Wie Sie Prioritäten richtig setzen

Selbstmanagement:

Von Tony Schwartz
12. März 2012

Ich saß mit dem CEO und dem Führungsteam eines renommierten Unternehmens zusammen. Einer nach dem anderen beklagten sich die Manager, dass sie die Arbeitstage mit einer Sitzungen nach der anderen verbrachten, E-Mails beantworteten oder bei dringenden Problemen den Feuerwehrmann spielen mussten. Sie räumten bereitwillig ein: Diese Arbeitsweise war alles andere als optimal - weder für sie persönlich noch aus einer professionellen Perspektive.

Auszeit: Ab und zu sollten Sie sich Zeit für sich nehmen.
Corbis

Auszeit: Ab und zu sollten Sie sich Zeit für sich nehmen.

Dieses Rätsel schienen sie nicht lösen zu können. Es ist auch ein Thema, von dem ich täglich neue Varianten höre. Stellen Sie es sich als eine Art Teufelskreis vor. Wir reagieren auf das, was vor unserer Nase ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob das jetzt wirklich wichtig ist oder nicht. Mehr denn je gilt: Wir sind Gefangene des Dringlichen.

Prioritäten zu setzen erfordert Reflektion. Das braucht Zeit. Viele der Manager, mit denen ich zu tun habe, sind so beschäftigt, dass sie glauben: Ich habe keine Zeit, um inne zu halten und nachzudenken.

Viel zu oft - und mit einer Spur Masochismus - sagen sie ohne Widerstand "Ja". Wenn jemand etwas will, fühlt sich ein "Ja" sicherer an. Es vermeidet den Konflikt und benötigt weniger Zeit, als inne zu halten und zu überlegen, ob diese Aufgabe wirklich wichtig ist.

Um ehrlich zu sein: Es gibt uns auch einen Adrenalin-Kick, wenn wir "Ja" sagen. Viele von uns sind unwissentlich süchtig geworden nach dem Leben in Höchstgeschwindigkeit - nach dem Adrenalinrausch durch ständige Beschäftigung. Irrtümlicherweise halten wir Aktivität für Produktivität, je mehr desto besser. Wir fragen uns viel öfter "Und was jetzt?" als "Warum das?". Aber wie schon Gandhi sagte: "Ein 'Nein' aus tiefster Überzeugung ist besser als ein 'Ja', um zu gefallen, oder noch schlimmer: um Ärger zu vermeiden."

Ein umsichtiges "Nein" könnte die meist unterschätzte Leistung unserer Zeit sein. In einer Welt unerbittlicher Beanspruchung und unbegrenzter Optionen sind wir gut beraten, Prioritäten auf die Ziele zu legen, die die größten Werte schaffen. Das schließt auch die Entscheidung mit ein, anderen Dingen weniger Zeit zu widmen oder sich gar nicht mehr mit ihnen zu beschäftigen.

Vier Praktiken für ein bewußteres Leben

Damit wir diese Entscheidungen treffen können, müssen wir uns von Zeit zu Zeit eine Auszeit nehmen von der Hektik des Alltags. Nur wenn wir uns selbst eine Pause zugestehen - wenn wir "Nein" sagen zu der nächsten Bitte oder einer verführerischen Quelle sofortiger Befriedigung - haben wir genug Raum zum Nachdenken, um Dinge zu verarbeiten, zu beurteilen oder zu verstehen, was wir gerade erlebt haben.

Zum Autor
Tony Schwartz ist Präsident und CEO von The Energy Project und der Autor des Buches Be Excellent at Anything. Werden Sie ein Fan von The Energy Project auf Facebook und folgen Sie ihm auf Twitter.com/TonySchwartz und Twitter.com/Energy_Project.
Sich Zeit zu nehmen erlaubt auch, uns zu sammeln, aufzutanken und zu erholen. Dann können wir bewusste Kurskorrekturen vornehmen, die uns Zeit sparen, wenn wir uns zurückstürzen in den Kampf.

Hier sind vier simple Praktiken, die einem bewußtem Leben mit mehr Prioritäten dienen:

1. Tragen Sie in Ihren Kalender alles ein, was Ihnen wichtig vorkommt, aber nicht dringend ist - um es mit Steven Coveys Worten zu sagen. Wenn sich eine Aufgabe dringend anfühlt, werden Sie sie sehr wahrscheinlich rechtzeitig erledigen. Wenn es aber etwas ist, das Sie loswerden können, werden Sie das wahrscheinlich tun - besonders, wenn es etwas Herausforderndes ist.

Der Schüssel zum Erfolg sind Rituale - sehr spezifische Dinge, die Sie zu bestimmten Zeiten tun. Mit der Zeit werden diese Dinge zu Automatismen, Sie brauchen kaum mehr Willenskraft oder Energie dafür. Ein Beispiel ist, in Ihrem Kalender feste Zeiten für Brainstorming zu reservieren, oder für mehr strategische und langfristige Planung.

Mein neuestes Ritual: Jeden Abend nach dem Essen bin ich komplett offline, zusätzlich an den Wochenenden. Ich mache das erst seit rund zwei Wochen, aber schon jetzt weiß ich - ich habe mehr Zeit zum Denken gewonnen.

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