Wenn der Kollege zum Feind wird

23. Februar 2012
Probleme mit Kollegen: Die richtigen Techniken können helfen.
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Probleme mit Kollegen: Die richtigen Techniken können helfen.

3. Teil: Strategien für ein besseres Miteinander

Verbringen Sie mehr Zeit mit Ihren Feinden

"Eine der besten Strategien mit jemandem besser klarzukommen, den Sie bisher nicht leiden konnten, besteht darin, zusammen an einem Projekt zu arbeiten, das Koordination erfordert", sagt Sutton. Das mag sich überraschend anhören, denn am liebsten würden Sie ja schreiend aus dem Büro rennen, wenn diese andere Person da ist. Aber indem Sie zusammen arbeiten, können Sie ihn oder sie besser verstehen und vielleicht sogar ein wenig Empathie entwickeln. "Vielleicht spüren Sie dann Mitgefühl anstelle von Irritation", sagt Goleman. Sie könnten entdecken, dass es Gründe für seine oder ihre Verhaltensweisen gibt: Stress zu Hause, Druck vom Vorgesetzten, oder vielleicht hat er schon versucht das zu tun, was Sie erwarten, und ist dabei gescheitert. Mehr Zeit mit Ihrem Feind zu verbringen wird Ihnen auch Gelegenheiten verschaffen, mehr positive Erfahrungen mit diesem Menschen zu machen. Aber bevor Sie sich jetzt freiwillig melden, eine Arbeitsgruppe mit jemanden zu leiten, den Sie nicht ausstehen können: Es gibt eine Ausnahme. "Wenn es sich um jemanden handelt, der Ihren Sinn für Anstand und Moral verletzt, ist Abstand keine schlechte Idee", empfiehlt Sutton.

Geben Sie Feedback

Wenn das alles nicht funktioniert hat, sollten Sie überlegen, mit Ihrem Kollegen ein klärendes Gespräch zu führen. Es könnte sein, dass die Sache, die Sie ärgert, Ihrem Gegenüber immer wieder im Berufsleben schadet. "Gehen Sie nicht davon aus, dass die Person weiß, wie sie auf andere wirkt", sagt Sutton. Natürlich sollte das Gespräch nicht zu einer Tirade ausarten, in der Sie alles ausbreiten, was Sie an der anderen Person stört. Konzentrieren Sie sich auf Verhaltensweisen, die Ihr Gegenüber beeinflussen kann und erklären Sie, wie dieses Verhalten Sie und ihre gemeinsame Arbeit beeinflusst. Wenn Sie sorgsam vorgehen, kann so ein Gespräch die Selbstwahrnehmung der anderen Person und ihre Produktivität verbessern.

Aber seien Sie vorsichtig: Goleman schreibt, dass es bei der Frage, ob Feedback sinnvoll ist, auf zweierlei ankommt: "Wie geschickt sind Sie als Kommunikator, und wie aufnahmebereit ist die andere Person?" Wenn Sie glauben, dass Ihr Gegenüber offen ist und dass sie ein zivilisiertes Gespräch über Arbeitsprobleme führen können, dann versuchen Sie es und treten Sie umsichtig auf. Wenn es aber eine Person ist, vor der Sie glauben, dass sie rachsüchtig oder aggressiv reagiert, oder das Gespräch in eine persönliche Auseinandersetzung verwandelt, riskieren Sie es lieber nicht. "Die Gefahr beim emotionalen Feedback ist, dass Leute es persönlich nehmen und die Sache eskaliert", sagt Goleman. Sie selbst müssen auch offen für Feedback sein. Wenn Sie jemanden nicht ausstehen können, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass derjenige von Ihnen auch nicht sonderlich begeistert ist.

Schaffen Sie emotionale Distanz

In Situationen, in denen es weder vor noch zurück geht und in denen Sie kein Feedback geben können, empfiehlt Sutton folgendes: "Sie sollten die Kunst der emotionalen Distanz praktizieren, oder sich einfach sagen: Das ist mir total egal." Indem Sie die irritierenden Verhaltensweisen ignorieren, neutralisieren Sie diese. "Wenn diese Person ein Ärgernis ist, aber Sie den Ärger nicht spüren, gibt es kein Problem mehr", erklärt Goleman. Diese Art der "kognitiven Neuausrichtung" kann effektiv sein in Situationen, in denen Sie wenig bis gar keine Kontrolle mehr haben.

Artikel
Kommentare
3
Unregistriert 23.02.2012

Entspannungsübungen
Wenn der unausstehliche Kollege sich erst jetzt so verhält, weil er selbst als Vorgesetzter unter Druck steht, dann sind Entspannungsübungen ein langfristig unerträglicher Mehraufwand für einen selbst ! Besser - falls einigermaßen unkompliziert - ist es den Job bzw die Firma zu wechseln.

Unregistriert 24.02.2012

Wenn der Kollege zum Feind wird ...
Ein langes und schwieriges Thema und eigentlich Chefsache. Aber der Wechsel in eine andere Firma ist auch nicht nur angenehm. Man muss damit rechnen, dass man auch dort erst einmal die Dreckarbeit zu übernehmen hat, die sonst keiner machen will, und das unter den erschwerten Bedingungen des Neuanfangs. Insofern kann es auch helfen, die Belegschaftsvertretung einzuschalten, für was gibt es Sprecherausschüsse.

Unregistriert 11.03.2012

Ich habe seit ca. 1 Jahr eine unausstehliche Kollegin, bzw. ehemals Vorgesetzte. Anfeindungen ignorieren, auf Emails nicht antworten, trotzdem immer anständig guten Morgen sagen ist zwar eine anstrengende Variante, aber hilft ungemein, sich die Kollegin vom Leib zu halten. Der Versuch gemeinsam ein Projekt zu stämmen ist kläglich gescheitert und auch ein klärendes Gespräch ist ekaliert, das hat den Konflikt noch verhärtet und mein Bild über die Kollegin noch verschlimmert. Meine Strategie daher: Ignoranz!

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