So steigern Sie Ihr Gehalt

Karriere:

Von Amy Gallo
26. April 2012

Gehaltsverhandlungen können unangenehm sein: Sie wollen das Gehalt bekommen, das Sie wert sind. Auf der anderen Seite wollen Sie Ihren künftigen Arbeitgeber nicht verärgern oder ganz abschrecken. In einem schwierigen Arbeitsmarktumfeld ist die Situation noch komplizierter. Wenn es wenige Jobangebote gibt und viele Menschen Arbeit suchen, könnten Sie in Versuchung kommen, jedes noch so schlechte Stelle anzunehmen. Aber: Das ist selten die klügste Alternative.

Schwierige Verhandlungen: Sie müssen im richtigen Moment Druck machen
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Schwierige Verhandlungen: Sie müssen im richtigen Moment Druck machen

Was Experten raten

Sie sollten immer verhandeln, egal wie die Situation am Arbeitsmarkt aussieht. "Sagen Sie niemals einfach nur 'danke'", meint Katherine McGinn, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Harvard Business School und Mitautorin des Buches: "When Does Gender Matter in Negotiation?". Ein neuer Job, oder eine neue Position, ist eine Chance, Ihr Einkommen zu steigern. Eine Gelegenheit, die nicht allzu oft kommt. John Lees, Karriere-Berater und Autor des Buches "How to get a Job you'll love" sagt, dass Menschen nur selten während der ersten zwei Jahre in ihrem neuen Job die Gelegenheit für Nachverhandlungen haben.

Bereiten Sie sich auf die nächste Gehaltsverhandlung vor, indem Sie die folgenden Prinzipien beherzigen:

Haben Sie eine Alternative

"Den Ratschlag, den ich nach dem Studium bekam, lautete: Hab immer ein Angebot vom zweitbesten Arbeitgeber in der Hinterhand, wenn Du mit demjenigen verhandelst, der Dein Favorit ist", erzählt Danny Ertel, Mitgründer von Vantage Partners, eines auf Verhandlungen spezialisierten Beratungsunternehmen. Er ist Mitautor des Buches "The Point of the Deal: How to negotiate when yes is not enough". Natürlich ist das leichter gesagt als getan in einem schwierigen Arbeitsmarkt.

Wenn Sie keine Alternativen haben - entweder andere Angebote oder Ihren alten Job - haben Sie eine viel schlechtere Verhandlungsposition, sagt Professorin McGinn. "Sie müssen kreativ sein und zeigen, welchen Wert Sie für das Unternehmen darstellen". Sie müssen zum Beispiel erklären, warum Sie die perfekte Person für genau diesen Job sind, dass Sie die notwendigen Fähigkeiten und Erfahrungen haben, und dass Sie mehr als nur ein Durchschnittskandidat sind. "In Zeiten von Vollbeschäftigung suchen Arbeitgeber Menschen, die den Job erledigen können. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit suchen sie nach dem absolut besten Kandidaten für die Position", so McGinn.

Recherchieren Sie

Arbeitgeber legen Gehälter für neue Mitarbeiter danach fest, was sie anderen in ähnlichen Positionen zahlen und was sie glauben, dass die Konkurrenz ausgibt. Sie haben vielleicht auch ein festes Budget oder eine definierte Gehaltsspanne. Information bedeutet Macht in Verhandlungssituationen: Je mehr Sie über die Gegebenheiten in diesen Unternehmen wissen, desto besser. Erledigen Sie etwas Detektivarbeit. Suchen Sie im Internet nach Gehalts-Vergleichsseiten, um Informationen über das Unternehmen zu erhalten - und was es zahlt. Nutzen Sie Netzwerke wie Facebook, Xing oder LinkedIn - vielleicht kann Ihnen dort jemand sagen, was ein angemessenes Gehalt für den Job ist.

Vielleicht ist das jemand aus dem Unternehmen, dem Sie vertrauen. Oder ein Karriereberater, ein Headhunter oder ein Ansprechpartner in derselben Branche. Natürlich kann es etwas unangenehm sein, Freunde (oder entfernte Bekannte) direkt zu fragen, was sie in ähnlichen Positionen verdienen. Stattdessen könnten Sie fragen: "Was glaubst Du würde dieses Unternehmen für eine solche Position zahlen?" Vergleichen Sie die Antworten, die Sie bekommen. Verlassen Sie sich nicht auf eine einzelne Aussage oder eine Informationsquelle.

Nutzen Sie diese Informationen, um Ihre eigenen Ziele festzulegen - und um die Ihres Gegenübers im Vorstellungsgespräch zu kennen. Ein guter Personaler wird Sie fragen, was Sie mindestens verdienen wollen. Antworten Sie ehrlich. Der Arbeitgeber muss wissen, ob Sie in dem Bereich liegen, den er zu zahlen bereit ist. Falls nicht, ist alles weitere Zeitverschwendung - für das Unternehmen, aber auch für Sie. Wenn Sie der Topkandidat für die Position sind, werden die meisten Unternehmen einiges dafür tun, um sich mit Ihnen auch beim Gehalt zu einigen.

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Kommentare
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Unregistriert 26.04.2012

Entsendung
Hallo zusammen, bei meiner Verhandlung für die Zeit im Ausland habe ich zunächst ein "schlechtes" Angebot bekommen. Ich denke mein Arbeitgeber wollte einfach testen, ob ich gut informiert bin oder nicht. Da ich zuvor mit vielen Freunden (zum Teil auch Headhunter) gesprochen habe, wusste ich, was gefordert werden kann. Worüber ich hier gern sprechen würde ist die sog. "Macht der ersten Zahl" - mein Vorgesetzter hat damals nicht gefragt, sondern mir zuerst ein Angebot gemacht. Als ich das auf meine Art ablehnte, fragte er, was ich mir vorstelle. Im Vergleich zu seinem Angebot jedoch sah das obere Ende meiner Spanne unrealistisch hoch aus. Am Ende habe ich ein Gehalt am unteren Ende meiner Spanne bekommen und war schlussendlich zufrieden. Ich bin mir sicher, dass mein Vorgesetzter auch zufrieden war, da er weniger zahlte. Frage ist, wie man am besten darauf reagieren kann, wenn man gleich am Anfang ein Angebot bekommt, das etwas unter den eigenen Vorstellungen / dem Marktdurchschnitt liegt? Gruss H

uschibhatt 17.04.2016

Für mich persönlich hat die folgende Verhandlungsstrategie bei mehreren Jobwechseln stets gut funktioniert: 1. Gefordertes Einstiegsgehalt (Monatsbruttogehalt) beim neuen Arbeitgeber moderat über dem Gehalt beim aktuellen Arbeitgeber (ca. 3% mehr) 2. Erhöhung des Monatsbruttogehalts um ca. 3% nach erfolgreicher Einarbeitung und Ende der Probezeit (Arbeitgeber konnte testen, dass ich geeignet bin für die gestellten Anforderungen) 3. Nochmalige Erhöhung des Monatsbruttogehalts um weitere ca. 5% nach dem 1. Jahr bei Zielerreichung (volle Einarbeitung und voller "Nutzwert" für das Unternehmen ist gewährleistet) Die "stufenweise Gehaltsanpassungen" nach Probezeit und 1. Jahr muss selbstverständlich schriftlich im Arbeitsvertrag festgehalten werden. Die "Zielerreichung" nach dem 1. Jahr muss natürlich genau formuliert sein. Der mitrechnende Leser wird festgestellt haben, dass mein "Gehaltsvorschlag" insgesamt ein Plus von 11 % zur vorherigen Stelle ergibt. Diese Strategie lässt nämlich noch "Spielraum nach unten", da der künftige Arbeitgeber einem evtl. "herunterhandelt". Gibt man in jeder "Stufe" um jeweils 2% nach, verbleibt dennoch ein Gehaltsplus von 5% gegenüber der letzten Stelle. Beim "Nachgeben" verfolge ich dann die Strategie, für den Arbeitgeber "billigere" Leistungen auszuhandeln, für die keine "höheren" Sozialabgaben anfallen: z. B. nur 2% mehr Einstiegsgehalt, 1% mehr nach der Probezeit, nur 2 % mehr nach 1. Jahr ABER stattdessen (da fällt jedem für sich selbst sicher einiges ein) bezahltes Jobticket/Fahrtkostenzuschuss / Bahncard 100 1. Klasse für Dienstreisen, aber auch zur privaten Nutzung / 5 Tage bezahlten Bildungsurlaub zusätzlich pro Jahr/ bezahlte beruflich weiterqualifizierende Qualifikation (durch entsprechend teuere Seminare / Prüfungen, oftmals bis ca. 10.000 €) / 1 Tag Home-Office pro Woche /Kindergartenzuschuss / Zahnerhaltzusatzversicherung bezahlt vom Arbeitgeber etc. pp., Aufstockung der betrieblichen Altersvorsorge um X% des von mir als Arbeitnehmer per Entgeltumwandlung eingebrachten Betrages usw.

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