Kampf dem Kontrollwahn

Selbstmanagement:

Von Ron Ashkenas
9. Dezember 2011

In den vergangenen Jahrzehnten habe ich mit Hunderten von Managern zusammengearbeitet. Viele von ihnen beklagten sich über Mikromanagement: Ihr Vorgesetzter sei ein kontrollwütiger Erbsenzähler. Merkwürdigerweise erinnere ich mich aber an niemanden, der zugab: Ich bin selbst so.

Führung: Zu viel Kontrolle schadet nur
Corbis

Führung: Zu viel Kontrolle schadet nur

An diese Diskrepanz musste ich denken, als ich mit einer Gruppe von Topmanagern eines Fertigungsbereichs in einem Konzern arbeitete. Ihr Ziel war es, die Prozesse des betrieblichen Berichtswesens effizienter zu machen. Während des Meetings listete das Team die verschiedenen monatlichen Berichte und die dazugehörigen Besprechungen auf.

Durch die Diskussion wurde klar, dass die Mitarbeiter dieselben Daten wieder und wieder durch die Mangel drehten und in verschiedene Formate brachten. Dann kontrollierte eine Vielzahl von Managern diese Daten wieder und wieder auf verschiedenen Hierarchie-Ebenen. Zusätzlich erstellten die Beteiligten Zwischenberichte, um spezielle Fragen zu beantworten, die sich aus den normalen Berichten ergeben hatten. Mit anderen Worten: Das Berichtswesen war ausgeufert und verschlang viel Zeit und Ressourcen.

Keiner der Topmanager hielt diese Arbeitsweise für produktiv. Und sie alle wussten, dass ihre Mitarbeiter sich gegängelt und kontrolliert fühlten. Gleichzeitig hielt sich niemand für das Problem persönlich verantwortlich. Diese mühevolle und kostspielige Kultur der übertriebenen Kontrolle hatte sich entwickelt, ohne dass es jemand gewollt hatte.

Niemand wacht morgens auf und entscheidet sich bewusst für Mikromanagement.

Warum fühlen sich dann dennoch viele Leute in übertriebener Weise kontrolliert? Ich denke, dafür sind zwei meist unbewusste Ursachen verantwortlich:

Unsicherheit. Wenn Manager die Karriereleiter heraufsteigen, fürchten sie oft, den Kontakt zum Tagesgeschäft des Unternehmens zu verlieren. Sie beginnen, sich isoliert zu fühlen, weil sie weniger Kundenkontakt haben. Sie begegnen dieser Unsicherheit, indem sie mehr Information in jeder möglichen Art und Weise einfordern: durch Berichte, Sitzungen und Einzelgespräche. Das alles ist durch diese spezifische Unsicherheit motiviert und zu einem großen Teil ungeplant. Am Ende analysieren Manager verschiedener Hierarchieebenen und mit verschiedenen Aufgabenbereichen dieselben Daten in immer anderer Form.

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