auswahlregeln auch als Heuristiken. Sie werden genutzt, um komplexe Sachverhalte mit einfachen Regeln zu beurteilen. Die bekannten Bauernregeln fallen in eine vergleichbare Klasse. Heuristiken sind nicht grundsätzlich falsch. Im Gegenteil: Meist bergen sie einen wahren Kern und sind im Alltag nicht selten hilfreich, wie zum Beispiel: "Hunde, die bellen, beißen nicht." Ihre Allgemeingültigkeit ist dennoch vergleichsweise überschaubar.

Es gibt mindestens vier Gründe, warum Manager auf solche Heuristiken im Rahmen der Personalauswahl besser verzichten sollten:

1. Die Einstellung eines neuen Mitarbeiters ist mit gewissen Risiken verbunden. Dabei wiegt die Gefahr, den Falschen einzustellen, höher, als den Richtigen abzulehnen. Es geht darum, die Leistung eines Bewerbers valide vorherzusagen, was je nach Komplexität der Aufgabe mit einer entsprechenden Komplexität bei der Auswahl einhergeht. Sich nun auf eine Heuristik zu verlassen, wird dieser Komplexität gerade in wissensintensiven Berufen selten gerecht. Dieser Punkt wiegt umso schwerer, weil in der Personalauswahl genug valide Alternativen zur Verfügung stehen, um bestimmte, berufsrelevante Kriterien einzuschätzen: zum Beispiel biografische Fragen in strukturierten Interviews, einschlägige Tests oder ausgewählte Arbeitsproben und Fallbeispiele, die Manager mit Bewerbern diskutieren können.

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