Der neue Kapitalismus beginnt vor der Haustür

25. Januar 2012

2. Teil: Es geht nicht um Philanthropie

Es reicht nicht mehr aus, nur die Interessen von Kunden, Mitarbeitern und Aktionären zu berücksichtigen. Als Unternehmer in dieser Welt ist es unsere Verantwortung - sogar unsere Pflicht - Nutzen für die Gemeinden zu stiften, in denen wir Geschäfte machen. Zum Beispiel indem wir dazu beitragen, die Qualität der Bildung, das Einkommen, die Gesundheitsversorgung, die Sicherheit und das gesamte tägliche Leben der Bürger zu verbessern. Dazu zählen auch die Zukunftsperspektiven der Menschen.

Zur Person
Howard Schultz ist Vorstandsvorsitzender und Verwaltungsratschef der Kaffeekette Starbucks. Zuvor arbeitete er im Küchengeräte-Großhandel. 1982 stieg er bei Starbucks ein. Fünf Jahre später übernahm er das Unternehmen und machte es zum globalen Marktführer.
Wir müssen nicht deshalb handeln, weil es eine gute Sache ist, zu einem positiven Wandel beizutragen. Die eskalierende Vertrauens-Krise rund um den Globus ist ein Phänomen, das nicht nur mit der globalen Finanzkrise verbunden ist. Es geht auch um die Unsicherheit, die viele Regierungen umgibt - von den Übergangs-Demokratien des Nahen Ostens, Europas schuldengeplagten Staaten bis zur Unfähigkeit der USA, ihre eigenen, sehr ernsten Probleme gemeinschaftlich zu lösen. Politikern sind nicht in der Lage, die Bedürfnisse ihrer Bürger zufriedenzustellen und die schwankende Wirtschaft zu stabilisieren. In dieser Lage müssen private Organisationen einspringen.

Die Lösungen liegen nicht auf der Hand. Schecks für wohltätige Zwecke zu schreiben, wird nicht ausreichen. Wir müssen grundsätzlicher vorgehen. Wir müssen dieselbe Kreativität und dieselben Ressourcen für unser Umfeld einsetzen, die wir für unsere Produkte aufwenden. Wir müssen uns fragen, wie wir die realen Bedürfnisse von Kommunen erfüllen können. Und dies in einer Art und Weise, die einen Bezug hat zu unserem Geschäft. Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen, kosteneffektiv arbeiten und ja - auch potenziell profitabel.

Noch einmal: Es geht nicht um Philanthropie. Auch wenn wir es durch die kapitalistische Brille betrachten, ist es eine gute Strategie, den Charakter der Beziehung zwischen Unternehmen und Gemeinden grundlegend zu erneuern. Wenn Manager weiter an der traditionellen und eindimensionalen Sichtweise festhalten, dass ihre Verantwortung nur darin besteht, Profit zu machen, werden sie feststellen: Dieses Ziel ist nicht nur hohl, sondern auch nicht nachhaltig. Immer mehr sind Werte die entscheidende Grundlage für die Loyalität von Konsumenten und Mitarbeitern. Toptalente werden zu den Unternehmen gehen, deren Werte mit ihren eigenen kompatibel sind - und dann wird sich auch der finanzielle Erfolg einstellen.

Kurzum: Die Zeit für Unternehmen ist gekommen, ihre Zeit, ihre Produkte, Expertise und Werte auf innovative Weise einzusetzen. Zwei aktuelle Initiativen von Starbucks sind Beispiele für diesen Punkt.

Artikel
Kommentare
1
Anton Tifanor 02.02.2012

Die positive Seite der Gier des Menschen
Lesenswert und "nachdenkenswert" http://seneca-vision.de/klaus-peters/blog-klaus-peters-seneca-vision/item/3-die-positive-seite-der-gier.html

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