Kein Platz für Faulenzer

Teams:

Von Mark de Rond
10. August 2012

Exzellente Team-Leistung: Der Deutschland-Achter holte bei den Olympischen Spielen in London Gold vor Kanada und Großbritannien.
AP

Exzellente Team-Leistung: Der Deutschland-Achter holte bei den Olympischen Spielen in London Gold vor Kanada und Großbritannien.

Warum besteht eine American Football-Mannschaft aus elf Spielern, eine Mannschaft im Canadian Football jedoch aus zwölf? Wieso sind es beim Gaelic Football, der hauptsächlich in Irland gespielt wird, genau 15 Spieler?

Und warum sind es beim Fußball elf Akteure? Warum werden beim Baseball neun Spieler aufs Feld geschickt, beim Basketball fünf, beim Volleyball sechs, beim Wasserball sieben und beim Cricket elf?

So einfach diese Fragen auch klingen - tatsächlich sind sie nur schwer zu beantworten. Was auch immer die historischen Gründe bei den einzelnen Sportarten auch sein mögen: Die Zahl der Team-Mitglieder hat einen signifikanten Einfluss auf die Leistung.

Der älteste bekannte Versuch, die Beziehung zwischen der Team-Größe und der Produktivität zu untersuchen, liegt rund 100 Jahre zurück. Die Experimente des französischen Ingenieurs Maximilian Ringelmann haben es zu einiger Berühmtheit gebracht. In einer Reihe von einfachen Experimenten, bei denen Ringelmann Versuchspersonen zum Tauziehen bat, entdeckte der Franzose den heute als Ringelmann-Effekt bekannten Zusammenhang: Die Leistung des Einzelnen ist umso schwächer, je größer das Team ist. Ringelmann beobachtete, dass acht Personen gemeinsam keine bessere Leistung beim Tauziehen brachten als eine Mannschaft aus vier Personen. Er erklärte den Verlust an individueller Leistung mit der Schwierigkeit für die Mannschafts-Mitglieder, ihre Anstrengungen zu koordinieren. Dabei beließ er es.

Zum Autor
Mark de Rond ist Dozent für Strategie und Organisation an der Judge Business School an der Universität Cambridge. Sein aktuelles Buch "There is an I in Team" stellt gängige Ansichten über Teams im Geschäftsleben in Frage, indem es Parallelen aus der Welt des Sports und neue Erkenntnisse aus der Sozialforschung und der Psychologie heranzieht.
In den 1970er Jahren baute Alan Ingham zusammen mit drei Kollegen in brillanter Art und Weise auf Ringelmanns Versuchen auf. Sie wiederholten seine Experimente im Keller der Universität von Massachusetts Amherst und erzielten nahezu identische Ergebnisse. Eine schlaue Variante des Experiments dagegen - bei dem einige Studenten diskret und ohne dass ihre Kollegen es merkten, gebeten wurden, nur so zu tun, als würden sie sich anstrengen - ermöglichte eine außergewöhnliche Beobachtung: Es schien keinen Unterschied zu machen, ob Menschen Teil eines größeren Teams waren - oder es nur zu sein glaubten.

In beiden Fällen strengten sie sich weniger an. In einer sechsköpfigen Mannschaft (in der drei Studenten gebeten worden waren, so stark an dem Seil zu ziehen wie nur möglich, während die anderen nur so tun sollten, als ob) zogen die drei Teammitglieder mit unverändertem Engagement an dem Seil. Genauso, wie sie es zuvor in einer Konstellation getan hatten, bei der alle Mitglieder zogen.

Ingham und seine Kollegen hatten gezeigt, dass der Verlust an Anstrengung nicht mit dem Mangel an Koordination erklärt werden konnte, wie Ringelmann ursprünglich angenommen hatte. Ihr Experiment zeigte stattdessen einen Effekt, den man als "Soziales Faulenzen" bezeichnet: Team-Mitglieder strengen sich weniger an, weil sie sich weniger verantwortlich fühlen für das Gesamtergebnis.

Soziales Faulenzen ist eines der am besten dokumentierten Phänomene in der Sozial-Psychologie. Es ist bei allen Arten von Teams nachgewiesen worden. Dazu gehören auch Teams mit Personen, die über unterschiedliche Spezialfähigkeiten verfügen und die auf bestimmte Art und Weise miteinander arbeiten (wie es heutzutage in modernen Arbeitsplätzen üblich ist; schließlich sind Aufgaben wie Tauziehen relativ selten in modernen Büros).

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Unregistriert 10.08.2012

Arbeitsverteilung
Hallo Mark de Rond, in welchen Firmen kann man denn heutzutage noch faulenzen? Da würde ich mich gerne bewerben! Fakt ist doch: immer MEHR Arbeit wird auf immer WENIGER Mitarbeiter verteilt, die diese in GERINGSTMÖGLICHER Zeit zu erledigen haben - während andere Zuhause in der Arbeitslosigkeit ausharren müssen - oder sehen Sie das anders? Gruß, TM

Unregistriert 31.07.2013

Hallo eine Betrachtung vom Elfenbeinturm herab... ich denke nicht dass der Mann Führungserfahrung hat... Zitieren von 100 Jahre alten Untersuchungen, und dann 1+ 1 zusammenzählen, in weiterer Folge allgemeine Behauptungen aufstellen und dagegen argumentieren ist allzu billig... in diesem Sinne - kann ich den Autor nicht allzu ernst nehmen.. der Buchhinweis soll wohl der Verkaufsförderung dienen.. mfG.

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