Konstruktive Kritik gibt es nicht

Kommunikation:

Von Tony Schwartz
16. Dezember 2011

Diese Frage schlägt Ihnen bestimmt auf den Magen: "Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich Ihnen ein Feedback gebe?"

Tatsächlich bedeutet dieser Satz: "Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich Ihnen negatives Feedback gebe? Verpackt als konstruktive Kritik? Egal ob Sie das wollen oder nicht?"

Vorsicht: Selbst Feedback mit den besten Absichten kann bedrohlich wirken.
Corbis

Vorsicht: Selbst Feedback mit den besten Absichten kann bedrohlich wirken.

Das Problem mit Kritik ist, dass sie unser Selbstwertgefühl in Frage stellt. Kritik setzt ein Urteil voraus. Uns allen widerstrebt es, beurteilt zu werden. Wie Daniel Goleman geschrieben hat: Ist unsere Selbstachtung in den Augen anderer gefährdet, fühlt sich das schnell so an, als sei unser ganzes Leben bedroht.

Das rätselhafte ist: Feedback ist notwendig. Es ist von elementarer Bedeutung, damit wir lernen und uns weiterentwickeln können. Was ist also der beste und sinnvollste Weg, Rückmeldung zu geben - das bedeutet, dass der Empfänger es voll und ganz aufnimmt und danach handelt?

Ich denke, es gibt drei grundlegende Verhaltensweisen. Jede von ihnen basiert auf der Erkenntnis, dass es oft weniger wichtig ist, was wir sagen, als wie wir es sagen.

1. Der erste Fehler, den wir oft begehen, ist der folgende: Wir geben dann Feedback, wenn wir glauben, unser eigenes Ansehen sei in Gefahr. Diese Strategie führt in die Katastrophe. Und so etwas passiert öfter, als wir glauben oder es wahrnehmen.

Wenn wir uns durch die Fehler anderer bedroht fühlen oder herabgesetzt, ist "konstruktive Kritik" sekundär: Wichtiger ist uns dann, dass wir unser Ansehen wiederherstellen. Wir schlagen zurück, sind unsensibel und sogar verletzend.

Zum Autor
Tony Schwartz ist Präsident und CEO von The Energy Project und der Autor des Buches Be Excellent at Anything. Werden Sie ein Fan von The Energy Project auf Facebook und folgen Sie ihm auf Twitter.com/TonySchwartz und Twitter.com/Energy_Project.
Falls es um uns geht, geht es eigentlich nicht um die anderen. Wenn wir mit dem Ziel Feedback geben, dass jemand sich besser auf unsere Bedürfnisse einstellt, und nicht andersherum, werden wir das gewünschte Ziel kaum erreichen.

Ein klassisches Beispiel ist ein Vater oder eine Mutter, die ihr Selbstwertgefühl von der Leistung ihres Kindes abhängig macht. Dann reagiert er oder sie auf Misserfolge des Kindes mit Strenge und Schuldzuweisung, anstatt mit Sensibilität und Mitgefühl.

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