Raus aus der Komfortzone!

Selbstmanagement:

Von Tony Schwartz
18. Juli 2012

Was haben alle Leute gemeinsam, die zu den besten gehören und kontinuierlich Spitzenleistungen abliefern? Die Antwort lautet nicht: Gute Gene. Auch wenn es sicher schön ist, solche zu haben. Entscheidend ist der Wille, täglich die eigenen Grenzen zu überwinden und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Es geht darum, andere Formen der sofortigen Befriedigung zu ignorieren. Dazu gehört auch die Unsicherheit, ob die Anstrengungen belohnt werden.

Belastbar? Schreibtischtäter sollten ab und zu ihre bequeme Zone verlassen.
Corbis

Belastbar? Schreibtischtäter sollten ab und zu ihre bequeme Zone verlassen.

Ich habe diesen Mechanismus das erste Mal auf der physischen Ebene verstanden, über meinen Körper. Ich trainiere regelmäßig mit Gewichten. Ich zwinge mich selbst dazu, meine Komfort-Zone zu verlassen, und tatsächlich bin ich über die Jahre stärker geworden. Mittlerweile bin ich 60 Jahre alt, und ich bin körperlich stärker, als ich es mit 30 gewesen bin.

Aber: In Wahrheit pushe ich mich selber selten an die Erschöpfungsgrenze heran. Wenn ich das täte, könnte ich nach dem Stand der Wissenschaft signifikant stärker sein, als ich es heute schon bin. Der Schlüssel zum Erfolg ist Intensität, nicht die Dauer der Belastung. Wenn ich intensiver trainieren würde, könnte ich weniger Wiederholungen machen, und trotzdem einen größeren Effekt in kürzerer Zeit erzielen, als ich jetzt aufwende.

Warum also mache ich das nicht? Es ist ein wenig peinlich, aber ich muss zugeben: Ich bin nicht fähig, noch größere Unannehmlichkeiten zu ertragen. Unser Kopf suggeriert uns, dass wir schon an unserem Limit angelangt sind - lange bevor dies tatsächlich der Fall ist.

Menschen verfügen über zwei mächtige, grundlegende Instinkte. Einer davon ist, Schmerz zu vermeiden. Dieser Instinkt hat uns geholfen zu überleben, schon damals in der Savanne, wo Raubtiere uns gefährlich werden konnten. Der andere Instinkt ist unsere Gier nach Genuss. Dieser Instinkt ließ uns auf die Suche nach Nahrung gehen, die knapp war. Noch immer hilft er uns dabei, unsere Gene weiterzugeben.

Unglücklicherweise unterstützt uns keiner dieser Instinkte dabei, kurzfristige Befriedigung zugunsten späterer Gewinne zurückzustellen. Dafür brauchen wir den biologisch gesehen moderneren, zur Reflexion fähigen Teil unseres Gehirns - den präfrontalen Cortex - um bewusst dem primitiven Verlangen zu widerstehen, das seinen Ursprung im niederen Teil unseres Gehirns hat.

Seite
1
2
Artikel
Kommentare
0
Diskussionsregeln

Wir freuen uns über lebendige, konstruktive und inspirierende Diskussionen auf HBM Online. Um die Qualität der Debattenbeiträge sicherzustellen, werden unsere Moderatoren jeden Beitrag prüfen. Eine Nutzung der Kommentarfunktion zu kommerziellen Zwecken ist nicht erlaubt. Beiträge mit vorwiegend werblichem, strafbarem, beleidigendem oder anderweitig inakzeptablem Inhalt werden von unseren Moderatoren gelöscht.

© Harvard Business School Publishing
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Folgt uns auf Facebook
Nach oben