Fassen Sie sich kurz!

Selbstmanagement:

Von Ron Ashkenas
8. Juni 2012

Stellen Sie sich vor: Im nächsten Meeting haben Sie nur 30 Sekunden statt der üblichen 30 Minuten, um Ihre Botschaft an die Zuhörer zu bringen. Wären Sie in der Lage, Ihre Energie zielgenau zu konzentrieren, um Ihren wichtigsten Gedanken zu vermitteln?

Um ehrlich zu sein, würden solche Einschränkungen die meisten von uns aus dem Konzept bringen. Aber die Fähigkeit, eine Idee so zuzuspitzen, dass wir sie schnell und effektiv kommunizieren können, wird immer wichtiger. In den meisten Unternehmen hat sich die Menge an Information vervielfacht. Gleichzeitig ist die Zeit für Analyse und Entscheidungsfindung geschrumpft. Wir können es uns schlicht nicht leisten, uns ewig durch Unmengen von Material zu wühlen und feinsinnige Argumente gegeneinander abzuwägen. Wir müssen so schnell wie möglich zum Kern eines Problems vorstoßen.

Ungeteilte Aufmerksamkeit: Mit einer klar vorgetragenen Botschaft folgt jeder Zuhörer
Corbis

Ungeteilte Aufmerksamkeit: Mit einer klar vorgetragenen Botschaft folgt jeder Zuhörer

Aber diese Konzentration auf den Kern ist nicht einfach. Ich saß einmal in einer langatmigen Präsentation, als der anwesende Topmanager den Vortragenden bat, seine Kernaussage in einem oder zwei Sätzen zusammenzufassen. Der Redner sah so aus wie ein Reh, das in den Scheinwerfer eines Autos blickt. Ohne seine Folien, Charts und Grafiken war er völlig verloren. Diese Requisiten überlagerten seinen gesamten Vortrag: Nach dem Meeting waren sich die Anwesenden einig, dass die Präsentation unklar gewesen war.

Warum fällt es vielen Menschen so schwer, auf den Punkt zu kommen? An einem Mangel an Vorbildern kann es nicht liegen: Wir werden ständig mit Schlagwörtern und Tweets konfrontiert, die letztlich kurze und konzentrierte Information vermitteln. Aber eine Präsentation in einen Tweet zu verwandeln, bleibt für viele ein Ding der Unmöglichkeit. Aus meiner Sicht gibt es zwei meist unbewußte Ursachen für dieses immer wiederkehrende Muster: Zu viel an Information und ein zu geringes Selbstbewusstsein.

Manager haben es oft mit Problemen zu tun, für die es keine eindeutige Lösung gibt. Das führt dazu, dass wir mehr und mehr Informationen sammeln. Irgendwann naht die Abgabefrist, und wir haben immer noch keine klare Antwort. Das Resultat: Wir präsentieren den Sachverhalt, zeigen Fakten, Grafiken und andere optische Leckerbissen in der Hoffnung, dass irgendjemand schon seine Schlüsse aus all dem ziehen wird.

Zur Person
Ron Ashkenas ist geschäftsführender Gesellschafter bei Schaffer Consulting und Mitverfasser der Bücher "The GE Work-Out" and "The Boundaryless Organization". Sein neustes Buch heißt "Simply Effective".

Aber auch wenn unsere Analyse zu einer klaren Schlussfolgerung führt, fehlt es vielen Managern an Selbstbewusstsein, diese Einschätzung zu formulieren und dahinter zu stehen. Denn was ist, wenn ein Vorgesetzter die Sache anders sieht? Wird die eigene Meinung jemanden verärgern? Wegen solcher Zweifel sichern sich viele von uns ab, vermeiden unangenehme Diskussionen und polstern die Präsentation mit soviel Beiwerk ab, dass die wahre Botschaft kaum noch sichtbar ist.

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Kommentare
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mayconsult 08.06.2012

KISS-Prinzip
Einstieg mit Elevator-Pitch, klare und strukturierte Aussagen, am Schluss die Handlungsaufforderung und ggf. Commitment

SummaSumSum 08.06.2012

140 Zeichen
Plenum: richtig, Danke Vortragender: schwierig Gegenchronologischer Ansatz ist insofern überflüssig, wenn die Schluss/-Kernthese fundiert steht. ----- Das sind meine 142 Zeichen. Hier sieht man, dass dabei (teils über Gebühr) verkürzt und Missdeutung riskiert wird. Mir ist schon bewusst, dass dabei die Twitterlänge nur als Idee zu verstehen ist. Der Autor selbst weisst auf die unzureichende Informationslage hin, die das täglich Brot von Entscheidern ist. Das Problem ist damit weniger die Länge sondern die Klarheit (auch Unsicherheiten zu benennen) und je nach Hierarchie eine Entscheidungsempfehlung abzugeben oder die Entscheidung zu treffen. Die Angst (?) davor im wahrsten Sinne "dumm dazustehen" wird wohl die meisten Menschen (besonders ausgeprägt in der Politik) zu nichtssagenen oder ausweichenden Floskeln treiben, um einen internen oder öffentlichen (neudeutsch) Shitstorm zu vermeiden. Ansonsten stinkt der Fisch vom Kopf her. Wenn Führung selbst ausweichend formuliert oder überbordende Präsentationen von Unternehmensberatern abfordert, dann werden die nachfolgenden Ebenen diese Form der Kommunikation als die von der Führung gewünschte Form identifizieren und sich daran ausrichten.

proffrans 08.06.2012

Erkennen Sie den Wert der Zeit !
Vielen Dank fuer Ihren Beitrag. Ich denke, dass die im Text genannten 30 Sekunden viel zu lange sind. Der erste Eindruck wird eigentlich schon nach 2 Sekunden gebildet. Wie funktioniert es denn meiner Meinung nach ? Man hat 5 bis 7 Sekunden Zeit, um die naechsten 30 Sekunden Aufmerksamkeit zu "verdienen". Das gilt auch fuer Kunden, die sich Ihre Internet-Seite als Unternehmen ansehen. Taeglich erhalten wir 3000 bis 4000 Nachrichten, der Auswahlprozess verlaeuft also superschnell. Das bedeutet, gut nachdenken ueber was man sagen will und viel ueben. Uebung macht, wie bekannt, den Meister ! Hier noch einige Gedanken zum Thema: http://www.fransvanderreep.com/2012/04/22/7-sekunden/ Prof. Frans van der Reep Niederlande

Christoph Krelle 09.06.2012

Richtig, beim ersten Eindruck ist von zwei bis drei Sekunden die Rede. Versuchen Sie mal, in zwei Sekunden eine Kernbotschaft zu formulieren, die sinnvoll ist und zum Thema passt. Ich glaube, mit 30 Sekunden ist man gut bedient. Unterdessen ergibt sich der erste Eindruck nicht nur aus der Aussage, die dabei den geringsten Anteil hat. Körpersprache und Stimme sind entscheidender als die Inhalte, wenn es darum geht, zu überzeugen. Kurze und eindeutige Sätze sind wichtig, um auf den Punkt zu bringen - Details werden nötig, wenn es Fragen gibt.

einmitdenker 13.06.2012

DANKE für den Beitrag - mir fehlt der Kontext
Der Autor macht leider keinen Unterschied zwischen DATEN und INFORMATIONEN! Wir ersaufen allgemein in DATEN wenn wir kein Ziel haben. Wir >eiern< herum, weil wir dann keine konsequenten Kriterien und Argumente entwickeln. Das Problem liegt in der unzureichenden bis fehlenden UNTERNEHMENS- und MITARBEITERFÜHRUNG. Das gilt insbesondere für die gegenwärtige Politik. Was fehlt sind präzise (smarte) Zielformulierungen. Eigentlich ein alter Hut! Eine kleine Provokation! Theodor Fontane (Deutscher Dichter) sagte: „Fakten sind egal. Es zählt nur wie sie dargestellt werden.“

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