Wie Kreativität funktioniert

Selbstmanagement:

Von Tony Schwartz
25. November 2011

Schon als Kind wollte ich etwas Kreatives tun, um mich von anderen zu unterscheiden. Ich glaubte auch, dass Kreativität etwas Magisches und zugleich durch die Gene bestimmt sei. Bereits mit acht Jahren probierte ich verschiedene Kunstgattungen aus, eine nach der anderen. Ich wollte wissen, ob ich eine besondere Begabung hatte.

Schließlich wurde ich Journalist. Viele Jahre lang erzählte ich die Geschichten anderer Leute. Ich war erfolgreich, aber ich fühlte mich nur selten wirklich kreativ.

Den ersten Hinweis, dass ich mir selbst vielleicht zu wenig zugetraut hatte, erhielt ich Mitte der 90er Jahre. Bei den Recherchen zu dem Buch "What Really Matters, Searching for Wisdom in America" nahm ich an einem fünftägigen Zeichenkurs teil. Leiterin war Betty Edwards, die Autorin von "Drawing on the Right Side of the Brain".

Als Betty Edwards das Selbstportrait sah, das ich am ersten Tag gemalt hatte, lächelte sie. Meine künstlerische Entwicklung sei irgendwo auf dem Niveau eines Sechsjährigen geblieben, sagte sie sanft. Und beeilte sich hinzuzufügen: Dies sei kein Beweis für fehlendes Talent, sondern für fehlende Übung.

Zum Autor
Tony Schwartz ist Präsident und CEO von The Energy Project und der Autor des Buches Be Excellent at Anything. Werden Sie ein Fan von The Energy Project auf Facebook und folgen Sie ihm auf Twitter.com/TonySchwartz und Twitter.com/Energy_Project.
Schon von klein auf bringt man uns in der Schule bei, die logischen, sprach-basierten rationalen Fähigkeiten der linken Hälfte unseres Gehirns zu entwickeln, die zielorientiert ist und begierig darauf, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die linke Gehirnhälfte entwickelt Kategorien für Dinge, um ihre Komplexität zu verringern. Eine Nase ist beispielsweise wie die andere. Wenn wir eine Nase zeichnen sollen, greifen wir auf das Symbol zurück, das wir im Kopf für Nase haben und reproduzieren es.

Im Gegensatz dazu funktioniert die rechte Gehirnhälfte eher visuell als sprachlich. Sie erkennt mehr Details und Nuancen als die linke Gehirnhälfte. Sie taucht hinab in das, was tatsächlich dort ist, in all seinem Reichtum. Betty Edwards sagte uns: "Sobald Ihr gelernt habt, das zu tun, ist es ein Leichtes, zu malen, was Ihr seht."

Am fünften und letzten Tag des Kurses war ich in der Lage, ein Selbstportrait zu malen, das ohne Zweifel mich darstellte und überraschend realistisch war. Nach einigen Monaten Übung konnte ich mich selbst mit einer beachtlichen Kunstfertigkeit und sogar Ausdruckskraft darstellen. Ich hatte tatsächlich damit begonnen, eine völlig neue und nonverbale Sprache zu erlernen.

Aber was hatte das alles zu tun mit Kreativität? Eine ganze Menge.

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Frank Michael Kraft 25.11.2011

Muster der Wissensarbeit
Ich denke es gibt nicht nur ein Muster der Kreativität. Das hier ist sehr schön beschrieben und das kann ich bestätigen. Aber es gibt meiner Meinung nach noch viel mehr Muster der Wissensarbeit generell - wobei ich als Wissensarbeiter jemanden definiere, dessen Hauptaufgabe darin besteht Wissen zu sammeln, zu verarbeiten, zu produzieren und/oder zu verteilen. Ich habe intuitiv etwa 20 Muster der Wissensarbeit identifiziert, die ich in die Gruppen I - Wahrnehmen und sammeln. II - Planen und Priorisieren III - Ausführen IV - Nacharbeiten einteile. In jeder Gruppe finden nichtkreative und kreative Prozesse statt. Der Sinn dieser Muster ist es Tools zu entwickeln, die die Wissensarbeit besser unterstützen können.

Eta S. 25.11.2011

Viele Unternehmen sind zu introvertiert
Guten Tag sehr geehrte Damen und Herren, seit geraumer Zeit wird intensiver denn je auf Kreativität in Unternehmen und vor allem in Führungspositionen hingewiesen. Zahlreiche Beiträge und Diskussionen über die signifikante Bedeutung der Kombination von analytischer Vorgehensweise und kreativen "Um"wegen. Allerdings ist es in der Praxis leider ganz anders als in den ganzen Berichten. In der Theorie wird dieses Thema oftmals befürwortet und "angestrebt" - in der Praxis allerdings sieht das leider ganz anders aus. Wie ich zu dieser Feststellung komme, erkläre ich Ihnen gerne wie folgt: Während meiner Jugendzeit habe ich schon den Traum gehegt, später mal im Berufsleben im Managementbereich tätig zu werden bzw. ein "großer" Manager zu werden. Ein Ziel vor Augen zu haben und dieses im Sinne des Unternehmens, mit einem Team kompetent und erfolgreich zu erreichen. Die Führung und gleichzeitig Verantwortung zu übernehmen - um den Mitstreitern auf dem Markt immer einen (am besten mehrere Schritte) Schritt voraus zu sein. Nach der 10. Klasse habe ich zuerst ein Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung besucht - und anschließend ein Berufskolleg für Gestaltung und Technik. Ich hab mir damals gesagt, dass ich ein "anderer, ein neuer Manager werde". Ich werde genau das kombinieren und mir aneignen, was bei vielen nicht so stark ausgeprägt ist. Ich stand nun vor der Wahl - International Business studieren und dann Design? Oder umgekehrt ? Ich hatte mich entschieden zuerst Design zu studieren. Warum ? Ein Designer lernt den Kunden bzw. die Kunden - und Unternehmenswünsche von einer ganz anderen Seite kennen als ein "BWL"ler z.B. Es geht um Ästhetik, Einfühlungsvermögen um den Geschmack zu treffen, es geht nicht um Zahlen, die etwas belegen sondern vielmehr darum den Gegenüber zu verstehen. Wie er etwas attraktiv und gleichzeitig praktisch und funktionell findet. Während meines Medien Design/Marketing Management Studiums habe ich mir viel Wissen rund um das Thema Management, Unternehmensführung usw. angeeignet - in Theorie als auch in Praxis . Zudem habe ich in Maastricht (Niederlande) International Business Management and languages studiert. Ich habe viele Berufe parallel ausgeübt, das bedeutet während meiner Schul - und Studienzeit 2-3 Jobs gleichzeitig gehabt und dementsprechend durch effektives Selbstmanagement die Arbeitszeiten und Aufgaben so verlegt, dass ich allem gerecht werden konnte. Auch Positionen mit Personalverantwortung habe ich "geniessen" dürfen. Überstunden, Internationale Mobilität, den richtigen Ton zum angemessen Zeitpunkt all dies und viele weitere notwendige Eigenschaften habe ich mir zielstrebig angeeignet. An mir gefeilt und gearbeitet um meinem Traumjob gerecht zu werden. Ich möchte Ihnen nicht meine gesamte Lebensgeschichte erzählen und auch kein Mitleid erwecken. Aber es frustriert mich ein wenig, dass so oft über junge Talente und Nachwuchs gesprochen wird und über Kreativität usw., aber in der Praxis sieht es anders aus. Mit meinem Werdegang bezüglich meiner akademischen Laufbahn werde ich oft als "Designer" abgestempelt". Dabei will ich das überhaupt nicht ! Ich arbeite nicht nach 08/15-Plan. Und das muss und sollte in einer Zeit wie dieser erst recht keine Kriterium sein für eine Einstellung. Warum wagen Unternehmen nicht mal einen "neuen" Schritt, warum Innovation in der Technik nur suchen, aber nicht im Recruiting neuer Mitarbeiter ? Wieso wird der Mensch nicht kennengelernt um zu erfahren wie der Bewerber wirklich tickt - was er vor hat und wie er effizient einzusetzen wäre für das Unternehmen ? Von neuen Wegen reden, aber dann doch nur stupide das fortsetzen,was bislang bekannt ist. Weil viele Unternehmen doch zu feige sind ganz nach dem Motto. Ich Esse nichts was ich nicht kenne ...ich bleib bei meiner Currywurst - ja dann guten Appetit !!! Ich hab mich so kurz wie möglich gefasst, um das nicht all zu lang zu ziehen. Darum entschuldige ich die nur angekratzten Erklärungen einiger Punkte meiner Antwort zu diesem Thema. Ich hoffe das ich niemanden zu nahe getreten bin und freue mich über eine rege Anteilnahme ! Mit freundlichen grüßen Eta S. P.S.: Ich hoffe, dass mein Selbstbewusstsein nicht falsch verstanden wird.

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