Machen Sie Ihren Job zur Berufung

Selbstmanagement:

Von Bill Barnett
22. Juni 2012

Arbeit ist eine finanzielle Notwendigkeit für fast jeden von uns. Damit sind meistens auch Opfer verbunden. Seien wir mal ehrlich: Manchmal kann es wirklich eine Schinderei sein. Aber Arbeit kann auch Spaß machen und spannend sein: Wettbewerb zum Beispiel ist für viele eine Energiequelle. Arbeit kann in der Tat ein spannender und positiver Teil unseres Lebens sein.

Wahre Berufung: Bäcker nehmen sehr frühe Arbeitszeiten und harte Arbeit in kauf, um ihre Dienstleistung anzubieten.
Corbis

Wahre Berufung: Bäcker nehmen sehr frühe Arbeitszeiten und harte Arbeit in kauf, um ihre Dienstleistung anzubieten.

Ich habe eine Menge darüber von Amy Wrzesniewski, Professorin an der Universität Yale, und ihrer Studie "Job Crafting" gelernt. Sie beschreibt drei grundlegende Einstellungen von Menschen zum Thema Arbeit. Sie nennt diese Einstellungen "Job", "Karriere" und "Berufung". Diese drei Einstellungen können ein Hinweis darauf sein, wie zufrieden Menschen mit ihrem Arbeitsplatz sind. Überlegen Sie einmal, wie Sie selbst Ihre Arbeit sehen - das kann Ihnen helfen zu definieren, was Sie in Ihrem Berufsleben brauchen oder wollen.

Menschen mit der "Job"-Denkweise arbeiten für Geld und achten penibel darauf, nur nicht zu lange zu arbeiten. Alle Menschen mit dieser Einstellung, die ich persönlich kennengelernt habe, sind tendenziell unzufrieden und sehen wenig Bedeutung in dem, was sie tun. Sie sind gewöhnlich auf der Suche nach etwas Neuem.

"Karrieristen" arbeiten für ihren Aufstieg, für das Gehalt und das Prestige. Ich habe Karrieristen kennengelernt mit sehr unterschiedlichen Graden von Zufriedenheit und Freude. Solange Karrieristen glauben, auf der Gewinnerseite zu stehen, sind sie zufrieden. Aber andere machen sich Sorgen, dass sie nicht in dem Tempo vorankommen, wie sie es sich wünschen. Oder sie glauben, nicht die Position zu haben, die sie eigentlich verdienen würden. Sie sind nicht gänzlich unzufrieden, aber fragen sich oft, ob sie von ihrem Arbeitgeber fair behandelt werden und ob es da draußen nicht etwas Besseres für sie gibt.

Menschen mit einer Berufung sind anders. Für sie ist ihre Arbeit ein Wert an sich. Sie fühlen sich gut mit dem, was sie tun. Sie investieren mehr in ihre Arbeit, und bekommen mehr zurück. Und hier noch ein Geheimnis über Menschen mit einer Berufung: Sie sind nicht nur glücklich und erfüllt, sondern oft sehr erfolgreich, was finanzielle Vorteile mit sich bringt.

Menschen mit Berufungen unterscheiden sich darin, welche Prioritäten sie in ihrer Arbeit setzen. Ihre Ziele lassen sich in drei Gruppen unterteilen:

1. Sie legen Wert auf Dienst für andere. Für Menschen mit einer Berufung ist es von höherer Bedeutung, anderen Menschen zu helfen. Manche werden von einer Art höherer Motivation geleitet, die normalerweise mit Menschen im religiösen Dienst oder ehrenamtlich arbeitenden Menschen verbunden wird. Andere führen ihr Unternehmen, um Märkte auf die Art und Weise zu bedienen, dass Konsumenten einen Vorteil davon haben.

Brian (Name geändert) ist dafür ein gutes Beispiel. Nach seinem Abschluss bekam er eine gut dotierte Position bei einem sozial engagierten Investmentfonds. Dieser Aspekt gefiel Brian an seinem Arbeitgeber. Dennoch sah er nur eine schwache Verbindung zwischen dem Job und seinem Bedürfnis, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Dann hatte er eine Idee: Er wollte ein neues Nahrungsmittel auf den Markt bringen, das die Ernährung von vielen Menschen verbessern würde. Zwar würde er bald zum zweiten Mal Vater werden. Doch er nahm das Risiko in Kauf, um seine Vision zu verwirklichen. Er verließ den Investmentfonds, um sein eigenes Unternehmen zu gründen, wohl wissend, dass er zunächst von seinen Ersparnissen würde leben müssen. Brian kam in Schwung. Zehn Jahre später: Brians Produkt gibt es mittlerweile in vielen Supermärkten zu kaufen. Er ist immer noch fasziniert von dem, was er tut, wie er seine Tage verbringt und wie sein Produkt vielen Menschen nutzt. Es ist seine Berufung.

2. Sie legen Wert auf gute Arbeit. Menschen mit einer Berufung ist echtes Können wichtig. Sie wollen etwas bewegen und zur Spitze in ihrem Feld gehören. Dabei geht es nicht um persönlichen Aufstieg im Unternehmen. Diese Menschen glauben, dass solche Dinge einen Wert an sich haben.

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Artikel
Kommentare
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Unregistriert 22.06.2012

Beruf und Arbeitsmarkt
Sehr netter Artikel! Diejenigen die sich zu einer Tätigkeit "berufen" fühlen haben an sich schon Glück im Arbeitsmarkt untergekommen zu sein. Viele, die ganz eigene Talente und Fähigkeiten besitzen werden aber dafür nicht bezahlt - vielleicht auch weil sie vom Arbeitsmarkt oder von einem selbst nicht erkannt werden. Ich habe oft den Eindruck, dass den Menschen mit "Beruf" alles zufliegt, während Jobber sich vielleicht zu sehr bemühen. Mag sein, dass die eigene Einstellung und Denkweise darauf einen Einfluss hat. Aber musste man früher auch so viel über die eigene Einstellung zum Beruf nachdenken? Wenn etwas schwierig zu erklären ist, haben viele die Tendenz es als komplex zu bezeichnen. Ich finde das Thema "Beruf" ziemlich komplex ;-)

Unregistriert 23.06.2012

Notwendigkeiten
Seit Jahren arbeite ich an einer neuen Entwicklung und stehe jetzt kurz vor einer Firmengründung. Das ist meine Berufung! Wahrscheinlich werde ich zumindest am Anfang einiges weniger verdienen und mehr arbeiten als jetzt, aber jedesmal, wenn ich mich mit meinem Produkt befasse, fühle ich Erfüllung. Mit dem Job, den ich jetzt mache, verdiene ich bestimmt nicht schlecht, aber ich sehe mich trotzdem nur als Söldner. Wenn es der Firma morgen schlecht geht, schmeissen sie mich doch sowieso raus, wenn meinem Chef das Wasser bis zum Hals steht, wird er auf mich zeigen.

mayconsult 25.06.2012

Lernen und Leben mit Freude
Aus der Hirnforschung ist bekannt, dass wir viel besser lernen, wenn der Lernstoff und die Tätigkeit mit positiven Gefühlen vernetzt wird. Auch speichert das Gehirn diese Informationen leichter. Was man nicht mag wird man daher nie richtig gut beherrschen. Sinn in der eigenen Arbeit (so unterschiedlich die individuellen Motive auch sein mögen) führt zu besseren Gefühlen, flow-Erlebnissen und damit auch zu Glück. Eigentlich ein einfacher Mechanismus.

galileoinstitut 30.06.2012

Höchstleistung mit Leichtigkeit und Leidenschaft
ein sehr schöner Artikel. Vielleicht lässt sich "Berufung" noch etwas anders darstellen? Was ist Berufung? Meiner Ansicht nach geht es darum genau in Erfahrung zu bringen: Was sind meine "Werte", oder was ist das wofür ich morgens aufstehen und aktiv werden würde - auch wenn ich dafür kein Geld verdienen würde?? Ist die Antwort gefunden, geht es um die Suche nach den Stärken und Talenten und die Analyse: Was ist das richtige Umfeld und meine passende "Rolle" um all dies umzusetzen. - Dann ist das Ergebnis fast wie von selbst: Höchstleistung mit Leichtigkeit und Leidenschaft. Für einen selbst "zahlt" sich das aus in beruflichem Erfolg und persönlicher Zufriedenheit - für das Umfeld wird es sichtbar in "der lebt seine Berufung". Eigentlich haben alle Beteiligten bei dieser Vorgehensweise gewonnen. Übrigens: meiner Erfahrung nach, muss man sich dafür nicht unbedingt selbständig machen und/oder aus dem "System" aussteigen, es geht auch oft innerhalb des Unternehmens. Die Voraussetzung dafür: Sie müssen wollen.... Sie sollten entschlossen sein, ihren eigenen Weg finden und gehen zu wollen. Das ist nicht immer einfach, doch das Ergebnis ist das Schönste, was man sich wünschen kann.

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