Weg mit den Managern!

Organisation:

23. Dezember 2011

Was wäre, wenn eine Organisation keinen Chef hätte, die Mitarbeiter Zuständigkeiten untereinander aushändeln könnten, jeder Geld des Unternehmens ausgeben darf und es keine Karriereleiter gäbe? Ist das reine Utopie?

Abgestimmt: Bei dem US-Tomatenverarbeiter Morning Star handeln die Beschäftigten für jede Aufgabe operative Pläne aus.

Abgestimmt: Bei dem US-Tomatenverarbeiter Morning Star handeln die Beschäftigten für jede Aufgabe operative Pläne aus.

Keineswegs, meint Gary Hamel und machte ein Unternehmen ausfindig, in dem alles anders gemacht wird. Das US-Unternehmen Morning Star aus dem kalifornischen Woodland ist der größte Tomatenverabeiter der Welt, mit einem jährlichen Umsatz von rund 700 Millionen US-Dollar und zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn. Bei Morning Star gibt es keine Vorgesetzen. Die Beschäftigten handeln Verträge mit den Kollegen und Lieferanten aus, jeder Mitarbeiter ist auch dafür verantwortlich, alles für die eigene Arbeit Nötige selbst zu besorgen. So ist ein Unternehmen entstanden, indem alle Teammitglieder "selbstbestimmte Beschäftigte sind, die Kommunikation und Koordination mit ihren Kollegen, Kunden, Lieferanten und Branchenkollegen ohne Vorgaben von anderen selbst in die Hand nehmen."

Wie diese Selbstorganisation genau funktioniert, hat Hamel in seinem Beitrag beschrieben. Er interviewte den Firmengründer Chris Rufer, viele Mitarbeiter und schaute sich die Produktions- und Arbeitsprozesse in einer der Tomatenfabriken vor Ort an. "Morning Star ist eines der erfreulichsten und ungewöhnlichsten Unternehmen, die ich je gesehen habe" sagt Hamel. Er erfuhr, dass der Stolz der Mitarbeiter auf ihr Unternehmen eine große Rolle spielte. Wie Konflikte von Kollegen untereinander gelöst wurden, und warum die Bezahlung keine so große Rolle spielt.

Morning Star ist eines der besten Beispiele für die Verwirklichung der Ideen für ein neues Management, wie sie Hamel bereits 2009 im Harvard Business Manager und in seinem Buch ""Das Ende des Managements" veröffentlichte.

Doch nicht nur aus den USA sondern auch aus Deutschland kommen Beispiele für Selbstorganisation und Eigenverantwortung. Wir stellen in der Januar-Ausgabe fünf davon vor. Bestellen Sie das Heft online oder holen Sie es sich am Kiosk - es lohnt sich!

Info:
Gary Hamel leitet die Internetplattform "Management Innovation eXchange". Er hat einen Wettbewerb ins Leben gerufen und sucht Konzepte für das Management ohne Manager.


Audio: Gary Hamel im Interview mit der Harvard Business Review

Artikel
Kommentare
2
Hans 23.12.2011

Ricardo Semler ...
... drehte in den 80ern nach der Übernahme der Leitung von seinem Vater das brasilianische Unternehmen SEMCO durch den Fleischwolf und machte es "sozial und demokratisch". Er schrieb alles auf in seinem Buch "Das Semco System: Management ohne Manager. Das neue revolutionäre Führungsmodell". Lesenswert. Hans Steup, Berlin

frank.arens 27.12.2011

Morning Star / Utopia
Hauptmotiv für eine mögliche Umsetzung dieser Unternehmensphilosophie ist für viele Leser sicherlich die Option Kosten nennenswert zu senken. Der Beweis, dass das Unternehmen Morning Star aus Kalifornien höhere Gewinne erzielt als „herkömmliche“ Unternehmen bleibt der Autor indes schuldig. Es handele sich nicht um ein Unternehmen, dessen Zahlenwerk zugänglich sei. Da aber die Hauptmotivation einer derartigen Unternehmensrestrukturierung eine Gewinnerhöhung, Kostensenkung oder Wertsteigerung sein soll, muss diese auch –zumindest überschlägig- zu kalkulieren sein. Hauptkritikpunkt ist für mich jedoch, dass es nur äußerst rudimentäre Vorstellungen darüber gibt, wie denn eine solche Unternehmenskultur in ein bestehendes Unternehmen implementiert werden könnte. In der Regel muss eine derartige Innovation immer von den Menschen begleitet werden, die dann auf ihre Funktion, auf ihren Arbeitsplatz oder ihre Perspektive verzichten müssen. Wie soll so etwas jemals funktionieren? Und: Da die Kostenvorteile überhaupt nicht belegt werden können: Warum sollte so eine „Operation am offenen Herzen“ überhaupt gewagt werden?

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