Der nächste große Wurf

Glück:

Von Umair Haque
2. April 2015
Getty Images

Eine Frage: Was wird wohl der nächste große Wurf, der alles verändert?

Drucker, die dreidimensional drucken können? Individuelle Genom-Analyse? Grüne Technologien, neuartige Energien, selbständig fahrende Autos? Die so genannte "Augmented Reality" oder Computerchips in Kleidung? Mikro-Währungen, noch gewaltigere Datenmengen oder schnellere Drohnen?

Und jetzt etwas völlig anderes.

Was genau macht uns Menschen aus? In genau einem Wort bitte, wenn das geht?

Diese Frage habe ich vor einiger Zeit meinen Followern bei Twitter gestellt. Die häufigsten Antworten lauteten: Empathie, Bewusstsein, Mitgefühl und Liebe.

Nun eine Frage, die auf den Ergebnissen meines kleinen, natürlich völlig unwissenschaftlichen Experiments basiert: Haben irgendwelche der Antworten auf die erste Frage einen positiven Einfluss auf Empathie, Bewußtsein, Mitgefühl und Liebe?

Ich fürchte, die Antwort lautet "nein".

Und trotzdem gehen nur wenige von uns täglich ins Büro, in den Klassenraum, die Bank oder die Klinik und verbringen ihre Zeit mit Dingen, die für Empathie, Bewusstsein, Mitgefühl und Liebe stehen. Ich setze meine Farm, mein Haus und meine Apple-Aktien auf die folgende Behauptung: Unsere Organisationen und Unternehmen scheitern nicht deswegen, weil sie uns finanziell ruinieren; sie scheitern, weil sie uns im menschlichen Sinn in den Bankrott treiben. Sie sind für die menschliche Seele zu so etwas wie einem Gefängnis geworden. Sie scheitern daran, uns zu inspirieren. Dabei könnten wir Inspiration gut brauchen, angesichts der gewaltigen Herausforderungen unserer Zeit.

So könnte eine Organisation funktionieren, die auf Empathie ausgerichtet ist: Ich würde einen Schritt weiter gehen als bei der Fernsehserie "Undercover Boss": Jedes Jahr verbringen alle Führungskräfte der höheren Ebenen zwei Wochen in einem Waisenhaus. Zum Beispiel in einem Haus für Kinder, die Opfer von Kriegsverbrechen wurden (natürlich ohne ein Gefolge von Bediensteten und Butlern im Smoking).

Eine Organisation für Mitgefühl könnte so funktionieren: Ich würde einen Schritt weitergehen als Philantropen und die folgende Regel einführen: Sollten bestimmte soziale Probleme der Welt nicht durch die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens effektiv bekämpft werden, werden die Bonuszahlungen für dieses Jahr um die Hälfte gekürzt und das Geld sollte in die besagten sozialen Ziele investiert werden. Ich weiß, ganz schön unfair.

Eine Organisation, die auf Liebe ausgerichtet ist, wäre so aufgebaut: Sie mögen es nicht? Und wollen es nicht? Sie können es nicht fühlen? Hören Sie auf, daran zu arbeiten. Lieben Sie das Projekt? Bewerben Sie sich darum, entwickeln Sie es, setzen Sie es um, leben Sie es. Klingt ein bisschen verrückt, was? Nicht, wenn Sie Zappos oder Netflix sind.

Natürlich gibt es gute Argumente gegen diese Vorschläge. Das ist auch in Ordnung. Es sind lediglich kurze Notizen auf einer Serviette, die ich während einer Pause und einem schnellen Cappuccino niedergeschrieben habe. Und das ist der Punkt.

In der langen Reise des menschlichen Fortschritts gibt es ohne Zweifel noch neue Kontinente zu entdecken - vielleicht sogar ganze Galaxien. Trotzdem: Viel zu leicht können wir uns während dieser Reise in Technologie und Technik verfangen. In den Formeln und Algorithmen, der Mechanik und Methodologie, dem "Wie" und dem "Jetzt". Im Nervenkitzel im Moment der Entdeckung, dem Hochgefühl, unentdecktes Land zu sehen. Wir überblicken zwar den Horizont, scheitern aber daran, die Horizonte in uns selbst zu sehen.

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